Archiv für Fanfiction und Originale
 Suchen
 Login
 Ende und Anfang - Happy New Year


Kapitel oder Geschichte   Review ansehen/ posten  

Titel: Ende und Anfang
Autor: Serena
Kapitel: Einteiler
Rating: PG-13
Charaktere: Harry Potter, Draco Malfoy
Warnung: Slash - sollte man nicht eigentlich warnen, wenn keiner vorkommt?
Sonstiges: Beloved Mods - bitte noch nicht freischalten. Wenn sich einer erbarmt, und es mal überliest - wäre klasse. Wenn nicht, einfach stehen lassen - dann mache ich das morgen noch mal. Aber nach 'mal eben schnell was kurzes Schreiben' finde ich im Moment keine Fehler, was morgen durchaus anders aussehen kann.
Sprache: Deutsch
Datum: 01.01.2008
Wörter: 22098
Fandom: Harry Potter
Genre: General
Zusammenfassung: Silvester, der Jahreswechsel - die Zeit im Jahr, zu der man mit Knallern die bösen Geister vertreibt - vielleicht auch die, die wir schon viel zu lange mit uns herum tragen.
Disclaimer: Copyright © an der Handlung bei Serena Malfoy, 2004-2008. Alle Rechte an den deutschen Printausgaben der Harry Potter Bücher bei Carlsen Verlag GmbH, Hamburg, 1997-2008. Originalcopyright © bei Joanne K. Rowling, 1997-2008. Harry Potter, names, characters and related indicia are copyright and trademark Warner Bros.™, 2000-2008.


Irgendwo im zweiten Stock des kleinen, roten Backsteinhauses knallte eine Tür, eine laute, eindringliche Stimme schrie und irgendetwas fiel mit einem lauten Krachen zu Boden. Harry seufzte und ließ das in Leder gebundene Buch auf seinen Schoß sinken. 'Ganz eindeutig Ferien', stellte er in Gedanken fest und bemerkte zum wiederholten Male, wie ruhig es in diesem Haus ohne seine Kinder geworden war. Seit auch Lily nach Hogwarts ging, war die Stille oft unerträglich geworden.
Wie so oft in den vergangenen Monaten versuchte Harry zu begreifen, was passiert war. Und wie immer musste er zugeben, dass er es nicht wusste. Er konnte das Schweigen zwischen ihnen ebenso wenig erklären, wie die Kälte, die sich irgendwann eingeschlichen hatte.

Noch hatte es kaum jemand bemerkt. Nach außen schien die Welt in Ordnung, war die Familie Potter immer noch eine glückliche Familie, wie es sich für einen Helden gehört, der einst den dunkelsten aller Magier vernichtet hatte. Doch diese Fassade begann zu bröckeln. Hermione war es gewesen, die ihm auf den Kopf zusagte, dass er unglücklich sei. Typisch Hermione. Sie hatte schon immer einen siebten Sinn für seine Gefühle gehabt und nicht selten hatte Harry sie dafür verflucht. Aber wie auch in der Vergangenheit so konnte er auch dieses Mal nicht anders, als ihr Recht zu geben. Und erst, als er es laut ausgesprochen, seiner langjährigen Freundin sein Herz ausgeschüttet hatte, erst da war es für ihn Wirklichkeit geworden. 'Ob Ginny fremd ginge' hatte Hermione wissen wollen. Und Harry hatte nur mit den Schultern zucken können. Er wusste es nicht. Aber was noch viel schlimmer war: Der Gedanke daran schmerzte nicht. Es war ein langer Prozess gewesen, doch am Ende hatte er einsehen müssen, was er insgeheim schon längst geahnt hatte: Er liebte seine Frau nicht. Und mittlerweile war er sich nicht einmal mehr sicher, ob er sie je geliebt hatte. Vielleicht stimmte es ja, was Hermione behauptete. Das alles nur Gewohnheit gewesen war, oder Harry, wie so oft, nur getan hatte, was alle von ihm erwartete hatten. Harry wusste es nicht. Aber mittlerweile war er soweit, dass es ihm egal war.

"Du solltest dich langsam umziehen", riss ihn die vertraute Stimme seiner Frau aus seinen trüben Gedanken. Harry schaute zu ihr hoch. Für einen kurzen Moment hatte er vergessen, dass sie den letzten Tag dieses Jahres, wie all die Jahre zuvor, gemeinsam mit ihren Freunden verbringen wollten.
Harrys Leben schien längst nur noch aus Ritualen zu bestehen, die auch vor Silvester nicht halt machten. Dieses Jahr würden sie bei Ron und Hermione feiern, nachdem sie im letzten Jahr hier gefeiert hatten. Es war das einfachste. Die Kinder gingen zusammen zur Schule, waren befreundet, ihre Eltern waren befreundet. Es war einfach logisch. Lediglich James, Harrys ältester Sohn würde zum ersten Mal nicht dabei sein. Er wollte bei Freunden feiern, deren Eltern Harry kannte. Er hatte nichts dagegen. Immerhin war James bereits vierzehn Jahre alt. Doch Harry stand heute nicht der Sinn nach einer Feier.

"Ich werde nicht mitkommen", sagte er mit entschlossener Stimme und sah seiner Frau in die Augen. Für einen Moment schien es, als hätten Harrys Worte ihr die Sprache verschlagen, doch leider nur für einen kurzen Moment.
"Was soll das heißen", wollte sie wissen und ihre Stimme wurde bedrohlich hoch. "Du weißt doch, dass wir erwartet werden. Schließlich hat Hermione alles organisiert. Sie wird enttäuscht sein, wenn du nicht kommst." Harry schüttelte den Kopf. Hermione würde vermutlich die einzige sein, die ihn verstehen würde. Wie so oft.
"Ich glaube, sie wird es verkraften", erwiderte er.

"Und was sollen bitte die Leute denken, wenn ich dort alleine auftauche? Soll ich vielleicht sagen, dass mein Mann, der große Harry Potter, Kopfschmerzen hat?", wollte Ginny wissen. Harry verzog die Mundwinkel. Ganz genau darum ging es nämlich. Es war Ginny ziemlich egal, ob Hermione sich die Arbeit gemacht hatte, oder ob seine Freunde ihn vermissen würden. Was die Leute denken würden, das war lange wichtig gewesen, auch für ihn. Nur war es ihm eigentlich nie wirklich aufgefallen. Doch jetzt, da die Kinder aus dem Haus waren und er nach der Arbeit Ruhe zum nachdenken fand, da wurde ihm vieles klar.
"Es ist mir ziemlich egal, was die Leute denken, Ginny. Ich habe heute keine Lust zu feiern." Er stand auf, sah seine Frau noch einmal an und ging dann an ihr vorbei.

'Raus hier, raus hier, raus hier', schallten unausgesprochene Worte durch Harrys Kopf während er den Flur auf dem Weg zur Treppe durchquerte. Er war sich noch nie so sicher gewesen, wie in diesem Moment. Es hatte keinen Sinn mehr. Auf der ersten Treppenstufe blieb er stehen. Von oben waren immer noch die lauten Stimmen seiner Kinder zu hören. Sie waren es gewesen, die ihn all die Jahre hier gehalten hatten. Sie brauchten ihn. Und er brauchte sie. Doch konnte es wirklich so weitergehen? Während er die Treppen langsam hinaufstieg wurde im bewusst, dass es eigentlich nur noch eine Frage gab, vor deren Antwort er die meiste Angst hatt: 'Wie erkläre ich es den Kindern?'

~~ooOoo~~



"Und? Wirst du den Abend wieder in deiner Stammkneipe verbringen?" Draco drehte sich um, als er die helle Stimme seiner Frau vernahm. Er pfiff leise und ließ seine Hände sinken. Die Krawatte konnte er auch später noch binden. Oder einfach weg lassen. Er war sich noch nicht sicher.

"Du siehst klasse aus, Pansy", kommentierte er das gewagte und dennoch elegante Kleid seiner Frau. "Und du wirst von Jahr zu Jahr hübscher", stellte er fest und betrachtete sie eingehend. Von dem übergewichtigen Mädchen von einst war nicht mehr viel übrig geblieben. Schlank, mit langen, dunklen Haaren war aus der kleinen Pansy Parkinson eine Pansy Malfoy geworden, nach der sich die Männer umdrehten.

"Du alter Charmeur." Pansy lachte leise während sie auf ihn zu kam. Mit ihren langen, schlanken Fingern öffnete sie die beiden oberen Knöpfe seines Hemdes, zog ihm die Krawatte von den Schultern und hielt sie einen Moment in die Luft.
"Es sei denn, du brauchst sie heute Nacht", sagte sie schmunzelnd. Draco schnalzte mit der Zunge, griff nach der Krawatte und warf sie auf das Bett.
"Du nun wieder", sagte er mit gespielt vorwurfsvollem Ton während er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. "Vielleicht solltest du sie lieber mitnehmen." Er küsste sie auf die Stirn.

"Ehrlich gesagt weiß ich noch gar nicht, wo es mich heute hinverschlägt. Mal schauen." Er drehte sich um und sah in den Spiegel. Pansy hatte Recht. Ohne Krawatte war es eindeutig besser. "Hast du eigentlich eine Ahnung, was unser Sohn heute vor hat? Mir wollte er es partout nicht erzählen." Er drehte sich wieder um und sah Pansy an. Sie nickte.

"Mach dir keine Sorgen", sagte sie mit beruhigender Stimme. "Er will Sylvester mit einigen Freunden verbringen." Draco schnaubte laut hörbar.
"Keine Sorgen!", wiederholte er die Worte seiner Frau. "Er ist ein Malfoy, da muss ich mir Sorgen machen." Pansy lachte. "Aber er ist nur zur Hälfte ein Malfoy", gab sie zu bedenken.
"Noch schlimmer", erwiderte Draco während er sich wieder umdrehte, eine Schublade der Kommode unter dem Spiegel öffnete und eine altes Stück Pergament hervorholte. Aus einer anderen Schublade holte er seinen Zauberstab und murmelte ein paar Worte während er das Pergament mit dem Zauberstab berührte.
"Ich glaube das ja wohl nicht. Draco Malfoy, hast du etwa so wenig Vertrauen zu deinem eigenen Sohn?" Pansy starrte ungläubig auf das Pergament und dann auf ihren Mann. Draco grinste verlegen bevor er auf das Pergament sah und mit zufriedenem Gesicht die wenigen Worte las: "Scorpius Malfoy befindet sich in seinem Zimmer auf Malfoy Manor." Draco faltete das Pergament zusammen und steckte es in die Tasche seiner schwarzen Stoffhose.

"Man weiß ja nie, Pansy", erklärte er mit ruhiger Stimme. "Ich war auch mal jung und kann mich noch sehr gut daran erinnern, was ich damals alles angestellt habe."
"Unser Sohn ist dreizehn, Draco", widersprach Pansy. "In dem Alter hast du ..." Draco ließ seine Frau nicht aussprechen.
"In dem Alter habe ich mich mit Potter duelliert und ..." Dieses Mal war es Pansy, die ihren Mann seinen Satz nicht beenden ließ.
"Dabei hättest du ihn viel lieber in der Besenkammer vernascht", erinnerte sie sich an die Vergangenheit.
"Das war ein Jahr später", nuschelte Draco und strich sich verlegen das Haar aus der immer höher werdenden Stirn. "Oder vielleicht auch zwei Jahre." Pansy lachte leise, streckte die Hand aus und strich ihm über die blasse Wange.

"Keine Sorge, dein Geheimnis ist bei mir sicher. Niemand in dieser Welt wird je erfahren, dass der eiskalte Draco Malfoy bis über beide Ohren verliebt war. Das geht die Welt nichts an. Draco lächelte und küsste seine Frau erneut auf die Stirn. "Ich habe die beste Frau der Welt", stellte er nicht zum ersten Mal fest, seit er diese Frau vor vielen Jahren geheiratet hatte. Es gab wohl niemanden, der ihn besser kannte und besser verstand als die Frau, die jetzt in seinem Schlafzimmer stand.

~~ooOoo~~



"Warum möchtest du heute nicht mit uns feiern?" Albus Potter sah seinen Vater mit großen, fragenden Augen an. Harry wusste nicht, was er sagen sollte. Wie sollte er seinen Kindern erklären, dass es nichts mit ihnen zu tun hatte.
"Lass ihn, Albus. Vielleicht möchte er auch mal etwas alleine unternehmen. Du willst in Hogwarts schließlich auch nicht immer mit den gleichen Leuten rumlaufen", nahm James seinen Vater in Schutz, während er soeben die fünfte Hose aus dem Schrank zog, kurz betrachtete und dann auf das Bett warf.
"Ich weiß nicht, was schlecht daran ist, mit den gleichen Leuten herumzulaufen", stellte Albus fest und warf seinem Bruder einen drohenden Blick zu. Harry betrachtete seine Söhne. Vielleicht konnte er es ihnen irgendwann erklären. Heute war jedoch nicht der richtige Tag.

"Auf jeden Fall laufe ich nicht mit irgendwelchen Slytherin durch die Gegend", sagte James und streckte seinem jüngeren Bruder die Zunge raus. Harry wurde hellhörig.
"Ach, nur manchmal, Papa", rechtfertigte Albus sich. "Weiß du, die sind gar nicht so schlimm wie Onkel Ron immer erzählt. Zumindest nicht alle." Harry atmete erleichtert auf, hatte er doch noch seine eigene Schulzeit vor Augen. Und damals waren Begegnungen mit den Slytherin selten ruhig abgelaufen. Aber diese Zeit schien endgültig vorbei zu sein.
"Ich weiß", stimmte Harry seinem Sohn zu. "Ich weiß". Irgendwann würde Harry seinen Söhnen vielleicht mehr von seiner eigenen Schulzeit erzählen. Doch noch waren sie einfach zu jung dafür.

~~ooOoo~~



"Nein, ich werde es dir nicht sagen. Schließlich sagst du mir ja auch nicht, wo du hingehst." Trotzig sah Scorpius Malfoy seinen Vater an, der in solchen Moment noch mehr als sonst seinem Vater nicht nur äußerlich ähnelte.
"Das könnte daran liegen, dass ich dein Vater bin, junger Mann", erklärte Draco seinem Sohn mit ruhiger Stimme. "Und es ist mein gutes Recht zu wissen, wo mein dreizehnjähriger Sohn sich herum treibt." So langsam begann Draco die Geduld zu verlieren.

"Dann gib mir doch Hausarrest", schlug Scorpius seinem Vater vor, wohl wissend, dass sein Vater genau dies nicht tun würde. Pansy stand mit verschränkten Armen in der Tür und beobachtete ihre beiden Männer amüsiert.
"Vielleicht sollte ich das wirklich mal tun", stellte Draco nachdenklich fest, dachte jedoch nicht im Traum daran. Niemals würde er seinen Sohn einsperren oder ihm auf sonst irgendeine Art seine Freiheit einschränken. Nur musste Scorpius das ja nicht unbedingt wissen. Er wandte sich seiner Frau zu.

"Bist du sicher, dass das wirklich unser Sohn ist, Pansy?" Er sah Scorpius wieder an. "Ich finde, er hat was von Potter. Zumindest ist er genauso aufmüpfig." Pansy lachte laut.
"Das hat er wohl eher von dir mein Lieber. Und ja, ich bin mir sicher", antwortete sie, was Draco längst wusste.
"Ich weiß gar nicht, was du willst, Papa, so übel ist Potter doch gar nicht. OK, James ist ein Kotzbrocken, aber Albus ist eigentlich ganz OK." Scorpius hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund, nachdem er die Worte ausgesprochen hatte. Draco sah seinen Sohn an, hob die rechte Augenbraue und richtete schließlich seinen Blick auf seine Frau.
"Was haben wir in der Erziehung bloß falsch gemacht, Liebling", stöhnte er laut auf und reckte die Arme gen Himmel. Pansy lachte wieder, als der Klopfer der Haustür Besuch ankündigte.

"Das ist für mich", rief Scorpius. Er ging zu seinem Vater, stellte sich auf die Zehenspitzen und umarmte ihn. "Nix habt ihr falsch gemacht. Und an eurer Erziehung arbeiten wir noch." Er lief weg, bevor Draco etwas sagen konnte. Auf dem Weg nach draußen küsste er seine Mutter auf die Wange und flüsterte ihr etwas ins Ohr, das Draco nicht hören konnte. Der Klapps, den Pansy ihrem Sohn verpasste und ihre rote Gesichtsfarbe, ließ ihn jedoch ahnen, dass es nicht ganz jugendfrei gewesen war.
"Wir sollten ihn zur Adoption frei geben", sagte Pansy schließlich resignierend. "Wie soll das bitte werden, wenn er erst mal fünfzehn oder sechzehn ist?" Dieses Mal war es Draco, der lachen musste.

~~ooOoo~~



Harry lief durch die Straßen bis er vor einem verwilderten Garten stehen blieb. Es war ein trauriger Anblick. Jahrelang hatte sich niemand mehr um das alte Haus am Grimmauldplatz 12 gekümmert. Nicht einmal er. Dieses Haus war ein Teil seiner Vergangenheit, die er immer wieder versucht hatte zu verdrängen. Und wenn er ehrlich war, dann war es ihm sogar lange Jahre geglückt. Sein Blick wanderte über die alte Fassade. Die Fenster, die jemand mit Brettern vernagelt hatte passten zu der alten, schweren Haustür mit dem verwitterten Klopfer. Es war ein trauriger Anblick. Einen Moment lang war Harry versucht, den Zauberstab zu zücken, um sich Eintritt zu verschaffen, doch dann überlegte er es sich anders. Er wollte nicht in das Haus gehen, dass einst seinem Patenonkel gehört hatte. Nicht alleine. Die Erinnerungen würden ihn erdrücken, da war Harry sich sicher. Und seine Laune war heute ohnehin schon auf dem Nullpunkt angekommen.

Noch vor einer Stunde hatte er das Haus, das er mit Ginny und den Kindern bewohnte, in der Absicht verlassen, in den nächsten Tagen seine Sachen zu packen und in das Haus am Grimmauldplatz zu ziehen. Jetzt war er sich nicht mehr so sicher, ob er das überhaupt konnte.

Er wandte sich ab und lief die Straße hinunter. Ohne ein bestimmtes Ziel. So, wie er vorhin das Haus verlassen hatte. Ziellos. Ziellos, wie er diesen Abend verbringen wollte, ziellos, wie er sein weiteres Leben verbringen wollte. Er war 39 Jahre alt und wusste nicht, was er wollte. Vor zwanzig Jahren war eine Familie alles gewesen, was er sich wünschte. Doch jetzt, da er diese Familie hatte, fragte er sich immer wieder, ob das wirklich schon alles war. Und wenn ja, warum hatte er dann immer das Gefühl, das etwas in seinem Leben fehlte?

Harry schlenderte die Straße entlang, kickte eine alte Dose mit dem Fuß zur Seite und überlegte, was eigentlich schief gelaufen war.
"Hey, kannst du nicht aufpassen!" Harry zuckte zusammen und sah die junge Frau an, die ihn angesprochen hatte. Sie stand in der Tür, hinter der offensichtlich eine der zahlreichen Silvesterfeiern in Gange war und warf ihm böse Blicke zu. Harrys Blick wanderte auf den Boden und er erkannte die Dose, die er eben noch mit dem Fuß zur Seite getreten hatte. Ganz offensichtlich hatte er die junge Frau getroffen.

"Tut mir leid", murmelte er gerade so laut, dass sie es hören musste. "War keine Absicht", versuchte er zu erklären, was der Wahrheit entsprach. Er hatte überhaupt nicht darauf geachtet, was um ihn herum vor sich ging. Geschweige denn, wo diese dumme, alte Dose hingeflogen war.
"Das will ich hoffen", sagte sie und ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem Lächeln, während sie Harry musterte. Dann sah sie auf die Straße, auf der es längst dunkel geworden war. In dieser Gegend waren kaputte Straßenlaternen nichts ungewöhnliches.
"Diese Gegend ist nicht ganz ungefährlich", gab sie zu bedenken, was Harry schon seit vielen Jahren wusste. "Sie sollten hier nicht alleine rumlaufen."
"Danke, ist mir bekannt", antwortete er deutlich patziger, als es seine Absicht gewesen war. Mit seiner rechten Hand deutete er die Straße hinunter. "Ich wohne ein Stück weiter die Straße hinunter", erklärte er, was nicht stimmte. Zumindest noch nicht. Die junge Frau betrachtete ihn skeptisch.

Diese Gegend war nicht gerade das, was man in London als gute Wohngegend bezeichnete. Ganz im Gegenteil. Wer hier wohnte, war entweder eine gescheiterte Existenz oder aber exzentrisch. Scheinbar schien Harry nach ihrer Ansicht weder in die eine noch in die andere Kategorie zu passen. "Hier?", fragte sie ungläubig. Harry nickte.
"Nja", antwortete er schließlich, "noch nicht. Aber ich habe vor hier her zu ziehen. Ich habe das Haus geerbt", erklärte er. Sie schüttelte verständnislos den Kopf.

"Ich glaube nicht, dass ich hier wohnen möchte", stellte sie fest. Eine laute Stimme war aus der kleinen Kneipe zu hören und die junge Frau drehte sich um. Sie wechselte ein paar Worte mit der gesichtslosen Stimme bevor sie sich wieder Harry zu wandte. "Aber immerhin kann man hier gut feiern", erklärte sie. "Niemand der sich beschwert, weil man zu laut ist, oder weil die Gäste sich vielleicht nicht immer so benehmen, wie es die Londoner Gesellschaft gerne hätte." Sie zwinkerte ihm zu.

"Na, dann noch viel Spaß", wünschte Harry der jungen Frau und hob zum Gruß die Hand. Irgendwie beneidete er diese junge Frau. Sie war ungezwungen und freundlich und schien eine Menge Freunde zu haben. Er wandte sich ab.
"Hey", hörte Harry ihre Stimme erneute. Er drehte den Kopf und sah sie an. "Heute Abend schon was vor?", fragte sie. Harry zögerte doch schließlich schüttelte er den Kopf und hatte in diesem Moment das Gefühl endgültig auszubrechen. Die junge Frau trat zur Seite und winkte ihn zu sich. Wieder zögerte Harry doch dann folgte er der Einladung und betrat die kleine Kneipe.

~~ooOoo~~



"Weiß dein Vater, wo du Silvester feierst?", fragte Rose verschwörerisch. Scorpius lachte laut auf.
"Glaubst du wirklich, dass ich dann hier wäre?" Rose verzog bei Scorpius' Worten das Gesicht. "Vermutlich nicht", erwiderte sie schließlich und Scorpius nickte. "Allerdings weiß meine Mutter Bescheid", erklärte er. Sein Blick wanderte zu der Frau mit den langen, lockigen Haaren. "Irgendwie nicht zu glauben, dass unsere Mütter sich früher nicht mochten", bemerkte er leise, in der Hoffnung, dass Hermione seine Worte nicht gehört hatte.

Doch Hermione hatte sie sehr wohl vernommen und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ja, es war wirklich kaum noch zu glauben. Aber es war auch schon über zwanzig Jahre her. Sie waren alle älter geworden, und vernünftiger. Sie seufzte leise. Zumindest die meisten von ihnen. Noch hatte sie keine Ahnung, wie sie Ron den Besuch des jungen Mannes erklären sollte. Sie war nur froh, dass der Rest von Rons Familie dieses Jahr Silvester nicht mit ihnen zusammen feiern wollte. Die Männer dieser Familie waren in ihren Ansichten ganz eindeutig in der Vergangenheit hängen geblieben. Sie hatte eine leise Vorstellung, was diese Männer von dem jungen Gast halten würden, aber es war ihr schlichtweg egal und mit ihrem Ehemann würde sie schon fertig werden.

Scorpius Malfoy war ein Schulfreund ihrer Tochter, ebenso wie er sich mit Harrys Sohn Albus angefreundet hatte und irgendwie gefiel Hermione diese Freundschaft. Und das ganz sicher nicht nur, weil dieser Junge gut erzogen war. Und Hermione war sich sicher, dass dies weitestgehend der Verdienst von Pansy Malfoy war. Ohja, sie hatten sich verändert. Sie konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie sie Pansy vor zwei Jahren in Hogwarts begegnet war. Zum ersten Mal seit ihrer eigenen Schulzeit hatten sie miteinander gesprochen. Und auch wenn es Hermione anfänglich nicht hatte glauben wollen, sie verstanden sich blendend. Diesem einen, ersten Gespräch waren viele gefolgt, denen sich irgendwann auch Ginny, Harrys Frau angeschlossen hatte. Heimlich. Und noch immer trafen sie sich heimlich. Sprachen über Kindererziehung, den Haushalt aber auch über das, was um sie herum geschehen war, als sie selber noch Kinder gewesen waren. Es hatte Hermione erstaunt, wie ähnlich sie sich doch eigentlich waren und wie einig sie sich waren.

Die Jugend der heute längst erwachsenen Frauen, war überschattet gewesen von einem Magier, der sie zu Feinden gemacht hatte ohne, dass sie sich überhaupt kannten. Ihr Leben war von anderen gesteuert worden. Eltern und Lehrer suchten aus, wer Freund war und wer Feind. Und erstaunlicherweise hatten sie nicht immer richtig gelegen. Doch all das war lange her. Der dunkle Magier war vernichtet und ihr Leben gehörte längst wieder ihnen. Doch ihren Kindern wollten sie diese Vorschriften ersparen. Und so war es vielleicht eine Überraschung für Hermione gewesen, dass sich ihre Tochter ausgerechnet mit dem Sohn von Draco Malfoy angefreundet hatte, aber sie hatte nichts dagegen. Genauso wenig wie Pansy und Ginny. Nun galt es nur noch die Väter dieses neuen Hogwarts-Trios zu überzeugen. Und dabei machte sich Hermione um Harry noch die geringsten Sorgen. Abgesehen davon, dass ihr bester Freund im Moment genug eigene Probleme hatte, war er nach Hermiones Ansicht vernünftig genug um die Vergangenheit ruhen zu lassen.

~~ooOoo~~



Harry wurde von einem Stimmenwirrwarr empfangen. Die kleine Kneipe, die er früher nie bemerkte hatte, war volle Menschen. Aus Boxen, die er nicht sehen konnte, tönte fröhliche Musik und die Luft war rauchverhangen. Irgendwer drückte ihm ein Glas in die Hand und lächelte ihm zu. Harry konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern. Langsam löste sich seine Anspannung. Er trank einen Schluck von dem, was zumindest nach Bier schmeckte und schaute sich um. Erleichtert stellte er fest, dass er niemanden erkannte, was hier in der Welt der Muggel nicht weiter verwunderlich war. Es tat gut. In seiner Welt konnte er kaum einen Schritt tun, ohne das ihn jemand ansprach. Es mochte lange her sein, aber die Welt der Hexen und Zauberer hatte den Bezwinger Voldemorts nie vergessen. Harry verdrängte den Gedanken und durchquerte mit langsamen Schritten die Kneipe, bis er zum Tresen, an der linken Seite des Raumes kam. Er stellte sein Bier ab, stützte sich mit dem Ellenbogen auf dem Tresen ab und genoss das Treiben um sich herum. Er liebte es, Menschen zu beobachten. Hin und wieder lief die junge Frau an ihm vorbei, die ihn eingeladen hatten und deren Name er immer noch nicht wusste. Gerade wieder. Er winkte ihr zu. Sie hob ihr Glas und war schon wieder verschwunden bevor Harry überhaupt den Versuch starten konnte, mit ihr zu reden. Einen Moment später jedoch kam sie zurück, einen Mann an ihrer Seite, der kaum älter als zwanzig wirkte. Und viel älter schätzte Harry auch die junge Frau nicht.

Sie stellte sich neben Harry und deutete auf ihren Begleiter. "Steve", stellte sie ihn kurz vor. Dann hielt sie Harry die rechte Hand hin. "Ich bin übrigens Kate." Harry fragte sich einen Moment lang, ob sie Gedanken lesen könne, verwarf den Gedanken jedoch sofort wieder. "Harry", stellte er sich vor. Scheinbar waren Nachnamen hier nicht von Interesse, was Harry nur Recht war.

"Harry ist der, der hier ein Haus geerbt hat", erklärte Kate ihrem Begleiter. Dieser sah Harry neugierig an. "Wirklich?" Harry nickte. "Und wann wirst du einziehen?" Offensichtlich war dieser Steve ziemlich neugierig.
"Weiß noch nicht", antwortete Harry kurz. Er schätzte es nicht, wenn er von anderen Menschen ausgefragt wurde. Schon gar nicht von fremden Menschen.
"Also wenn du es dir anders überlegst und vielleicht verkaufen willst", setzte Steve an. Kate verpasste ihm einen Stoß. "Wir haben Silvester, Steve." Sie warf Harry einen entschuldigenden Blick zu. "Er ist in der Immobilienbranche", sagte sie und verdrehte dabei die Augen. Dann hob sie mit einem Mal die Hand und winkte jemandem in der Menge zu. "Mike, hier", rief sie laut. Ein Mann, deutlich älter als Kate trat zu ihnen. "Mein Bruder Mike", stellte Kate den Mann vor. "Ihm gehört der Schuppen hier." Mike musterte Harry nachdenklich bevor er ihm die Hand reichte. Harry wusste nicht, was er davon halten sollte. Der Mann, er mochte in etwa in Harrys Alter sein, hatte kurze, fast schwarze Haare und war ein Stück größer als Harry.

"Irgendwoher kenne ich dich", stellte Mike nach einem kurzen Moment fest. Harry hielt die Luft an. Aber er war sich sicher, diesen Menschen noch nie zuvor gesehen zu haben.
"Das glaube ich nicht", sagte er schließlich. "Ich bin selten in dieser Gegend unterwegs. Ich wohne nicht in London."
"Das ist ja wohl die blödeste Anmache überhaupt, Mike", rettete ihn Kate in diesem Moment vor weiteren Fragen. Denn die Winkelgasse lag sehr wohl in London. Nur nicht in dem London, das Mike und all die anderen hier kannten.
"Also ich fand sie gar nicht so schlecht", hörte Harry eine Stimme hinter sich und erstarrte. Diese Stimme, die hier so fehl am Platz war wie er selber, diese Stimme hätte er überall erkannt.

~~ooOoo~~



"Wo warst du so lange, Hermione", empfing Ron seine Frau ungeduldig. "Wir warten schon alle auf dich." Er deutete in die Runde. "Naja, fast alle", setzte er hinzu. Hermione schaute ihren Mann fragend an und ließ dann ihren Blick über das weitläufige Wohnzimmer schweifen.
"Harry ist nicht da", stellte sie schließlich, wenig überrascht, fest. Ron nickte während Hermione Ginny und ihre Kinder begrüßte. Sie flüsterte Albus etwas ins Ohr, woraufhin dieser grinste und fluchtartig das Wohnzimmer verließ. Ginny schaute ihm fragend nach.
"Rose ist in ihrem Zimmer", erklärte Hermione. "Wir haben noch einen Freund von ihr abgeholt. Deswegen bin ich auch so spät dran", richtete sie ihre letzten Worte an ihren Mann.
"Einen Freund?" Rons Stimme klang skeptisch, doch Hermione sah keine Veranlassung, ihm jetzt zu erklären, wer dort oben war. Der Streit würde noch früh genug kommen. Statt dessen wandte sie sich ihrer Schwägerin zu.

"Alles in Ordnung, Ginny?", fragte sie und wie zu erwarten war schüttelte Ginny den Kopf. Hermione atmete tief durch. Ganz genau so hatte sie sich den letzten Abend des Jahres nicht vorgestellt. Fürsorglich legte sie den Arm um die Schultern der Jüngeren und führte sie aus dem überfüllten Wohnzimmer hinaus in die Küche, in der sich bereits die Schüsseln für das Abendessen stapelten. Von oben hörte sie eine helle Stimme und ahnte, wo Lily und Hugo waren.

Hermione schloss die Tür hinter ihr und deutete auf die Sitzecke. Ginny setzte sich, scheinbar erleichtert, die anderen Menschen für einen Moment ausgesperrt zu wissen. Hermione goss Tee in zwei Tassen, stellte sie auf den Tisch und ließ sich schließlich auf einem Stuhl, Ginny gegenüber, nieder.
"Ich werde Harry verlassen", sagte Ginny emotionslos, nachdem sie einen Schluck Tee getrunken hatte. Hermione schwieg. "Weißt du", fuhr Ginny fort, "wir reden kaum noch miteinander und eigentlich weiß ich auch gar nicht, worüber ich mit ihm reden soll." Sie griff nach ihrer Tasse und trank. "Wir sind so verschieden, wie es zwei Leute nur sein können."
"Du klingst nicht sonderlich traurig", stellte Hermione fest, was ihr schon im Wohnzimmer aufgefallen war. Ginny verzog das Gesicht und schüttelte schließlich den Kopf.
"Ich glaube, wir haben einfach viel zu schnell geheiratet", erklärte sie. "Und genau genommen haben wir beide wenig vom Leben gehabt." Es klang für Hermione wie eine Rechtfertigung und sie musste an ihr letztes Gespräch mit Harry denken. Was damals nur eine Vermutung gewesen war, nahm langsam Gestalt an. "Ich meine, du und Ron, ihr habt euch Zeit gelassen, aber irgendwie habt ihr immer wieder zusammen gefunden."

Hermione konnte nicht widersprechen. Es war wirklich ein jahrelanges Hin und Her gewesen, bis sie endlich zueinander gefunden hatten. Und vielleicht hatte Ginny Recht. Vielleicht funktionierte ihre Ehe deswegen so gut. Sowohl Ron als auch sie hatten sich, wie Ron es früher immer so schön genannt hatte, ausgetobt.
"Ich habe immer das Gefühl, als hätte ich irgendetwas verpasst", sagte Ginny mit leiser Stimme.

"Dann sag es ihm", schlug Hermione vor, wissend, dass damit nicht nur Ginnys Probleme gelöst wären. "Sprich mit ihm und findet gemeinsam eine Lösung." Hermione wusste nicht, was sie sagen sollte. Am liebsten hätte sie ihr gesagt, dass auch Harry längst erkannt hatte, was los war. Vielleicht würde es Ginny die Angst nehmen. Aber Hermione konnte es ihr nicht sagen. Sie hatte es ihrem Freund versprochen.

"Und was ist mit den Kindern?" Mit einem Mal klang Ginny verzweifelt. Hermione wusste, dass beide, Ginny und Harry ihre Kinder liebten, aber vielleicht war gerade das Grund genug, endlich einen Schlussstrich zu ziehen.
"Eure Kinder sind alt genug, Ginny", gab sie zu bedenken. "Glaubst du etwa, sie merken nichts?" Ginny sah bedrückt zu Boden. "Ihr sollt ja keinen großen Streit vom Zaun brechen. Wenn ihr das Ganze besonnen angeht, dann wird sich eine Lösung finden, Ginny." Ginny lachte freudlos auf.
"Du tust ja gerade so, als würde Harry einfach dabei zusehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er seine Familie so leicht aufgibt. Schließlich ist es doch genau das, was er sich immer gewünscht hat", sagte sie traurig. "Und ich mache es ihm kaputt." Hermione griff nach Ginnys Hand.

"Harry hat sich eine glückliche Familie gewünscht, Ginny. Willst du euch immer noch als glücklich bezeichnen?" Ginny verzog die Mundwinkel. "Noch seid ihr jung genug, jeder für sich ein neues Leben aufzubauen. Und eure Kinder sind alt genug, um es zu verstehen. Wenn du jetzt nichts tust, dann endet es irgendwann in einer Katastrophe." Es juckte Hermione zu fragen, ob es einen anderen Mann in Ginnys Leben gab, doch sie wusste ganz genau, dass jetzt sicherlich der falsche Moment dafür war. Später vielleicht.
"Meinst du wirklich, er wird mit sich reden lassen?", fragte Ginny erstaunt. "Weißt du, ich habe Angst ihn zu verletzten. Er hat so viel durchgemacht in seinem Leben." Ginny schluckte und ihre Augen begannen zu glänzen.

"Und genau deswegen verdient er es, glücklich zu werden. Genau wie du. Und wenn das nun mal nicht gemeinsam geht, dann müsst ihr einen Weg finden. Für euch und auch für eure Kinder", sagte Hermione und stand auf, als bei Ginny die ersten Tränen flossen. Sie durchquerte die Küche, nahm ein Paket Taschentücher aus einer der Schubladen und gab es Ginny. Anschließend ging sie vor ihrer Freundin und Schwägerin in die Hocke und legte ihr beide Hände auf die Oberschenkel. "Du kannst auf mich zählen. Wir haben in der Vergangenheit so viel miteinander durchgestanden, da kriegen wir das Problem doch wohl auch noch gelöst, oder?" Ginny lächelte und nickte.

~~ooOoo~~



Langsam drehte Harry sich um und sah in ein paar graue Augen. Es war lange her, dass sie sich so nah gewesen waren. Das letzte Mal war er Draco auf dem Bahnsteig begegnet, als sie beide ihre Söhne zum Zug gebracht hatten. Mit viel Abstand und vielen anderen Menschen um sich herum. Und davor? Davor hatten sie sich fast zwanzig Jahre nicht gesehen. Und genau genommen hatten sie genauso lange nicht mehr miteinander gesprochen. Fast schon erstaunlich, dass Harry die Stimme trotz allem wieder erkannt hatte.

"Ich fürchte, deine Anmache war leider umsonst", vernahm Harry die Stimme von Kate ohne ihre Worte wirklich zur Kenntnis zu nehmen.
"Es war keine Anmache", brummte Mike seine Schwester an. "Und jetzt weiß ich auch, wo ich ihn schon mal gesehen habe", rechtfertigte er sich. Harry bekam von all dem kaum etwas mit. Viel zu sehr war damit beschäftigt, sich zu erklären, was ausgerechnet Draco Malfoy hier machte. In einer Kneipe, die ganz sicher nicht dem entsprach, was dieser arrogante Kerl gewohnt war. "Draco hat ein paar Bilder in seinem Arbeitszimmer, da ist der da drauf", erklärte Mike und Harry wurde sichtlich unruhig.

"Hi Potter", drangen schließlich vertraute Worte an Harrys Ohren. 'Potter' so hatte ihn lange niemand mehr genannt. Und irgendwie gefiel es Harry.
"Hi Malfoy", antwortete er und fühlte sich mit einem Mal wieder in seine Schulzeit zurück versetzt. Für einen Moment konnte er vergessen, dass er verheiratet war, drei Kinder hatte und seine Schulzeit längst der Vergangenheit angehörte. Und fast fühlte er sich versucht, seinen Zauberstab zu zücken und Draco zu einem Duell herauszufordern. Nur um der guten, alten Zeiten willen, die nicht immer gut gewesen waren, aber seltsamerweise erinnerte Harry sich mit einem Mal gerne an sie - und an Draco. Irgendetwas war seltsam.
Sehr seltsam.

~~ooOoo~~



"Hey Scorpius, nun zieh nicht so ein Gesicht. Mein Vater wird dir schon nicht den Kopf abreißen." Rose Weasley, die Tochter von Ron und Hermione, warf ihrem Klassenkameraden ein Kissen an den Kopf. "Irgendwann müssen die doch mal begreifen, dass es in Hogwarts heute etwas anders läuft als zu ihrer Zeit."
"Aber müssen wir es ihnen unbedingt sagen", wollte Scorpius wissen. Er freute sich zwar, Silvester mit seinen Freunden verbringen zu können, aber vor der Begegnung mit dem Vater von Rose graute es ihm. "Vielleicht könnten wir ja Lily und ..." Hilfesuchend sah er in die Richtung des zweiten Kinderzimmers, aus dem in diesem Moment schallendes Gelächter kam. Rose schüttelte den Kopf.

"Ich fürchte, da müssen wir jetzt irgendwie alleine durch." Sie sah zu Albus.
"Sei nicht so ein Angsthase", kommentierte Albus die Worte seines Freundes. "Ich dachte immer, Slytherin seien so toll." Er grinste und schaffte es gerade noch, einem fliegenden Kissen auszuweichen.
"Das verwechseltst du", korrigierte ihn Rose in dem altklugen Tonfall ihrer Mutter. "Die mutigen, das sind die Gryffindor, also wir. Slytherin waren immer die bösen."
"Alles eine Frage der Betrachtungsweise", murmelte Scorpius, dem ganz und gar nicht wohl in seiner Haut war. "Aber wenn die Gryffindor so mutig sind, dann könnt ihr es eurem Vater erzählen."

"Warum können sich unsere Eltern eigentlich immer noch nicht leiden", fragte Rose nachdenklich. "Ich meine, dieser Krieg, das ist doch schon so lange her und eigentlich müsste Scorpius' Vater doch ein Freund sein." Sie kaute nachdenklich auf ihrer Unterlippe herum.
"Ich weiß nicht", antwortete Scorpius. "Mein Vater redet ungern über diese Zeit, und wenn er es doch tut, dann nicht über Harry Potter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es nicht nur mit dem Krieg zu tun hat." Er knetete die Ecke des Kissens.
"Wie meinst du das denn?", wollte Albus wissen.

"Es ist nur so ein Gefühl", versuchte der Junge zu erklären. "Dad kann sich über Mr. Weasley aufregen und Mrs. Weasley nennt er immer Mrs. Oberschlau." Er sah entschuldigend zu Rose. "Nur über Mr. Potter sagt er so gut wie nie etwas. Wenn, dann ist es Mum. Und sie macht immer ganz merkwürdige Bemerkungen über ihn."
"Eltern", schnaufte Albus. "Die soll mal einer verstehen." Er ließ sich rückwärts auf das Bett fallen, auf dem er saß. Er starrte zur Decke. "Aber wenn ich es mir genau überlege, dann hat Papa auch noch nie wirklich von Mr. Malfoy gesprochen." Er hob den Kopf und sah zu Scorpius. "Glaubst du, das hat irgendetwas zu sagen?" Scorpius zog die rechte Schulter hoch.
"Weiß nicht", antwortete er. "Merkwürdig ist es auf jeden Fall. Immerhin sind sie in die gleiche Klasse gegangen." Er starrte wieder zur Decke.

"Vielleicht sollten wir mal in der Bibliothek nachschauen", schlug Rose vor. "In den Geschichtsbüchern steht etwas von dem letzten, großen Krieg drin. Vielleicht steht da auch noch ein bisschen mehr." Scorpius verzog das Gesicht.

"Du glaubst doch nicht, dass da so was drin steht." Er schüttelte verständnislos den Kopf. "Aber vielleicht fragt ihr einfach mal den Kopflosen Nick", schlug er vor. "Die waren schließlich damals schon dabei und können bestimmt interessante Geschichten erzählen."
"Warum fragen wir nicht unsere Eltern?", schlug Albus vor. Er stützte sich auf seinen Ellenbogen ab und schaute in die Runde. "Wer könnte es besser wissen, als sie?"
"Meine Mutter würde mir bestimmt was erzählen", sagte Scorpius nachdenklich. "Bei Dad habe ich da so meine Zweifel." Rose nickte zustimmend.

"Meine Mutter auch. Wir können sie ja mal fragen." Sie sprang auf, griff nach Scorpius' Hand und zog den Jungen hoch. "Komm schon", forderte sie Albus auf.
"Glaubst du wirklich, dass das so eine gute Idee ist", fragte Albus und verzog das Gesicht. "Auf der anderen Seite hast du vielleicht Recht. Es wird Zeit, dass sie uns mehr erzählen, als das was wir selber irgendwo nachlesen. Wozu sind wir schließlich die Kinder von Kriegshelden." Er stand auf. "Im schlimmsten Fall schicken sie uns wieder nach oben oder geben uns Hausarrest und nächste Woche geht es wieder zurück zur Schule. Was kann uns also großartig passieren."

Mit dem festen Vorsatz Antworten zu bekommen verließ die kleine Gruppe das Zimmer und machte sich auf den Weg nach unten.

~~ooOoo~~



"Wusste gar nicht, dass du auch alleine weggehen darfst", stellte Draco in seiner vertraut, sarkastischen Art fest. "Ich hatte eigentlich eher vermutet, dass du Silvester im trauten Familienkreis feierst. Und dann treffe ich dich ausgerechnet hier." Harry sah sich erstaunt um, ohne zu verstehen, was Draco mit dieser letzten Bemerkung gemeint haben konnte.

"Nun, ich scheine ja nicht der einzige zu sein, der ohne seine hübsche Familie feiert", erwiderte er trocken. "Oder sollte ich deine Frau übersehen haben? Oder deinen Sohn?" Er sah sich erneut um, konnte aber weder die ehemalige Klassenkameradin, noch Dracos Sohn irgendwo entdecken. "Wollten sie dich etwa loswerden?", fragte er schließlich bissig.
"Na, zumindest hängt mir meine Familie nicht am Rockzipfel", konterte Draco. Er wandte sich an den Barkeeper und gab ihm ein kurzes Zeichen.

"Ich werde das Gefühl nicht los, dass ihr beiden euch bereits kennt", mischte sich Kate in die Unterhaltung ein und zuckte zusammen, als beide Männer sie böse ansahen. "Ist ja schon gut." Sie hob abwehrend beide Hände. "Ich mein ja nur."
"Du meinst was, Kate?", wollte Draco wissen.
"Naja, wenn ihr euch prügeln wollt, dann tut das bitte draußen", schlug sie vor. Harry und Draco sahen sich an. Mit einem Mal mussten beide laut lachen.
"Sag mal, Kate, hast du schon mal was von Hogwarts gehört?", fragte Draco schließlich, nachdem er sich beruhigt hatte.

"Eindeutig Hufflepuff", ergänzte Harry und wieder brachen die beiden in lautes Gelächter aus. Kate schüttelte den Kopf.
"Ihr seid ja betrunken", stellte sie fest.
"Noch nicht", erklärte Draco. "Aber was nicht ist, kann ja noch werden." Er nahm das Glas entgegen, dass ihm der Barkeeper hinhielt und prostete Harry zu. Harry nahm sein Glas und hob es kurz an.
"Auf unser Wiedersehen", sagte er mit leiser Stimme und musste feststellen, dass er sich tatsächlich freute Draco Malfoy wiederzusehen. Und er freute sich auf die Stunden, die noch vor ihm lagen. Stunden, in denen er seiner gar nicht so heilen Welt entfliehen konnte. Er verdrängte sogar den Gedanken, irgendwann zurückkehren zu müssen, in das Haus, in dem er sich längst nicht mehr zu Hause fühlte.

"Also", drang Dracos Stimme erneut an sein Ohr, "wirst du es mir erzählen, oder ist eines dieser Potter-Geheimnisse?" Harry sah ihn fragend an. "Na, warum du alleine unterwegs bist. Und warum in dieser Gegend."
"Und ich dachte immer, wenn es etwas gibt, dass du kennst, dann ist es deine Familiengeschichte", setzte Harry an, siegessicher, als er das fragende Gesicht seines Gegenübers sah. "Die Familie Black besaß ein Haus ganz hier in der Nähe." Dracos Gesicht hellte sich auf.

"Stimmt", sagte er schließlich. "Mein Vater hat mir mal davon erzählt. Meine Tante war damals ziemlich sauer, dass du es geerbt hast und nicht sie oder meine Mutter."
"Nun sind sie auch noch verwandt", kommentierte Kate die Unterhaltung der beiden. "Komm Steve, lass uns tanzen gehen. Die beiden Turteltauben kommen schon alleine klar." Sie zog ihren Freund auf die kleine Tanzfläche.

"Ich dachte immer, ihr wohnt irgendwo in der Winkelgasse." Draco legte den Kopf ein klein wenig zur Seite und sah Harry an. "Wollt ihr etwa in den alten Kasten ziehen? Der muss doch bestimmt erst mal grundsaniert werden." Er trank sein Bier in einem Zug aus und stellte das leere Glas auf den Tresen, nicht ohne dem Barkeeper ein Zeichen zu geben.

"Stimmt, tun wir auch", antwortete Harry. "Aber hin und wieder sehe ich halt mal nach dem alten Kasten." Auch er trank sein Glas aus, stellte es neben Dracos und nickte dem Mann hinter dem Tresen zu. "Und dabei bin ich über diesen Laden hier gestolpert", versuchte er seine Anwesenheit zu erklären während er den Mann beobachtete, mit dem er vor vielen Jahren zur Schule gegangen war. Er hatte sich verändert. Mehr als Harry auf dem Bahnsteig aufgefallen war. Jetzt, da sie dicht beieinander standen, konnte Harry die ersten Falten in dem blassen Gesicht erkennen. 'Er sieht besser aus als früher', dachte Harry und erschrak bei dem Gedanken. Seit wann machte er sich Gedanken um das Aussehen von Draco Malfoy. Er nahm das Glas Bier vom Tresen, dass der Barkeeper ihm hingestellt hatte und leerte es in einem Zug aus.

"Holla!" Draco sah ihn an. "Hast du Durst oder gibt es einen Grund, dass du dich jetzt betrinken musst", fragte er neugierig und sah Harry dabei in die Augen. Immer noch die grünen Augen, die ihn einst so fasziniert hatten. Aber sie hatten ihren Glanz verloren. Draco war sich sicher, dass Harry nicht einfach nur nach einem alten Haus hatte sehen wollen. Das konnte er schließlich jeden Tag tun, nicht ausgerechnet am letzten Tag des Jahres. Aber er kannte Harry gut genug um zu wissen, dass er auf Fragen keine Antworten bekommen würde. Schon gar nicht er, Draco Malfoy. Egal, wie alles ausgegangen war, sie hatten sich nie wirklich vertragen. Und vermutlich würden sie es auch nie tun. Damit hatte Draco sich längst abgefunden.

"Durst", behauptete Harry und Draco wusste, dass es eine Lüge war. Erstaunlich. So viele Jahre waren vergangen und er konnte es noch immer. Er durchschaute Harry Potter, so wie er es damals schon getan hatte. Und genau deswegen hatte er nie verstanden, warum dieser Idiot ausgerechnet die Schwester von Ronald Weasley hatte heiraten müssen. Sicherlich, sie mochten sich, kannten sich seit sie Kinder waren, aber Liebe war das ganz bestimmt nicht gewesen.

"Na dann." Draco griff nach dem neuen Glas und trank. Was Harry konnte, konnte er schon lange.
"Du kannst es nicht lassen, oder?", fragte Harry, nachdem Draco sein Glas ausgetrunken hatte. "Du musst dich immer noch mit mir messen", stellte er fest. Draco schüttelte den Kopf.

"Die Zeiten sind vorbei, Potter", sagte er und bereute es ein klein wenig, dass sie wirklich vorbei waren. Egal, was um sie herum passiert war und wie ernst die Lage damals oft gewesen war, diese kleinen Auseinandersetzungen hatten ihm immer wieder über den Tag geholfen. Dabei hatte es nie etwas mit Voldemort zu tun gehabt. Mit elf Jahren war Draco dieser Magier völlig egal gewesen. Für Draco war es bis zuletzt nur um Harry Potter gegangen. Und darum war es für ihn auch nie wirklich eine Frage gewesen, auf welcher Seite er wirklich gestanden hatte.

"Aha", war alles, was Harry antwortete und machte den Eindruck, dass er den Worten Dracos wenig Glauben schenkte. "Bist du öfter hier?", fragte er statt dessen, als wolle er von allem, was mit seiner Vergangenheit zu tun hatte, ablenken. Draco sah sich in der kleinen Kneipe um.

"Hin und wieder", antwortete er und untertrieb dabei gehörig. Es hatte Zeiten gegeben, da war er täglich hier gewesen. Aber diese Zeiten lagen schon eine Weile hinter ihm. Genau wie seine Beziehung mit dem Inhaber dieser Kneipe. Geblieben war eine gute Freundschaft und die Möglichkeit fernab seiner Welt einfach er selber sein zu können. Denn hier her verirrte sich eigentlich keine Hexe und kein Zauberer. Bis heute.

"Hätte ich nicht gedacht", stellte Harry fest. "Das du freiwillig in eine Muggelkneipe gehst." Er holte aus und deutete mit seiner Hand auf den mit Menschen gefüllten Raum. "Sind doch alles Muggel, oder?"

"Ich glaube, es gibt so einiges, was du von mir nicht weißt", erklärte Draco. "Und ja, es sind alles Muggel, jeder von ihnen." Er ließ seinen Blick über die Menschen schweifen, von denen er in den letzten Jahren viele kennengelernt hatte. Er entdeckte Mike, winkte ihm zu und wandte sich dann wieder an Harry. "Und die meisten von ihnen sind sogar ziemlich nett."

"Malfoy ein Muggelfreund." Harry konnte nicht anders, er musste lachen. Da saß er nun mit Draco Malfoy, dem Inbegriff eines reinblütigen Zauberers, in einer Kneipe voller Muggel und betrank sich. Das Leben schlug manchmal schon irrsinnige Wege ein.

"Meinst du nicht, wir sollten das mit den Nachnamen endlich mal sein lassen. Wir sind nicht mehr in Hogwarts." Draco nahm zwei volle Gläser vom Tresen und drückte Harry eines in die Hand. Zögernd hob er sein Glas. "Ich heiße Draco", sagte er schmunzelnd, stieß vorsichtig mit seinem Glas gegen das Harrys und hielt ihm die rechte Hand hin. Harry verzog seine Mundwinkel. Oh ja, er konnte sich gut daran erinnern. Nur hatten sie damals keinen Alkohol gehabt. Und sie waren gerade elf Jahre alt gewesen

"Harry", sagte er leise, griff nach der angebotenen Hand und hatte das Gefühl, als würde er Draco wirklich zum ersten Mal begegnen. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, würde dieses Mal ja alles ganz anders laufen

~~ooOoo~~



"Ich glaube das nicht", sagte Ron und starrte auf die Wohnzimmertür. "Hermione", rief er mit lauter Stimme nach seiner Frau, die einen Moment später neben ihm stand.
"Da seid ihr ja", sagte sie. "Wollt ihr etwas zu trinken haben?" Ron legte seiner Frau die Hand auf die Schulter und sah sie vorwurfsvoll an.

"Soll das heißen, du hast es gewusst?", fragte er erstaunt. "Ach was frage ich eigentlich. Natürlich hast du es gewusst. Das ist also der Freund, den ihr vorhin noch unbedingt abholen musstet." Hermione nickte stumm während Ron langsam auf die kleine Gruppe zu ging, die noch immer in der Tür stand, die Wohnzimmer und Flur trennte. "Kommt doch rein", schlug er vor. Seine Tochter sah ihn an.

"Aber du wirst ihm nichts tun, oder?", fragte sie leise. Ron konnte nicht anders. Er musste lächeln. Niemand konnte seiner Tochter widerstehen. Schon gar nicht er selber. Dann wandte er sich an den Gast. "Wissen deine Eltern, wo du bist", wollte er wissen.

"Ja und nein, Mr. Weasley", antwortete Scorpius. "Meine Mutter weiß wo ich bin, meinem Vater haben wir lieber nichts davon erzählt. Zögernd trat er nach vorne und hielt Ron seine schlanke Hand hin um den Vater seiner Freundin zu begrüßen. Ron nahm die angebotene Hand und schüttelte sie kurz.

"Glaubst du nicht, dass er es wissen sollte?" Er würde auf jeden Fall wissen wollen, wo Rose war. Auf der anderen Seite konnte er die Kinder verstehen. Draco Malfoy dürfte sicherlich nicht sonderlich angetan von der Idee sein, dass sein Sohn den letzten Abend des Jahres ausgerechnet hier verbrachte.

"Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, Mr. Weasley", antwortete Scorpius und drehte sich zu seinen Freunden um, wandte sich dann aber doch wieder an den älteren Mann. "Ich glaube, es ist besser, wenn er es nicht weiß."

"Und du sollst uns sagen, warum das so ist, Daddy", forderte Rose ihren Vater auf. "Erzählt uns doch mal, was so schlimm an Slytherin ist." Sie stemmte die Hände in die Hüfte. "Warum soll ich unbedingt besser in der Schule sein als Scorpius?"
"Bist du doch auch", sagte Scorpius. "Naja, außer vielleicht in Zaubertränke", fügte er noch hinzu. "Aber du wirst schon sehen, nach den Sommerferien bist du mindestens genauso gut wie ich, wenn wir weiter zusammen lernen."

Rons Blick suchte den seiner Frau. Er musste leider zugeben, dass seine Tochter Recht hatte. Er hatte sie wirklich aufgefordert besser zu sein, aber er hatte es doch gar nicht so gemeint. Es war doch einfach nur Gewohnheit gewesen. Hermione hob ihren Finger und tippte ihren Mann an die Nase.

"Da siehst du, was du angestellt hast. Ich bin nur froh, dass unsere Tochter intelligent genug war, nicht auf dich zu hören." Sie nickte Rose zu und war erleichtert. Das erwartete Donnerwetter war ausgeblieben und irgendwie war sie stolz auf ihren Mann. Noch war sie sich nicht sicher, aber sie hatte das Gefühl, als würde ihn die Anwesenheit des jüngsten Sprosses der Malfoy Familie wirklich nicht stören. Vielleicht hatte Ron diese dumme Feindschaft tatsächlich hinter sich gelassen.

Ron seufzte leise. Es stimmte leider viel zu sehr, was seine Frau sagte. Und natürlich war es dumm gewesen. Er hatte nichts gegen Draco Malfoy. Wie auch. Sah man mal von der kurzen Begegnung am Bahnsteig ab, so hatte er den Kerl immerhin seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Warum also sollte er etwas gegen ihn haben. Und was damals passiert war gehörte längst der Vergangenheit an. Damit hatten die Kinder nun wirklich nichts zu tun. Er sah die kleine Gruppe nachdenklich an. Vielleicht waren sie wirklich alt genug um zu erfahren, was damals passiert war und wie es dazu kam, dass er mit Draco Malfoy seit so langer Zeit nicht gesprochen hatte.

~~ooOoo~~



"Wollen wir uns nicht irgendwo ein ruhiges Eckchen suchen", schlug Draco zu Harrys Erstaunen vor und ließ seinen Blick über den Raum schweifen bis er offensichtlich entdeckt hatte, was er suchte. Ohne darüber nachzudenken, griff er nach Harrys Hand und zog ihn durch den Raum. Harry war viel zu erstaunt über die Geste, als das er anders reagieren konnte, als zu folgen.

Schließlich war Draco am anderen Ende des Raumes angekommen und blieb vor einem kleinen Tisch stehen, der in der Ecke stand. Auf der Eckbank standen mehrere Kisten, die Draco kurzerhand auf den Boden räumte. Harry stand daneben und schaute zu.
"Du scheinst dich hier auszukennen", sagte er schließlich und griff ebenfalls nach einer Kiste, die er kurzerhand unter die stoffbezogene Bank schob.

"Braucht ihr Hilfe?" Harry drehte sich um, als er die Worte hörte und sah in das freundliche Gesicht von Mike. Er schüttelte den Kopf.
"Mal.. äh Draco scheint alles im Griff zu haben", stellte fest und deutete auf die zwischenzeitlich leere Bank. "Ich hoffe, es stört dich nicht, dass wir die Kartons einfach weggeräumt haben." Mike grinste breit.

"Nicht im Geringsten", erklärte er und wandte sich dann an Draco. "Wenn sie euch stören, kannst du sie auch ins Büro räumen. Ich hatte vorhin nur einfach keine Lust mehr dazu." Er griff in die Tasche seiner blauen Jeans, zog ein Schlüsselbund vor und warf ihn Draco zu.
"Fauler Hund", schimpfte Draco als er den Schlüssel aufgefangen und in der Tasche seiner Hose hatte verschwinden lassen. "So kriegt man seinen Laden auch aufgeräumt." Mike schüttelte den Kopf.

"Nicht nur das", sagte er lachend. "Jetzt muss ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wer hier nachher abschließt", erklärte er siegessicher. "Und ich muss nicht die ganze Nacht hier bleiben." Draco zog seine rechte Augenbraue hoch und sah Mike fragend an. Doch dieser schien nicht daran interessiert, Draco weitere Erklärungen zu liefern. Statt dessen beugte er sich vor, küsste Draco auf die Wange und wandte sich dann ab.

Harry stand daneben und wusste nicht, was er sagen sollte. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass der Draco, der er zu kennen glaubte, sich einfach von Männern küssen lassen würde. Es sei denn ... Harry sah Draco an. Nein, die Idee war so abwegig wie nur irgendetwas und Harry verdrängte sie sofort wieder. Statt dessen ließ er sich auf der Bank nieder und war froh, als ein junges Mädchen zwei Gläser Bier auf den Tisch stellte. So konnte er sich wenigstens an etwas festhalten während er Draco weiter beobachtete. Doch dieser schien sich im Moment eher für Mike als für seinen ehemaligen Klassenkameraden zu interessieren.

"Dachte ich es mir doch", sagte Draco schließlich siegessicher. Erst jetzt drehte er sich um, ein zufriedenes, siegessicheres Lächeln im Gesicht und setzte sich neben Harry. "Also, erzähl mal, was machst du so, wenn du dich nicht gerade in Muggelkneipen herumtreibst", forderte er Harry auf. Harry zuckte zusammen und sah sich um. War das wirklich der richtige Ort um sich mit Draco über seinen Beruf zu unterhalten.

"Todesser jagen", erklärte er leise, nachdem er sich versichert hatte, dass ihnen niemand zuhörte. "Unter anderem", schob er noch hinterher. In Gedanken war er immer noch mit der Szene beschäftigt, die sich eben vor seinen Augen abgespielt hatte und die er immer noch nicht deuten konnte.

"Das weiß ich", stellte Draco fest. "Ich meinte eher den Part, der nicht in der Zeitung steht", sagte Draco. "Glückwunsch übrigens zur Beförderung."
"Ist schon ne ganze Weile her." Harry hielt nach Mike Ausschau und entdeckte ihn schließlich auf der Tanzfläche. Mit einem Mann. Harrys Verstand versuchte die Informationen zu verarbeiten.

"Wir haben uns auch schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen." Draco beobachtete Harry nachdenklich. Es fiel ihm schwer mit dem ehemaligen Klassenkameraden eine Unterhaltung zu führen, wenn dieser sich weniger für seinen Gesprächspartner als für den Rest der Gäste zu interessieren schien. Er hob die Hand, wollte Harry berühren um dessen Aufmerksamkeit zu gewinnen, machte aber im letzten Moment einen Rückzieher. Vielleicht war die Vergangenheit doch noch viel zu gegenwärtig und vielleicht war Harry einfach nicht in der Lage, sie zu vergessen. Draco konnte es ihm nicht verübeln. Er senkte seinen Blick und starrte auf die helle Flüssigkeit in dem Glas. Vorsichtig pustete er in den Schaum und kam sich mit einem Mal vor wie ein unsicherer Teenager, der er nie gewesen war.

"Mike ist schwul." Draco schrak hoch, als er Harrys Worte vernahm und sah in ein Paar grüne Augen. Das also war es gewesen, was Harry so beschäftigt hatte. Ein ungutes Gefühl machte sich in Dracos Magen breit.
"Stimmt", sagte Draco. "Ist das ein Problem für dich?", fragte er zögernd und wusste, dass er Angst vor der Antwort hatte. Dabei war es doch eigentlich lächerlich. Harry hatte ihn all die Jahre gehasst. Würde es einen Unterschied machen, wenn er es weiterhin tun würde?

"Ich glaube nicht", erwiderte Harry und sah erneut zu Mike, beobachtet die beiden Männer, die sich dort auf der Tanzfläche zum Rhythmus der Musik bewegten. Ein Problem? Oh doch, er hatte ein Problem damit. Nur vermutlich war das nicht das Problem, von dem Draco gesprochen hatte. Je länger Harry die beiden Männer beobachtete um so mehr musste er feststellen, dass ihm bei dem Anblick warm ums Herz wurde. Da waren zwei Menschen, die ganz offensichtlich verliebt waren und auch kein Problem damit hatten, es der Welt zu zeigen. Nein, Harry hatte kein Problem. Er beneidete die beiden schlichtweg.

"Du glaubst?" Dracos Magen zog sich zusammen. Er griff nach dem Bier und trank es aus. Jetzt brauchte er Alkohol. Mit seiner freien Hand gab er der Kellnerin ein Zeichen bevor er das leere Glas auf den Tisch stellte. "Wie meinst du das?"
Harry sah Draco an. Lange. "Nein, ich habe kein Problem damit", sagte er schließlich. "Sie sehen glücklich aus." Er sah auf den Tisch. "Beneidenswert", murmelte er und Draco begann zu ahnen, was mit Harry los war.

"Das sind sie wohl auch", sagte Draco. "Zumindest für heute Abend." Er beobachtete Harry der damit beschäftigt war, sein Bierglas zwischen den Fingern hin und her zu drehen. Er hatte das Gefühl als sei der Gryffindor mit seinen Gedanken ganz weit weg. Erneut hob er die Hand und legte sie zögernd auf Harrys Unterarm. Harry hob den Kopf und sah ihn an. Dann umschlang er sein Glas, hob es an die Lippen und trank es aus.

"Ich war nicht hier um mir das Haus nur anzuschauen", sagte er schließlich, nachdem er das Glas auf den Tisch gestellte hatte. "Ich werde dort einziehen", sprach er zum ersten Mal laut aus, was bisher nur eine fixe Idee gewesen war.
"Du meinst: Ihr wollt da einziehen", korrigierte Draco und war nicht wirklich erstaunt, als Harry den Kopf schüttelte. Es war also wahr, was die Eulen von den Dächern schuhuten. Die Ehe der Potters war am Ende.

"Ich werde alleine dort einziehen", bestätigte Harry, was Draco bereits geahnt hatte. "Gleich nachdem ich es ihr irgendwie beigebracht habe." Harry hob den Kopf und sah Draco an. Warum erzählte er ausgerechnet ihm davon? War er wirklich schon so betrunken? Er sah wieder auf sein Glas. Eigentlich hatte er doch nur Bier getrunken. Schließlich riss er sich zusammen, versuchte zu lächeln und hob wieder den Kopf. "Blödes Thema, lass uns über dich reden", versuchte er abzulenken.

"Ich glaube nicht, dass du es wirklich hören möchtest", gab Draco leise zu und überlegte, was er Harry erzählen konnte. Am liebsten hätte er ihm alles erzählt, aber das war unmöglich. Harry würde ihn vermutlich verachten. Mehr noch, als er es in der Vergangenheit getan hatte. Er nahm seine Hand von Harrys Arm, ließ sie zu seiner anderen Hand auf den Schoß sinken und verknotete seine Finger.

"Komm schon, viel schlimmer kann es wohl kaum sein." Harry sah Draco auffordernd an und überlegte, was er in den letzten Jahren über Draco Malfoy gehört hatte. Es war wenig gewesen. Sicherlich, die Hochzeit war groß gefeiert worden und Bilder davon waren in allen bekannten und unbekannten Zeitungen zu sehen gewesen und auch über die Geburt des Sohnes war berichtet worden. Aber das war es auch schon gewesen. Es war ruhig um die Familie Malfoy geworden, nachdem sie in dem letzten, großen Prozess alle freigesprochen worden waren. Am Ende hatte sich die Familie gegen Voldemort gestellt.

Die Kellnerin stellte zwei neue Gläser auf den Tisch und Harry griff sofort nach einem davon und begann zu trinken.

"Ich bin schwul"

Harry versuchte sich nichts anmerken zu lassen, dabei hätte er sich beinahe verschluckt. Ruhig setzte er das Glas ab und sah Draco erstaunt an. "Du hast gesagt, dass es nicht schlimmer sein könnte", rechtfertigte dieser sich. "Selber schuld."

"Wer hat denn gesagt, dass es schlimm ist?", fragte Harry. "Aber ich werde doch wohl noch ein wenig überrascht sein dürfen. Immerhin bist du schon ziemlich lange verheiratet." Er rechnete kurz nach. "Es müssen doch schon fast fünfzehn Jahre sein. Du musst zugeben, dass das irgendwie nicht passt." Draco zuckte mit den Schultern

"Ganz im Gegenteil", widersprach er. "Es passt sogar ganz hervorragend. Genau genommen habe ich eigentlich die beste Ehefrau der Welt." Harry tippte sich mit dem Finger an die Stirn.

"Ich glaube, du willst mich veräppeln." Er schüttelte den Kopf während er versuchte zu verstehen, was Draco ihm gesagt hatte. Er musste kapitulieren. Es passte einfach gar nichts zusammen.

"Glaub mir, es ist die Wahrheit. Allerdings eine ziemlich komplizierte. Warum deine Frau nicht hier ist, habe ich mittlerweile begriffen, aber hast du dich schon mal gefragt, warum Pansy nicht hier ist?" Harry überlegte einen Moment. Natürlich hatte er es sich gefragt, aber er war viel zu sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen und hatte vermutete, dass er einfach nicht der einzige sei, der geflüchtet war.

"Vermutlich weil sie auf euren Sohn aufpasst während du dich amüsierst. Irgendwie tut sie mir fast leid, auch wenn ich sie nicht sonderlich mag." Harry konnte sich kaum noch an die Klassenkameradin von damals erinnern.

"Hey, du hast einen völlig falschen Eindruck, glaube ich", wehrte sich Draco. "Sie weiß sehr genau, was ich tue. So wie ich weiß, was sie tut. Und im Moment passt sie ganz bestimmt nicht auf Scorpius auf." Harry trank während Draco sprach. "Vermutlich tanzt sie gerade mit ihrem Lover, oder stellt schlimmeres an." Draco grinste und Harry hätte sich beinahe wieder verschluckt.

"OK, ich nehme alles zurück. Es ist schlimmer." Er hustete und stellte das Glas wieder auf den Tisch. "Du willst mir also allen Ernstes erzählen, dass eure Ehe eine Farce ist? Das du schwul bist und deine Frau ein Verhältnis mit irgendeinem Kerl hat?" Er schüttelte ungläubig den Kopf.
"Ja, so in etwa schaut es aus. Nur ist es nicht irgendein Kerl. Die beiden sind schon seit Jahren zusammen. " Harry schüttelte erneut den Kopf.
"Ich glaube das nicht", murmelte er. "Warum hat sie dann dich geheiratet und nicht ihn." Verständnislosigkeit machte sich in Harrys Kopf breit. Hatte er sein Leben für kompliziert gehalten, so wurde er langsam eines besseren belehrt.

"Weil er ein Muggel ist", erklärte Draco und wusste, dass Harry es nicht verstehen würde. "Er ist ein Muggel und sie eine reinblütige Hexe, der man jahrelang beigebracht hatte, dass Muggel quasi Aussätzige sind." Er sah Harry an. "Pansy kannte nur diese Welt, sie hätte unter Muggeln nicht leben können. Ebensowenig wie ich es damals gekonnt hätte. Mit einem Muggel unter ihresgleichen zu leben kam genauso wenig in Frage. Und ich war damals ganz bestimmt nicht bereit, mein kleines Geheimnis Preis zu geben. Eine Ehe schien für uns beide eine gute Lösung."

"Und war es eine gute Lösung?", wollte Harry wissen, der langsam begann zu begreifen, dass er nicht der einzige war, der sein Leben auf den Vorstellungen anderer aufgebaut hatte.

"Die beste. Wie schon gesagt, als Ehefrau und Mutter ist sie einsame Spitze und auf eine gewisse Weise liebe ich sie sogar."

"Deswegen lasst ihr euren Sohn auch alleine Silvester feiern. Findest du nicht, dass er dafür noch ein wenig jung ist?" Harry konnte sich nicht vorstellen, seinem Sohn die gleichen Freiheiten zuzugestehen. Immerhin war Albus erst dreizehn Jahre alt. Und selbst dem älteren James hatte er erst nach etlichen Diskussionen erlaubt, Silvester alleine zu feiern.

"Er ist nicht alleine. Das würde Pansy nie zulassen", erklärte Draco während er etwas aus seiner Tasche zog und es auf den Tisch legte. Neugierig sah Harry zu als Draco das Pergament entfaltete. Es war leer. Harry schaute fragend zu Draco. Diese hob siegessicher die Hand, schaute sich kurz um und machte eine schnelle Bewegung. Harry zuckte zusammen, als er erkannte, was Draco in der Hand hielt.

"Bist du wahnsinnig?", fragte er erschrocken und sah sich um. Doch niemand schien zu bemerken, was an dem kleinen Tisch vor sich ging. Und niemand schien das kleine Stück Holz in Dracos Hand zu bemerken. Und wenn, würde es hoffentlich jeder als Silvestergag deuten und nicht als das, was es wirklich war. So verrückt konnte wirklich nur ein Malfoy sein, hier unter all den Muggeln den Zauberstab zu zücken. Doch noch bevor Harry eingreifen konnte, hatte Draco ein paar undeutliche Worte gemurmelt und das Pergament mit dem Zauberstab berührt. Und so schnell wie er den Zauberstab in der Hand gehabt hatte, so schnell war er auch wieder verschwunden.

"Den Trick musst du mir bei Gelegenheit mal zeigen." Harry deutete auf Dracos Hand während Draco sich viel mehr über die Worte Harrys freute, konnten sie doch durchaus bedeuten, dass dieses Treffen nicht das letzte gewesen war.
"Gerne", erwiderte Draco und sah auf das Pergament, auf dem sich langsam Linien bildeten, aus denen Buchstaben wurden schließlich Worte. Draco sah erstaunt auf das Pergament.

"Seltsam", murmelte er und wischte über das Pergament als könne er die Worte dadurch verändern. "Diese Adresse kenne ich überhaupt nicht", stellte er schließlich fest. Harry beugte sich ein kleines Stück vor, griff nach dem Pergament und drehte es so, dass er die Worte lesen konnte. Er stutzte.

"Aber ich kenne sie", sagte er und konnte das Lachen nicht lange unterdrücken. "Und ich glaube nicht, dass es dir gefallen wird." Er schob das Pergament zu Draco und deutete mit seinem rechten Zeigefinger auf die Adresse.

"Das", sagte er betont langsam. "Das ist die Adresse von niemand anderem als von Ron und Hermione." Er lehnte sich zurück und musste wieder lachen.
"Sag mir bitte, dass das nicht dein Ernst ist." Ungläubig blickte Draco auf die Adresse und dann auf den lachenden Mann neben sich.
"Doch, es ist mein Ernst. Das da ist eindeutig die Adresse von den beiden und ich weiß ganz zufällig, dass dort eine Silvesterparty steigt. Dein Sohn verbringt Silvester mit ..." Harry hielt inne als ihm bewusst wurde, mit wem Scorpius Silvester verbringt. "Mit meinen Kindern", sagte er schließlich deutlich leiser und ohne zu lachen.

"Ist ja reizend. Dann kann ich mir so langsam denken, wer denn der geheimnisvolle Freund ist, von dem er mir nichts erzählen wollte." Er verdrehte die Augen.
"Na, es könnte ja immer noch die Tochter von Ron sein. Wer weiß, vielleicht hat sich dein Scorpius ja in eine Weasley verguckt." Bei der Vorstellung musste Harry nun doch wieder lachen.

"Mal den Teufel nicht an die Wand, Harry", schnaufte Draco. "Mein Sohn wird nichts mit einer Weasley anfangen so lange er noch in meinem Haus wohnt", sagte Draco entschlossen.

"Findest du es so schlimm?", fragte Harry. Schließlich war er auch mit einer Weasley verheiratet. "Rose ist nett und ziemlich intelligent." Draco verzog die Mundwinkel.
"Nein, eigentlich finde ich es nicht so schlimm", gestand er schließlich. "Aber ich bin ein Slytherin. Ich muss mich doch erst mal aufregen, oder?" Harry lachte. Nein, im Grunde hatte Draco sich doch nicht sonderlich verändert. Er war nur umgänglicher geworden.

"Schlimm finde ich nur, dass er mir nichts davon erzählt hat. Gut, er verbringt Silvester mit einem Haufen Gryffindor. Aber daran ist doch eigentlich nichts schlimmes. Was meinst du, warum er es mir nicht erzählt hat?" Draco sah Harry fragend an.

"Nun", setzte Harry zu einer Erklärung an. "Als wir Albus vor zwei Jahren zum Zug brachten war seine größte Angst nach Slytherin zu kommen. Und ich glaube, daran waren wir nicht ganz unschuldig." Er wusste nicht, wie er es erklären sollte. Es war nicht so, dass er seinen Kindern Horrormärchen über die Slytherin erzählt hatte. Eher im Gegenteil. Vielleicht hätte er ihnen mehr erzählen sollen. Zum Beispiel von den Slytherin, die nicht zu den Anhängern Voldemorts gehört hatten. Aber Harry hatte selber mit der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen und es viel ihm schwer darüber zu sprechen.

"Vermutlich hast du Recht", sagte Draco nachdenklich. Harry sah ihn erstaunt an. "Naja, ich habe Scorpius wenig über die Vergangenheit erzählt. Ganz im Gegensatz zu meinem Vater. Und seine Einstellung zu den Weasleys hat sich nicht sonderlich geändert." Er sah Harry entschuldigend an. Doch diesen beschäftigte etwas anders viel mehr.

"Seit wann gibst du mir Recht", fragte er erstaunt. Er konnte sich nicht daran erinnern, dass sie in der Vergangenheit je einer Meinung gewesen waren und selbst, als sie am Ende auf der gleichen Seite gestanden hatten konnten sie nicht anders, als sich zu streiten. Draco zog die Schultern hoch.

"Irgendwann nach dem fünften oder sechsten Bier habe ich wohl meine Vernunft eingepackt." Er deutete auf das Glas vor sich. "So genau weiß ich das gar nicht mehr."
Ein melodisches Klingeln riss ihn aus seinen Gedanken. Fast schon hektisch durchsuchte Draco seine Hosentasche bis er ein kleines Handy hervorzog. "Du entschuldigst mich", wandte er sich an Harry und noch bevor dieser etwas sagen konnte hatte Draco längst auf eine Taste seines Telefones gedrückt.

"Hallo Pansy", hörte Harry ihn sagen. Er wandte sich seinem Bier zu. Warum störte es ihn, dass Dracos Frau anrief? Nachdenklich blickte er in das halbvolle Glas während er mit seiner rechten Hand in die Hosentasche griff und sein Handy hervorzog. Einen Moment lang zögerte er, dann schaltete er es aus. Er wollte nicht angerufen werden. Nicht heute Abend.

"Nett wie immer." Ganz offensichtlich hatte Pansy sich nach etwas erkundigt. "Du wirst niemals erraten, wen ich getroffen habe", sagte er und Harry wurde hellhörig. Draco würde doch nicht etwa...
"Völlig falsch. Nein, eigentlich nicht, natürlich ist Mike hier. Ich soll dich übrigens grüßen, aber ich meinte eigentlich jemand anderes." Draco verstummte und Harry ahnte, dass Pansy gerade eine lange Liste von Freunden durchging.
"Auch falsch. Ich sagte doch, du wirst es nicht erraten. Vielleicht erzähle ich es dir morgen." Wieder hörte Harry eine leise Stimme aus dem Handy. Dann lachte Draco. "Vergiss es, Darling. Du bist viel zu neugierig. Aber mal was ganz anderes." Er hielt inne und schien wieder zuzuhören.
"Nein, auch nicht. Glaub mir, du kommst nicht drauf. Sag mal, hast du eine Ahnung, wo sich unser Sohn rumtreibt?" Am anderen Ende war es einen kurzen Moment still, doch dann setzte die helle Stimme wieder ein.
"Du hast es gewusst? Und warum hat mir niemand etwas davon erzählt?" Wieder Ruhe, dann ein paar schnelle Worte. "Was soll das heißen? Ich bin doch kein Monster." Langsam wurde Harry neugierig.
"Ich habe Scorpius gar nichts erzählt. Wie kommst du denn auf diese Idee. Ich glaube, ich sollte mal ein ernste Wort mit unserem Sohn sprechen." Dracos Gesicht war ernst geworden. Sein Blick wanderte kurz zu Harry.
"Nein, ich werde ihm ganz bestimmt keine Vorwürfe machen." Draco schien sich zu rechtfertigen. "Lass uns morgen darüber reden, Pansy. Ich glaube, ich muss jetzt was erledigen." Er schwieg wieder.
"Nein, ich werde weder ihm noch dir den Abend verderben. Versprochen." Die Stimme am anderen Ende war lauter geworden. "Grüß Chris von mir und sag ihm, er soll dich gefälligst nach Hause bringen. Sonst muss ich mit ihm mal ein ernstes Gespräch von Ehemann zu Liebhaber führen." Die Stimme wurde wieder leiser.
"Du hast getrunken, Pansy. Lass uns das wirklich morgen besprechen. Aber wenn du es wirklich willst, werde ich dir ganz bestimmt nicht im Weg stehen. Das habe ich dir immer gesagt." Er lächelte. "Bis morgen, Darling." Er nahm das Telefon vom Ohr und drückte eine Taste.

"Sie hat wirklich einen Liebhaber", stellte Harry erstaunt fest. Bis gerade eben hatte er diese Geschichte immer noch nicht recht glauben wollen.
"Na, habe ich doch gesagt", erwiderte Draco fast schon ein wenig trotzig. "Im Moment ist sie allerdings mal wieder in ihrer 'Ich-will-ihn-heiraten-Phase'. Und ich glaube fast, dieses Mal meint sie es ernst." Draco steckte das Handy wieder in die Tasche und sah dann Harry an.
"Sie wusste übrigens, dass Scorpius mit deinem Sohn befreundet ist." Er griff nach seinem Bier und trank es aus. "Und sie weiß auch, wo er jetzt gerade ist." Er stellte das leere Glas auf den Tisch. "Ich muss wirklich ein Monster sein, wenn beide Angst haben mir zu erzählen, dass der beste Freund meines Sohnes Albus Potter ist." Er sah Harry an. "Dabei finde ich das eigentlich sogar ziemlich gut."

"Wirklich?", fragte Harry erstaunt. Draco nickte.
"Und ich glaube, dass sollte ich meinem Sohnemann mal klar machen." Er stand auf, ging um den Tisch herum und griff nach Harrys Hand. "Komm", forderte er ihn auf. Harry sah ihn fragend an. Was wollte Draco?
"Ich kann nicht tanzen", sagte Harry schließlich.
"Bringe ich dir auch noch bei", versprach Draco. "Aber ich will nicht tanzen. Ich will mit meinem Sohn reden." Seine Stimme klang entschlossen. Harry erschrak.
"Wie? Jetzt? Das ist nicht dein Ernst, Draco. Du kannst da jetzt nicht hin." Alles in Harry sträubte sich. Er wollte diese Kneipe nicht verlassen. Es kam ihm vor, als sei da draußen eine andere Welt die er im Moment gerne vergessen wollte. Und schon gar nicht wollte er dahin zurück.

"Harry, mein Sohn glaubt allen ernstes ich würde ihm den Kopf abreißen, weil er Silvester mit deinem Sohn verbringen will und hat Angst es mir zu sagen." Er drückte Harrys Hand. "Hat dein Sohn dir davon erzählt?", fragte er und Harry konnte nur verneinen.

"Ich habe doch schon gesagt, dass es vermutlich unsere Schuld ist, aber daran können wir heute wohl nichts mehr ändern." Er blieb sitzen.
"Und nur unsere Schuld. Denn scheinbar wusste Hermione auch davon", sagte Draco. Enttäuschung schwang in seiner Stimme mit.
"Muss sie wohl, wenn die Feier in ihrem Haus statt findet", gab Harry zu bedenken. "Und ich denke mal, unsere Kinder sind dort gut aufgehoben. Ginny ist schließlich auch dort und sie würde ganz sicher nicht zulassen, dass auch nur einem Kind etwas passiert. Auch nicht deinem Sohn."

"Verdammt, darum geht es doch gar nicht!" Draco fuhr sich mit der freien Hand durch das blonde Haar und versuchte wieder Harry hochzuziehen. Doch dieser hatte nicht vor, diese Kneipe in diesem Jahr noch zu verlassen.
"Findest du nicht, dass du mit Albus darüber reden solltest, Harry", versuchte es Draco jetzt mit deutlich sanfterer Stimme. Nur Harrys Hand ließ er nicht los und Harry schien sie ihm auch nicht entziehen zu wollen. Draco gefiel es.

"Aber doch nicht jetzt, Draco." Harry seufzte und begann zu erkennen, dass Draco so schnell nicht aufgeben würde.
"Wann dann?", wollte Draco wissen.
"Nächstes Jahr", schlug Harry vor. "Oder noch besser: Wenn sie erwachsen sind." Er wollte nicht zugeben, dass er dieses Gespräch schon viel zu lange vor sich her schob. Wie sollte er seinem Sohn erklären, was damals passiert war. Vieles davon verstand er heute selber nicht mehr und an noch viel mehr wollte er gar nicht denken. Viel zu düster waren die Erinnerungen. Albus wusste, von wem er seine Namen hatte, aber er wusste nicht, dass Harry sich noch immer die Hauptschuld für all die Toten gab. Das wusste niemand und Harry versuchte es zu verdrängen. Und noch etwas hielt ihn davon ab, jetzt zu seinem Sohn zu gehen: Seine Frau. Nur einen Abend lang wollte er es vergessen. Nur diesen einen Abend.

"Nein", widersprach Draco energisch. "Wir werden es ganz sicher nicht weiter vor uns her schieben. Und was könnte besser sein, als wenn wir es ihnen gemeinsam erklären. Dann müssen sie doch einsehen, dass wir nichts gegen diese Freundschaft haben." Siegessicher versuchte Draco wieder Harry von der Bank zu ziehen. Dieses Mal hatte Harry nicht aufgepasst und Draco schaffte es. Harry stolperte und fiel in Dracos Arme. Einen kurzen Moment lang trennten sie nur Zentimeter und Harry spürte die Wärme die Dracos Körper ausstrahlte. Doch dann ließ Draco ihn auch schon los und murmelte etwas, dass Harry nicht verstand. "Lass uns gehen", sagte er schließlich deutlich genug und ging voraus. Harry blieb stehen.

"Draco", rief er gerade laut genug, dass Draco ihn hören musste. Er blieb stehen und drehte sich um. "Draco, ich kann da jetzt nicht hin. Da sind nicht nur unsere Kinder", versuchte er zu erklären.
"Das ist mir schon klar. Aber mein Sohn ist mir wichtiger. Soll Ron doch durchdrehen. Ich bin immer noch ein besserer Zauberer als er." Er machte eine Bewegung als würde er einen Zauberstab schwingen.
"Es geht nicht nur um Ron", widersprach Harry. "Eigentlich geht es gar nicht um ihn. Mit ihm werde ich fertig", sagte er leise. Wusste aber, das es nicht stimmte. Er hatte eine wage Vorstellung von dem, was Ron mit ihm anstellen würde, wenn er Ginny verlassen würde. Ron war gutmütig, meistens, aber wenn es um seine Familie ging konnte er unberechenbar werden. Doch im Moment war Ron sicher nicht seine größte Sorge.

"Irgendwann wirst du mit ihr reden müssen. Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du betrunken bist. Und wenn sie dich verhexen will, bin ich ja auch noch da", versuchte Draco den anderen zum Lachen zu bringen. Er konnte nur ahnen, dass der Schritt alles andere als leicht für Harry werden würde.

"Draco Malfoy mein Beschützer, dass ich das noch erleben darf." Harry versuchte zu lachen. "Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, da hätte ich gerne jemanden gehabt, der mich vor dir beschützte." Er wurde wieder ernst. "Ich kann es wirklich nicht, Draco."
"Du willst nicht", stellte Draco fest. "Hätte nicht gedacht, dass Harry Potter so ein Feigling ist", versuchte er ihn zu überlisten. Früher hatte es funktioniert.

"Das hat mit Feigheit nichts zu tun. Ich will sie einfach nicht verletzen. Das hat sie nicht verdient." Draco seufzte leise, als er Harrys Worte hörte. Gut, er war nicht nur älter geworden, er ließ sich auch nicht mehr so leicht provozieren. Nicht alles währte ewig. Dann musste er es eben anders versuchen.

"Meinst du, so ist es besser für sie?", fragte Draco. "Glaubst du wirklich, sie merkt nicht, dass etwas nicht in Ordnung ist?" Harry schwieg. Natürlich wusste er, dass Draco Recht hatte. Aber das änderte nichts an der Tatsache, dass er Angst vor dem Gespräch hatte. Es war ihm schon immer schwer gefallen, andere Menschen wissentlich zu verletzen. Und genau das würde er tun. Er musste es tun, irgendwann. Aber nicht heute Nacht.

"Komm schon. Im schlimmsten Fall kannst du morgen alles auf den Alkohol und meinetwegen auch auf mich schieben. Den guten alten Imperius beherrsche ich nämlich immer noch." Draco war langsam am Ende. Er wusste nicht, wie er Harry überzeugen sollte. Und er wollte auf keinen Fall alleine gehen. Die Idee ihren beiden Söhnen zu zeigen, dass die Feindschaft zwischen Harry Potter und Draco Malfoy der Vergangenheit angehörte gefiel ihm fast so gut wie die Gesellschaft von Harry.

"Blödmann", kommentierte Harry die Worte und musste Grinsen. Er wusste längst, dass er kaum eine andere Möglichkeit hatte, als Draco zu begleiten. Einerseits wollte er ihn ganz sicherlich nicht alleine in die Höhle des Löwen schicken und andererseits musste er sich eingestehen, dass er die Nähe genoss. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, würde es ihm wirklich helfen, wenn er Draco in seiner Nähe hatte. Denn eines war sicher. In dem Moment, in dem er Ginny vor vollendete Tatsachen stellte, dürfte er ziemlich alleine dastehen. Dass dann ausgerechnet Draco der einzige sein sollte, den er noch auf seiner Seite wusste, war ungewöhnlich aber irgendwie beruhigend.

"Also gut", gab Harry schließlich nach. "Dann lass es uns schnell hinter uns bringen." Er atmete tief durch. "Aber keine Beleidigungen für Ron und keine Vorwürfe für die Kinder", forderte er und sah Draco an.

"Versprochen", sagte Draco und Harry glaubte ihm. Schweigend drängelten sie sich an den Gästen vorbei zum Ausgang. An der Tür blieb Harry stehen und drehte sich noch einmal um. Es kam ihm vor, als würde eine Welt verlassen um eine andere zu betreten. Und doch sagte ihm eine kleine Stimme, dass er nicht zum letzten Mal hier gewesen war. Harry drehte sich um und folgte Draco in die Dunkelheit.

~~ooOoo~~



"Also mochtet ihr Scorpius Eltern nicht, weil sie in Slytherin waren", fasste Rose die Worte ihres Vaters zusammen. Die Kinder saßen auf dem dicken Teppich vor der Couch und den Sesseln. Den massiven Holztisch hatte Ron kurzerhand zur Seite geschoben, bevor er angefangen hatte, ihnen von seiner Zugfahrt nach Hogwarts zu erzählen, wie er sie in Erinnerung hatte. Damals war er Harry und Hermione zum ersten Mal begegnet und nie hätte er vermutet, dass er eines Tages hier mit ihren Kindern sitzen würde.

"Nun ja, so ähnlich auf jeden Fall", setzte Hermione zu einer Erklärung an, als Ginny den Raum betrat. Einen Moment lang herrschte Stille.
"Ich glaube, es war viel mehr so, dass wir die Slytherin nicht mochten, weil unsere Eltern und unsere älteren Geschwister so viel schlechtes über sie erzählt hatten", sagte sie nachdenklich während sie ihren älteren Bruder betrachtete. "Und bei den Slytherin war es vermutlich nicht viel anders."

"Und ich dachte immer, es hätte etwas mit Voldemort zu tun gehabt", seufzte Albus. "Statt dessen waren es einfach nur dumme Gerüchte."
"Nicht ganz", korrigierte Hermione. "Viele Eltern der Slytherin waren tatsächlich Anhänger von Voldemort gewesen." Sie richtete ihren Blick auf Scorpius. "Dein Großvater war einer von ihnen."

"Aber doch nur, weil er glaubte so seine Familie zu beschützen", nahm der Junge seinen Opa in Schutz. "Und irgendwann kam er wohl aus der Geschichte nicht mehr raus, wie auch mein Vater", fügte er leise hinzu.

"Stimmt", gab Hermione dem Schüler Recht. "Aber das wussten wir damals nicht. Immerhin waren wir Kinder und Voldemort war für uns nur noch ein Märchen. Die meisten von uns waren ja noch nicht einmal ein Jahr alt gewesen, als er verschwand. Manche noch nicht einmal geboren."

"Aber er war nicht tot." Scorpius kannte die alten Geschichten sehr gut, dafür hatte sein Großvater gesorgt.

"Aber wir glaubten es. Zumindest für eine ganze Weile", erklärte Hermione.
"Also gab es doch eigentlich keinen Grund, die Slytherin nicht zu mögen", stellte Albus sachlich fest. "Voldemort war nicht da."

"So einfach ist das nun auch wieder nicht", ergriff Albus' Mutter das Wort. Sie setzte sich auf einen Sessel neben ihren Sohn. "Du weißt doch, dass Voldemort deine Großeltern ermordet hat." Es war keine Frage. Diese Geschichte kannte wohl jedes Kind und Albus hatte sie von seinen Eltern gehört. "Nun, Lucius Malfoy, der Großvater von Scorpius war einer von Voldemorts Anhängern gewesen und damit auch irgendwie für den Tod von deinen Großeltern verantwortlich", erklärte sie mit ruhigen Worten, den Blick jetzt auf den jungen Malfoy gerichtet. Sie wollte nicht, dass der Junge ihre Worte zu ernst nahm und glaubte, dass sie seiner Familie etwas unterstellte. "Da war es nicht weiter erstaunlich, dass dein Vater nicht sonderlich gut auf Scorpius' Vater zu sprechen war."

"Außerdem wussten Harry und ich damals nicht wirklich viel von dem, was vor unserer Zeit passiert war", ergänzte Hermione die Worte ihrer Schwägerin. "Immerhin waren wir in der Welt der Muggel aufgewachsen und hatten gerade erst von Voldemort gehört. Wir kannten nur das, was uns wenige Menschen bis dahin erzählt hatte." Sie sah ihren Mann an.

"Jaja, schon gut. Ich bin schuld", gab er zu und wandte sich an die Kinder. "Ich kannte die Geschichten von meinen Eltern und Brüdern. Vielleicht habe ich sie noch ein wenig ausgeschmückt." Er gestikulierte mit den Händen. "Am Ende lief es aber darauf hinaus, dass wir wirklich glaubten, Slytherin seien böse. Und so sind wir nach Hogwarts gekommen." Er verzog die Mundwinkel. "Es konnte nicht wirklich gut gehen."


~~ooOoo~~



Die kühle Nachtluft traf Harry wie ein Schlag. Ihm wurde schwindlig und er konnte nicht einmal sagen, woran es lag. Vorsichtig lehnte er sich an die Steinwand. Das kühle Mauerwerk tat gut. Er schloss er die Augen. War es wirklich der Alkohol oder vielleicht doch die Angst vor dem, was diese letzten Nacht des Jahres ihm noch bringen würde?

Draco beobachtete Harry und konnte nicht anders als festzustellen, dass er wunderschön war. Die Nacht war sternenklar und Harry war in dem silbernen Licht des Mondes gut zu sehen. Vorsichtig ging Draco auf ihn zu, ohne zu wissen, wo er den Mut dafür her nahm. Vermutlich war es der Alkohol. Und das viele Gerede von den alten Zeiten. Er blieb stehen und betrachtete den Gryffindor, der noch immer mit geschlossenen Augen an der Wand lehnte. Hatte er ihn wirklich nicht bemerkt, oder wollte er ihn nicht bemerken. Zögernd hob Draco seine Hand und legte sie neben Harrys Kopf an die Wand. Die Steine waren eiskalt. Noch konnte er einen Rückzieher machen, doch sein Verstand hatte längst abgeschaltet. Langsam beugte er sich vor bis seine Nase fast die des anderen berührte. Er zögerte. Sein Verstand meldete sich zu Wort, warnte ihn davor zu zerstören, was gerade erst begann. Doch Draco ignorierte die Warnung.

"Das wollte ich immer schon mal tun", sagte er leise. Harry öffnete langsam die Augen und hielt die Luft an. Er sah in die grauen Augen des Gegners von damals und mit einem Mal war es, als würde die ganze Welt nur noch aus ihm und Draco bestehen.
"Was", fragte er sanft und spürte, dass er zitterte. Dabei drang die Kälte längst nicht mehr zu ihm durch.

"Das", sagte Draco. Seine Hand glitt sanft durch Harrys Haare. Dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen, den ihm der Alkohol beschert hatte und küsste Harry Potter.
Harry spürte die warmen Lippen auf seinen und wie in Trance schlang er seinen rechten Arm um Dracos schlanke Taille. Vergessen war die kalten Steinwand in seinem Rücken, vergessen die Angst vor dem was kommen würde. Alles was in diesem Moment noch zählte war die Wärme die sich in seinem Inneren ausbreitete. Er zog Draco dichter an sich heran und öffnete zögernd seine Lippen.

~~ooOoo~~



"Und dann kam Voldemort zurück", versuchte Scorpius die Erwachsenen dazu zu bringen, ihnen endlich mehr zu erzählen. Er kannte die Geschichten nur von seinem Großvater und brannte förmlich darauf, sie einmal von der anderen Seite zu hören. Selbst sein eigener Vater hatte ihm wenig erzählt und von daher wusste er seiner Ansicht nach viel zu wenig von dem, was wirklich in Hogwarts passiert war.

"Nicht gleich", antwortete Hermione zögernd. So hatte sie sich diesen Abend nicht vorgestellt. Es sollte eine fröhliche Silvesterfeier sei und jetzt drohte es, eine Reise in die Vergangenheit zu werden, die alles andere als fröhlich gewesen war. Für einen Moment lang war ihr, als könnte sie die Anwesenheit derer spüren, die sie in diesem Krieg verloren hatten und sie glaubte sogar, dass Lachen von Fred zu hören, der damals starb.

"Es geschah langsam und am Anfang wollte auch niemand so recht daran glauben." Sie lehnte sich gegen ihren Mann. "Ich glaube, Albus Dumbledore war lange einer der wenigen, der wirklich an eine Rückkehr Voldemorts geglaubt hatte."
"Der alte Schulleiter von dem ich meinen Namen habe", ergänzte Albus, nicht ohne einen gewissen Stolz in seiner Stimme.

"Richtig. Und vermutlich wusste auch Professor Snape damals schon mehr, als wir alle ahnten." Hermione blickte zu ihrem Sohn. "Dein zweiter Name", sagte sie, bevor er sie wieder unterbrechen konnte. "Aber wir anderen hielten es lange für Blödsinn." Sie holte tief Luft. "Oder wir hatten einfach nur Angst vor der Wahrheit."

"Und mein Vater?", wollte Scorpius wissen. In dem wenigen, was sein Vater ihm je erzählt hatte, war Voldemort nie erwähnt worden und Scorpius ahnte, dass sein Vater mehr in die Geschehnisse verwickelt gewesen war, als es ihm bisher jemand erzählt hatte. Aber wenn er wirklich auf der Seite von Voldemort gestanden hätte, dann wäre er doch wie all die anderen verhaftet worden. Irgendetwas musste passiert sein und Scorpius wollte es wissen.

"Ehrlich gesagt weiß ich es nicht", antwortete Hermione. "Weißt du, wir haben nie wirklich mit deinen Eltern gesprochen und wenn doch, dann haben wir uns höchstens gegenseitig beleidigt." Hermione sah ihn entschuldigend an. "Aber ich glaube, dass er nicht anders war als wir. Er tat, was man von ihm erwartet hatte und sein Vater war nun mal ein Anhänger von Voldemort gewesen. Zumindest für einen ganze Zeit."

"Aber ihr hättet doch versuchen können, mit ihm zu reden." Scorpius konnte nicht verstehen, dass Kinder, die in die gleiche Klasse gingen, nicht miteinander redeten. "Ihr hättet ihm erklären müssen, dass Voldemort gefährlich ist. Immerhin war er ein Mörder."

"Du hast ja Recht." Ginny wusste nicht, wie sie den Kindern erklären sollte, was damals los war. "Aber wir wussten nicht wirklich, was richtig und was falsch war. Natürlich glaubten wir, alles zu wissen und auf der richtigen Seite zu stehen. Das machte uns vielleicht auch ziemlich arrogant den anderen gegenüber." Sie schloss für einen Moment die Augen und dachte an die Vergangenheit.

"Irgendwann waren wir alle so festgefahren in unseren Vorstellungen, dass niemand mehr zurück konnte", führte Ron fort, was seine Schwester begonnen hatte. "Und als Voldemort dann wirklich zurück kehrte, war es einfach schon zu spät." Er sah zu Scorpius. "Dein Vater hat nur versucht, seine Eltern zu beschützen und jedes Mal, wenn es wirklich drauf ankam hat er im letzten Moment die richtigen Entscheidungen getroffen."

Ron wusste nicht, wie viel Draco seinem Sohn erzählt hatte, aber er war sich ziemlich sicher, dass kaum jemand von der wahren Geschichte über den Tod von Albus Dumbledore mehr wusste als nötig war. Und Ron würde auch seinen Kindern ganz sicher nicht davon erzählen. Er wollte Scorpius die Vorstellung ersparen, dass sein Vater beinahe zum Mörder geworden wäre. Denn die Antwort darauf, ob Draco Malfoy den Schulleiter Albus Dumbledore hätte töten können oder nicht, war bestenfalls eine Glaubensfrage. Damals war Severus Snape dem Schüler zuvor gekommen und man konnte stundenlang diskutieren, ob Draco es am Ende getan hätte, oder nicht. Ron wusste keine Antwort auf diese Frage und er würde Scorpius nicht zwingen, nach einer Antwort suchen zu müssen.

"Aber dann hätten sich doch zumindest die Ravenclaw einmischen müssen", gab Rose zu bedenken. "Sie sind doch angeblich so vernünftig und schlau."
"Ich glaube nicht, dass wir wirklich auf sie gehört hätten", gestand Hermione. "Irgendwann haben wir einfach nur noch alles abgelehnt, was Slytherin war. Ich glaube, wir haben sie wirklich gehasst und ihnen auch die Schuld an dem gegeben, was passierte." Sie seufzte leise. "Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn wir gar nicht miteinander geredet hätten, aber das war nicht möglich. Also haben wir uns gestritten. Und darin waren Harry und Draco wirklich Meister."

"Aber du hast ihm ein paar Ohrfeigen verpasst", erklärte Ron grinsend. Die Kinder sahen erstaunt auf und Hermione wurde rot.
"Das musste jetzt sein, oder?" Sie sah ihren Mann vorwurfsvoll an. Diesen Teil der Vergangenheit hätte sie gerne ausgelassen, denn sie war ganz sicher nicht stolz darauf. Doch dazu war es jetzt wohl zu spät.

"Du hast Mr. Malfoy geschlagen?", fragte Rose. "Du sagst doch immer, dass Schläge die Kapitulation des Geistes sind, oder so ähnlich", versuchte Rose sich an die genauen Worte ihrer Mutter zu erinnern. Hermione nickte.
"Es ist lange her und Draco hatte mich wirklich provoziert", versuchte sie sich zu rechtfertigen während sie überlegte, was wirklich damals der Auslöser gewesen war. Es war so lange her. Sie konnte sich noch daran erinnern, dass es in ihrem dritten Schuljahr gewesen sein musste, draußen, unweit von Hagrids Hütte. Aber warum ihr damals die Hand ausgerutscht war, das wusste sie nicht mehr.

"Es war ziemlich dumm von mir", gab sie schließlich zu. "Aber wir waren Kinder und Draco war nicht immer gerade nett zu uns gewesen. Manchmal hat er wirklich hässliche Dinge gesagt." Sie zuckte mit den Schultern.
"Und dann ist mir halt die Hand ausgerutscht."

~~ooOoo~~



"Du hast Recht. Auf ihn wäre ich ganz sicher nicht so schnell gekommen", holte eine hellte Stimme Harry unsanft in die Realität zurück. Schlagartig wurde ihm bewusst, was er hier gerade getan hatte. Falsch. Was Draco getan hatte. Und er? Harry war verwirrt. Er ließ Draco los und versuchte, Abstand zwischen sich und ihn zu bringen, was nicht gerade einfach war, wenn man zwischen einer kalten Steinwand und einem heißblütigen Draco Malfoy fest saß.

"Hallo Harry", begrüßte Pansy Malfoy den ehemaligen Klassenkameraden. "Lange nicht gesehen." Harry schluckte trocken und unterbrach für einen Moment seinen Fluchtversuch.
"Ähh, ja, hallo Pansy", erwiderte er und warf Pansy einen entschuldigenden Blick zu. Wie um alles in der Welt sollte er bitte dieser Frau erklären, was hier gerade passiert war. Mal davon abgesehen, dass er es selber noch nicht wirklich verstand, dürfte sie nicht sonderlich begeistert davon sein. Erleichtert atmete er auf, als Draco endlich einen Schritt zurück trat. Jedoch nicht, ohne mit seinem Finger über Harrys Wange zu streifen und ihm noch einmal in die Augen zu sehen. Harry wich dem Blick aus. Draco lächelte, wandte sich ab und ging auf seine Frau zu. Er legte ihr die Hand auf die Schulter und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Harry starrte die beiden an.

"Was machst du denn hier?", fragte er "Ich dachte, du feierst irgendwo in Schottland." Mit seiner Hand deutete er in die Dunkelheit.
"Das habe ich auch", stellte Pansy fest. "Aber ich wollte sicherstellen, dass du keinen Unsinn anstellst." Sie stemmte die Hände in die Hüfte und sah ihren Mann an.
"Das sind ja ganz neue Sitten. Hast du doch noch nie gemacht." Er musterte seinen Frau nachdenklich. "Was um alles in der Welt ist los, dass du deine Party verlässt und Chris alleine lässt?", wollte er wissen. "Oder habt ihr euch etwa gestritten?" Pansy schüttelte den Kopf. "Gut, du willst mich also kontrollieren", stellte Draco sachlich fest. "Seit wann?"

"Ziemlich genau seit dem Zeitpunkt an dem du erfahren hast, mit wem dein Sohn seine Zeit verbringt." Sie ließ die Hände sinken und sah Harry an. "Aber scheinbar hat sich das Problem ja zwischenzeitlich erledigt." Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Harry spürte, wie sich seine Gesichtsfarbe deutlich veränderte und hoffte, dass niemand es bemerken würde.

"Nun ja, sagen wir mal, die Umstände haben sich ein wenig geändert", stellte Draco fest. Er drehte sich zu Harry um und schmunzelte. Dieses Rot stand ihm wirklich gut. Dann wandte er sich wieder seiner Frau zu. "Eigentlich wollten Harry und ich gerade ein ernstes Wort mit unseren Jungs reden."

"Bist du noch zu retten. Willst du unserem Sohn wirklich den Abend verderben?" Pansys Stimme war deutlich lauter geworden.

"Na bitte, ich habe dir doch gesagt, dass es keine gute Idee ist", mischte sich Harry jetzt ein, als er eine Chance sah, den Abend doch noch zu retten. Vielleicht war Pansy Malfoy nicht die schlechteste Verbündete. Immerhin war sie eine Slytherin. Vorsichtig näherte er sich den beiden.

"Aber wenn Scorpius und Albus sehen, dass Harry und ich ...", setzte Draco zu einer Rechtfertigung an, wurde jedoch unsanft von seiner Frau unterbrochen.
"Du meinst wenn sie sehen, dass ihre Väter hier auf der Straße knutschen, dann fühlen sie sich wohler. Glänzende Idee, mein Lieber, wirklich genial." Sie schüttelte den Kopf und Harry drehte sich der Magen um. Daran hatte er noch gar nicht gedacht. Genau genommen, hatte er überhaupt nicht mehr gedacht, seit Draco ihn geküsst hatte.

"Das wollte ich ihnen ganz sicher nicht auf die Nase binden. Auch wenn ich mir sicher bin, dass unser Sohn es längst ahnt." Draco steckte die Hände in die Hosentasche und warf seiner Frau einen bösen Blick zu.

"Na, vielleicht erzählt ihr es dann Harrys Frau. Denn soweit ich informiert bin, sind die beiden immer noch verheiratet. Gerüchte hin oder her." Sie sah Harry an.
"Welche Gerüchte", fragte Harry erstaunt. Natürlich wusste er, wie es um seine Ehe stand. Aber sie hatten doch alles getan, damit das Bild nach außen hin stimmte. Ganz besonders Ginny.

"Na, dass eure Ehe längst nur noch auf dem Papier existiert", erklärte Pansy und fing sich einen weiteren bösen Blick ihres Ehemannes ein. "Was denn, Draco?", reagierte sie. "Es stimmt doch." Draco schnaufte laut hörbar. Nur weil es stimmte, musste sie es ja nicht gleich herausposaunen.

"Es sind leider keine Gerüchte", gab Harry leise zu und verfluchte sich dafür, dass er überhaupt hier her gekommen war. Eigentlich war er geflüchtet um endlich mal nicht an das Chaos denken zu müssen und nun schien es sich zum Hauptthema des Abends zu entwickeln.

"Egal, aber deswegen müsst ihr beiden es ja nicht gleich an die große Glocke hängen." Pansy deutete mit ihrer Hand von Draco zu Harry und schließlich wieder zu Draco.
"Ich ... wir ... also ...." Harry fühlte sich völlig überrannt. Er holte tief Luft. "Draco wollte mit seinem Sohn reden", erklärte er. "Darüber, dass es völlig OK ist, wenn er mit meinem Sohn befreundet ist." Er atmete aus. "Er wollte ihm ganz bestimmt nicht erzählen dass er und ich..." Er hielt inne. Das er und Draco? Was war das überhaupt? Doch bestenfalls das Ergebnis von zuviel Bier und verrauchter Kneipenluft. Da gab es nichts zu erklären.

"Aber das wird er ganz bestimmt nicht alleine tun." Pansys Stimme klang entschlossen und auf Dracos Stirn bildete sich eine gefährliche Falte, die Harry nur zu gut kannte. Früher wäre dies der richtiges Zeitpunkt gewesen um sich entweder eine Rückzugsmöglichkeit, oder aber den Zauberstab zu suchen. Im Moment schien jedoch keines davon eine wirkliche Alternative zu sein.

"Du willst doch nicht etwa mitbekommen?" Dracos Stimme wurde deutlich ruhiger und Harry musste sich zwingen, nicht laut loszulachen. Das wäre eine Silvesterparty, wie sie die Welt wohl kaum so schnell vergessen würde. Die Familie Malfoy zu Gast im Hause Weasley. Harry war sich sicher, dass das schlichtweg nicht gutgehen konnte.

"Natürlich." Pansy ließ wenig Zweifel an ihrer Entschlossenheit und Harry fing an, sich ernsthaft Sorgen zu machen.
"Hermione wird sich sicherlich freuen, mich zu sehen", erklärte Pansy siegessicher. "Oder glaubt ihr etwa, sie wüsste nicht, was in ihrem Haus vor sich geht." Sie schüttelte den Kopf über so viel väterliche Naivität. "Sie hat Scorpius doch bei uns abgeholt."

"Ich glaube, ich habe da irgendetwas verpasst", stellt Draco fest. "Als nächstes erzählst du mir noch, dass du regelmäßig mit Hermione Granger shoppen gehst."
"Hin und wieder", gab Pansy zu. "Meistens treffen wir uns aber eher mit Ginny auf einen Tee." Sie sah ihren Mann an. "Sie weiß übrigens über uns Bescheid. Und es war ihre Idee, endlich Köpfe mit Nägeln zu machen." Draco drehte sich um und gestikulierte mit den Händen ohne auch nur ein Wort zu sagen während Harry versuchte, ernst zu bleiben. Fast tat ihm Draco ein wenig leid. Ausgerechnet Hermione schien eine der wenigen zu sein, die die Wahrheit über das Leben der Familie Malfoy kannte. Kein Wunder, dass Draco die Worte fehlten.

"Nägel mit Köpfen", korrigierten Harry das alte Sprichwort. "Scheint ein neuer Trend zu sein", fuhr er anschließend alleine fort. Offensichtlich schien Pansy damit jedoch deutlich weniger Probleme zu haben, als er. Aber irgendwie war die Ehe von Pansy und Draco auch irgendwie anders. Harry konnte nicht umhin, Draco darum zu beneiden. Pansy sah ihn fragend an.

"Naja", setzte Harry an, wusste aber nicht genau, was er sagen sollte. Immerhin war es Pansy Malfoy, ehemals Parkinson, eine Slytherin, die er nicht einmal besonders gut kannte. Er konnte ihr doch nicht von seinen Problemen erzählen.
"Ich habe ihm gesagt, dass er endlich mal in seinem Leben aufräumen soll", kam Draco ihm zu Hilfe. "Und dazu muss er nun mal mit seiner Frau reden. Ob er will oder nicht." Er zuckte mit den Schultern.

"Hatte Hermione dir das nicht auch schon vorgeschlagen?", wollte Pansy zu Harrys Entsetzen wissen. In diesem Moment konnte er Draco verstehen. Ganz offensichtlich hatten Hermione und Pansy nicht nur über die Familienverhältnisse im Hause Malfoy gesprochen. Statt mit seiner Frau sollte er vielleicht lieber mit Hermione reden. Sie schien ja bestens über alles informiert zu sein.

"Das reicht", ging Draco dazwischen. "Ich glaube, es wird Zeit für ein kleines Ehemaligen-Treffen." Er fischte in seiner Tasche nach dem Pergament, zog es heraus und faltete es auf. "Und dieses Treffen wird ganz genau hier statt finden." Mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand deutete er auf das Pergament.

Pansy musste nicht nachsehen. Sie wusste sehr genau, wo ihr Sohn war. Immerhin war sie selber schon ein paar Mal in dem Haus von Ron und Hermione gewesen. Allerdings immer nur, wenn Ron nicht da gewesen war. Ihr wurde ein wenig mulmig. Aber ein Slytherin machte nun mal keinen Rückzieher.

"Wir sehen uns an der Haustür", sagte sie entschlossen, in die Tasche ihres Mantels, zückte den Zauberstab und murmelt ein paar undeutliche Worte. Einen Moment später waren sie verschwunden.
"Armer Ron", murmelte Harry. Denn im Gegensatz zu allen anderen, dürfte ihn dieser Besuch am meisten treffen. Und wenn es stimmte, was Pansy erzählt hatte, wenn die drei Frauen wirklich seit längerer Zeit befreundet waren, dann hatte Ron ziemlich schlechte Karten

"Er wird es schon überstehen", beruhigte Draco ihn. Vorsichtig hob er seine Hand, legte sie auf Harrys Wange und strich mit seinem Daumen über die trockenen Lippen des Gryffindor. "Und was ist mit dir?" Harry konnte sich nicht bewegen. Oder wollte er nicht? Schließlich brachte er doch ein Nicken zustande.

"Keine Sorge", sagte Draco. Er ließ seine Hand sinken und hielt kurz darauf seinen Zauberstab darin. "Ich werde dich nicht wieder küssen." Er hob den Zauberstab und sah Harry an. "Es sei denn, du bittest mich darum", flüsterte er und war verschwunden, noch bevor Harry etwas erwidern konnte.

~~ooOoo~~



"Die Hand ausgerutscht ist eine ziemlich nette Formulierung für ein paar deftige Ohrfeigen." Hermiones Kopf schnellte herum und sie sprang auf, als sie die kleine Gruppe in der Tür stehen sah. In diesem Moment bereute sie es, dass sie Harry vor langer Zeit einen Schlüssel gegeben hatte. Allerdings war nicht wirklich zu erwarten gewesen, dass er eines Tages mit Draco Malfoy in der Tür stehen würde.

"Glaub mir, Rose", fuhr Draco fort, ohne sich von Hermione irritieren zu lassen, die auf ihn zu kam. "Ich war damals nicht sehr nett zu deinen Eltern. Und auch nicht zu ihren Freunden. An dem Tag hatten wir uns mal wieder fürchterlich gestritten und ich habe ein paar ziemlich hässliche Bemerkungen über Hagrid gemacht." Er machte eine Pause und dachte darüber nach, wie es zu den Ohrfeigen gekommen war. Oh ja, er konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wollte den Kindern aber nicht alles erzählen. Immerhin hatte er sich damals ziemlich oft daneben benommen und vieles, was er damals gesagt und getan hatte, tat ihm heute leid. Vielleicht war es an der Zeit, sich zu entschuldigen. Denn das hatte er nie wirklich getan. "Ich habe damals wirklich Mist gebaut", fuhr er deutlich leiser fort. "Wegen mir musste ein Tier sterben, dass niemandem etwas getan hatte. Und Hagrid ..." Er hielt inne.

"Hagrid hat seine Tiere schon immer über alles geliebt", fuhr Hermione fort. "So wie heute." Vorsichtig hob sie die Hand und legte sie Draco auf die Schulter. Er war deutlich größer, als sie ihn in Erinnerung hatte. "Und da wir das wussten, haben wir dafür gesorgt, dass Seidenschnabel nichts passiert." Draco sah sie fragend an. "Erinnerst du dich noch an Federflügel, den Hippogreif, den Hagrid später bekam?" Draco nickte. "Das war Seidenschnabel." Sie nahm ihre Hand von Dracos Schulter. "Du siehst also, es ist nichts passiert."

"Außer ein paar Ohrfeigen, die ich wohl verdient hatte", gab Draco zu. Er ließ seinen Blick über die anwesenden Menschen schweifen. Er konnte Rons Eltern konnte nirgendwo entdecken obwohl er fest damit gerechnet hatte, dass sie hier sein würden. Allerdings war er über ihre Abwesenheit nicht sonderlich traurig. Ihm reichte der misstrauische Blick des rothaarigen Gryffindor für den Moment völlig aus. Allerdings hatte er auch nicht erwartet, mit offenen Armen empfangen zu werden. Was ihn jedoch irritierte, war der unruhige Blick von Ginny Potter. Eigentlich hätte sie doch ziemlich sauer sein müssen, dass ihr Mann sich an diesem Abend einfach abgesetzt hatte. Statt dessen machte sie vielmehr den Eindruck als wäre sie in diesem Moment überall anders lieber als hier. Und das konnte eigentlich nicht daran liegen, dass Draco Malfoy überraschend zu Besuch gekommen war. Schließlich gab er sich einen Ruck und ging auf Ron zu.

"Tut mir leid, dass wir hier so hereinplatzen, aber meine Frau hatte leider versäumt mir zu erzählen, wo mein Sohn sich herumtreibt", versuchte er die Situation aufzulockern, ohne Ron dabei aus den Augen zu lassen. Ganz egal, was er in der Vergangenheit behauptet hatte. Ron war ein Zauberer und nicht einer der schlechtesten.

"Ich treibe mich nicht herum", widersprach Scorpius energisch und stand vom Fußboden auf. "Mr. Weasley hat uns Geschichten erzählt", erklärte er seinem Vater. "Die, die du mir nie erzählen wolltest." Draco sah Ron fragend an und der Gryffindor verzog das Gesicht zu einem Grinsen.

"Hey, ich wusste von diesem Trio genauso wenig wie du", rechtfertigte er sich. "Und als sie vorhin allesamt in der Tür standen konnte ich sie wohl kaum wieder rauswerfen." Er deutete auf die Kinder. "Zumal unsere Frauen ja scheinbar bestens Bescheid wussten." Draco schnaubte.

"Intrigantes Weibsvolk", sagte er leise und deutete mit dem Kopf auf Hermione und Pansy. "Soll ich Scorpius nach Hause bringen?", fragte er Ron. Doch dieser schüttelte den Kopf.
"Wenn ich ehrlich bin, sind unsere Kinder viel vernünftiger, als wir es damals waren", sagte er. "Ich finde es gar nicht schlecht, dass sie befreundet sind." Er sah auf Scorpius.

"Deswegen bin ich eigentlich her gekommen", erklärte Draco und wandte sich an seinen Sohn, der zwischenzeitlich Unterstützung bekommen hatte. Einen Moment lang war es Draco, als würden er und Harry vor ihm stehen. Albus glich seinem Vater mindestens ebenso, wie Scorpius ihm glich. Nur hätten Harry und er damals ganz sicher nie so ruhig nebeneinander gestanden.

"Hört mal zu", begann er, als auch Rose sich erhob und sich zu den beiden gesellte, als wolle sie ihm deutlich machen, dass er in der Minderheit war. "Es gibt überhaupt keinen Grund, warum ihr nicht Freunde sein könnt." Er sah kurz zu Harry. Doch dieser schien ihn nicht einmal zu bemerken. Auch die beiden Frauen, die sich angeregt neben ihm unterhielten, schien er völlig zu ignorieren. Statt dessen sah er zu seine Frau. Draco ahnte, dass der Gryffindor mit sich kämpfte ob er zu ihr gehen, oder lieber die Flucht ergreifen sollte. Doch dann schien er einen Entschluss gefasst zu haben und ging an Draco vorbei, auf seine Frau zu. Fast schon mechanisch beugte er sich gerade weit genug hinunter um sie auf die roten Haare zu küssen. Draco musste Harry zustimmen. Mit Liebe hatte das nicht mehr viel zu tun und er konnte für den Gryffindor nur hoffen, dass er aus dieser Geschichte irgendwie wieder raus kam.

"Na, ich dachte immer, du hast etwas dagegen, Dad", zog sein Sohn Dracos Aufmerksamkeit wieder auf sich. "Du magst doch Albus' Vater nicht, weil ..." Scorpius wusste nicht weiter.

"Siehst du, Scorpius. Dir fällt einfach kein Grund ein. Genau wie mir." Er lächelte seinen Sohn an. "Und das liegt daran, dass es gar keinen Grund mehr gibt, Harry nicht zu mögen. Wir haben uns früher fürchterlich gestritten, aber das ist lange her. Außerdem hat er mir das Leben gerettet." Rose sah ihren Vater an.

"Davon hast du uns noch gar nichts erzählt", warf sie ihm vor. Dann sah sie Draco mit ihren großen, braunen Augen an. "Ich glaube, er hat uns überhaupt sehr wenig erzählt, Mr. Malfoy", beschwerte sie sich.

"Na, dann wird es wohl höchste Zeit. Es kann doch wohl nicht angehen, dass ausgerechnet ihr davon nichts wisst. Schließlich sind eure Eltern Helden." Er sah seinen Sohn erneut an. "Und ich glaube, im Endeffekt komme ich auch nicht so schlecht bei der Geschichte weg." Er deutete auf den leeren Sessel neben dem Harry stand. Ginny saß noch immer, fast bewegungslos, in dem Sessel daneben und starrte in den Raum.

"Darf ich", fragte er Ron vorsichtig. Er hatte nicht das Gefühl, in diesem Haus willkommen zu sein, aber vielleicht waren es ja die Kinder, die eine Brücke zwischen Eltern bauen konnten. Ron nickte und Draco setzte sich vorsichtig hin. Nicht jedoch ohne, wie zufällig, Harrys Hand zu streifen. Der Gryffindor sah ihn erschrocken an. Draco nickte ihm zu. Und während er langsam begann zu erzählen, beugte sich Harry zu seiner Frau hinunter und flüsterte ihr etwas zu.

"Wir müssen reden", zwang Harry sich zu sagen. Sein Hals war wie zugeschnürt und er hatte Angst wie schon lange nicht mehr. Ginny sah ihn mit großen Augen an und Harry verließ das letzte Stückchen Mut. Doch schließlich nickte sie ihm zu und stand auf.
"Aber nicht hier", sagte sie eben so leise. "Es gibt da etwas, das ich dir sagen muss und ich möchte nicht, dass die Kinder dabei sind." Ginny wusste nicht, wo sie den Mut her nahm. Vielleicht war es die Anwesenheit von Ginny und Pansy, vielleicht aber auch die Geschichten von vergangenen Zeiten. Immerhin hatte es mal eine Zeit gegeben, in der sie mit Harry hatte reden können. Und vielleicht hatte Hermione Recht wenn sie sagte, dass es noch nicht zu spät war. Sie stand auf und deutete auf die Tür zur Küche, in der sie vor einigen Stunden mit ihrer Freundin geredet hatte. Harry nickte und ging vor.

Zufrieden beobachtete Draco die beiden und wandte sich dann wieder seinen jungen Zuhörern zu, die es sich wieder auf dem Teppich bequem gemacht hatten.

"Glaubst du, sie kriegen es auf die Reihe?" Auch Hermione war nicht entgangen, dass Ginny und ihr Mann den Raum verlassen hatten. Pansy sah sie besorgt an.
"Ich weiß es nicht. Aber sonderlich glücklich sahen sie gerade eben nicht aus", kommentierte sie den leisen Abgang der beiden.

"Dürfte auch keine einfache Unterhaltung werden", vermutete Hermione. Mit wenigen Worten berichtete sie der Freundin von ihrem Gespräch mit Ginny. "Ich hoffe nur, dass sie jetzt nicht der Mut verlässt und das Harry wirklich meinte, was er gesagt hat", endete sie.

Sie musste Pansy nichts erklären. Dazu war die Familie Potter viel zu oft Gesprächsthema gewesen. Und auch wenn Hermione Pansy sicher nicht alles erzählt hatte, so doch auf jeden Fall genug um ihr klar zu machen, dass die Ehe am Ende war.

"Mach dir um Harry keine Sorgen", beruhigte Pansy die Freundin und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Hermione sah sie erstaunt an.
"Meinst du?", fragte sie nach. Pansy nickte. "Und wie kommst du darauf?", wollte Hermione wissen.

"Ich glaube, dass sollte er dir besser selber erzählen, Hermione." Ihre Mundwinkel zuckten gefährlich. "Außerdem würdest du mir vermutlich kein Wort glauben." Ihr Blick wanderte zu ihrem eigenen Mann während sie sich an die Szene vor dem kleinen Lokal erinnerte. Sie hatte schon fast damit gerechnet, ihn mit einem anderen Mann zu erwischen, nur ganz sicher mit dem Mann. Hermiones Augen folgten Pansys Blick. Es dauerte einen Moment, bis sie verstand, was Pansy ihr ohne Worte mitteilen wollte.

"Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?" Sie beobachtete den Mann, mit dem sie sich einst so erbitterte Wortgefechte geliefert hatte und der jetzt dort saß und die Kinder ganz offensichtlich völlig in seinen Bann gezogen hatte.

"Frag ihn", erwiderte Pansy kurz. Sie fühlte sich erleichtert. Wie oft hatte sie sich mit Hermione dieses Begegnung vorgestellt. Die beiden jungen Frauen hatten mit einem heftigen Streit gerechnet und es deswegen immer wieder verschoben.

"Erinnerst du dich noch an Seamus", riss Hermione sie schließlich aus ihren Gedanken. Pansy sah auf und nickte. "Damals, als Draco Harry die Nase gebrochen hatte", setzte sie an.
"Erinner' mich bloß nicht daran", unterbrach Pansy sie. "Nicht gerade unsere Glanzzeit als Slytherin. Aber irgendwie konnte ich Draco schon verstehen. Immerhin war sein Vater verhaftet worden und Harry war daran nicht ganz unschuldig gewesen."

"Ach, das ist schon so lange her, und wir waren auch nicht gerade Unschuldsengel", erklärte Hermione. "Auf jeden Fall hat Seamus damals etwas gesagt, für das ich ihm beinahe einen Fluch auf den Hals gejagt hätte." Pansy sah sie fragend an.
"Abends im Gemeinschaftsraum, als Harry schon im Bett gewesen war, hat er doch glatt behauptet, dass das alles nur unterdrückte Leidenschaft sei. Und ohne Voldemort würden sie sich nicht streiten sondern poppen." Hermione grinste verlegen.

"Ja, der gute alte Seamus. Er hatte schon immer ein besonderes Gespür für die Menschen um sich herum", stellte Pansy fest. Sie wusste, dass Hermione sie verstanden hatte und vielleicht würde Harry es ihr ja irgendwann auch wirklich erzählen. Wenn er wusste, was er wollte.

"Mama", rief Rose quer durch den Raum und unterbrach damit das Gespräch der beiden Frauen. Hermione sah zu ihrer Tochter. "Mama, Mr. Malfoy kann tolle Geschichten erzählen", rief Rose. Hermione warf Pansy einen besorgten Blick zu.
"Keine Sorge", beruhigte Pansy sie. "Er wird schon nichts erzählen, was uns peinlich sein könnte."

"Er vielleicht nicht." Hermione sah wieder zu der kleinen Gruppe. "Bei Ron bin ich mir da allerdings nicht ganz sicher. Immerhin musste ausgerechnet er die Geschichte mit der Ohrfeige hervorkramen." Sie verzog das Gesicht.

"Die kannte ich übrigens noch nicht", stellte Pansy fest. "Muss Draco wohl ziemlich peinlich gewesen sein." Sie sah kurz zu ihrem Mann, der sich ganz offensichtlich angeregt mit Ron unterhielt.

Leise, ohne die Unterhaltung zu unterbrechen, gingen Pansy und Hermione zu der kleinen Gruppe. Und nur wenige Minuten, nachdem sie sich auf der Couch niedergelassen hatten, war eine heftige, und doch friedliche Diskussion über vergangene Zeiten in Gange.

~~ooOoo~~



"Es ist fast Mitternacht", unterbrach Hermione lange Zeit später Ron, der gerade versuchte Scorpius zu erklären, warum sein Vater eine Weile als Frettchen durch das Schloss laufen musste. Sie stand auf, durchquerte den Raum, nahm eine der Sektflaschen von der Anrichte neben dem Esszimmertisch und begann, das Stanniol zu entfernen, als ihr jemand die Flasche aus der Hand nahm.

"Lass mich das machen", sagte Draco mit einer freundlichen Stimme, an die Hermione sich immer noch nicht recht gewöhnt hatte. Sie ließ sich die Flasche aus der Hand nehmen und beobachtete den Slytherin, wie er mit geschickten Händen das Stanniol entfernte und die Flasche mit einem leisen Plopp öffnete.

"Hast du dir Silvester so vorgestellt?", fragte er, als er Hermione die geöffnete Flasche gab und nach der zweiten Flasche griff. Er lehnte sich gegen den Tisch und sah zu der Sitzecke hinüber. Hermione schob die Gläser zurecht und begann, eines nach dem anderen, zu füllen.

"Eigentlich nicht", antwortete sie schließlich. "Aber ich könnte mich daran gewöhnen." Sie stellte die Flasche zur Seite und zählte die Gläser. "Was ist mit Harry und Ginny?", überlegte sie laut, während sie zwei weitere Gläser dazu stellte. Draco drehte sich um die Flasche, die er zwischenzeitlich geöffnet hatte noch in der Hand. Sein Blick überflog die gefüllten Gläser. Schließlich füllte er zwei weitere Gläser.

"Wenn sie den Jahreswechsel in der Küche verbringen, müssen wir sie halt trinken", kommentierte er sein tun und stellte die Flasche auf den Tisch. "Wer weiß, vielleicht wollen die beiden ja lieber alleine sein und einen Neuanfang feiern." Alles in Draco sträubte sich gegen diese Möglichkeit. Doch auch wenn er Harry lange Jahre nicht gesehen hatte, so kannte er den Gryffindor gut genug um zu wissen, dass er bereit wäre, sein Glück für das anderer zu opfern. Schließlich war er sogar bereit gewesen, sein Leben für das der anderen zu opfern.

"Eher unwahrscheinlich." Hermione nahm einen Teil der Gläser in die Hände. "Es geht längst nicht mehr um die Frage, ob sie sich trennen sondern eigentlich nur noch um das wie und wann." Sie drehte sich um. "Wollen wir nicht nach draußen gehen", fragte sie in den Raum. "Aber zieht euch eure Jacken an, es ist kalt", schob sie gleich hinterher, als Lily bereits auf die Tür zu stürmte.

"Ist nicht kalt", murmelte der jüngste Spross der Familie Potter und sah Hermione trotzig an. Hermione warf ihr lediglich einen ernsten Blick zu, der jegliche Diskussion im Keim erstickte. Lily trabte von dannen, nicht jedoch ohne ein paar Worte des Widerspruchs zu murmeln.

Einen Moment später standen sie in dem Vorgarten des Hauses und sahen in den sternenklaren Himmel. Die Kinder liefen um sie herum und verteilten Feuerwerkskörper während Ron damit beschäftigt war Raketen in Glasflaschen zu stecken, die er bereits nachmittags im Garten verteilt hatte.

"Wo sind eigentlich Mama und Papa", fiel schließlich Albus auf, dass seine Eltern noch immer im Haus waren. Er sah sich um.
"Sie müssen etwas besprechen", versuchte Hermione zu erklären, was sie eigentlich nicht erklären wollte. Irgendwann mussten die Kinder wohl erfahren, was los war. Aber ganz sicher nicht jetzt und schon gar nicht von ihr.

"Sie kommen bestimmt, wenn das Feuerwerk erst mal anfängt", sprach Draco laut aus, was er sich wünschte, während er das vorletzte Sektglas, das er in seiner Hand hielt, seiner Frau reichte. "Aber nur eins", warnte er seinen Sohn als dieser gerade ein Glas von Hermione entgegen nahm.

"Ich bitte dich. Es ist Silvester", vernahm Draco eine vertraute Stimme hinter sich und sein Herz machte unwillkürlich einen kleinen Sprung. "Und versuch uns jetzt bitte nicht weis zu machen, dass du in unserem dritten Jahr keinen Alkohol getrunken hast."
"Vielen dank", brummte Draco, konnte Harry jedoch nicht widersprechen. "Er muss ja nicht alles nachmachen, was sein Vater ihm vormacht." Draco warf seinem Sohn einen besorgten Blick zu.

"Lass mal, ich glaube, unsere Kinder machen scheinbar einiges besser als wir", stellte Harry fest. Sein Blick folgte Ginny, die in diesem Moment den Vorgarten betrat und mit schnellen Schritten zu Hermione ging. Als auch Pansy sich zu den beiden Frauen gesellte, beugte Draco sich zu Harry.

"Alles in Ordnung", konnte er endlich fragen, was ihn beschäftigte. Er hob seine Hand um Harry nur kurz zu berühren, überlegte es sich doch wieder anders und ließ seine Hand sinken. Das kurze Nicken des Gryffindor beruhigte ihn nicht sonderlich. Aber Draco wusste, dass er kaum mehr erwarten durfte. Auch wenn er es sich wünschte, sie waren nie Freunde gewesen und vielleicht würden sie es auch nie werden.

Doch bevor er weitere Fragen stellen konnte, kündigten die Glocken einer entfernten Kirche den Jahreswechsel an und Draco fand sich inmitten einer Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig ein neues Jahr wünschten und einander in die Arme fielen. Überrascht von so viel Herzlichkeit verlor er Harry für einen kurzen Moment aus den Augen, als Ron ihm überschwänglich um den Hals fiel und ihm vorschlug, die Vergangenheit endlich zu vergessen und das neue Jahr vielleicht mit einer Partie Schach zu beginnen.

Als er sich endlich aus der Umarmung befreien konnte, glaubte er, sein Herz würde aussetzen. Emotionslos betrachtete er, wie das Ehepaar Potter sich umarmte und Harry seiner Frau etwas ins Ohr flüsterte, bevor er sie küsste. Draco wandte sich ab. Sein Blick suchte seine Frau. Doch als er sie entdeckte, schien diese vertieft in ein Gespräch mit Hermione und Ron war zwischenzeitlich dazu übergegangen, mit den Kindern die ersten Raketen zu starten. Das Glas in der Hand wandte Draco sich ab und ging ein paar Schritte durch den Garten. An einem kleinen Steintisch blieb er stehen, trank seinen Sekt aus, stellte das Glas auf den Tisch und beobachtete die fröhliche Gruppe. Harry schien sich noch immer angeregt mit Ginny zu unterhalten. Hermione hatte sich geirrt. Ausgerechnet Hermione. Draco musste lachen. Er steckte seine Hände in die Hosentasche und spürte etwas kaltes an seinen Fingern.

"Verdammt", fluchte er leise, als er den Schlüsselbund herauszog. Den Schlüssel hatte er völlig vergessen. Und Mike vermutlich auch. Draco warf einen letzten Blick auf die fröhlichen Menschen bevor er sich abwandte und in der Dunkelheit verschwand.

~~ooOoo~~



Die Musik war laut. Zu laut. Doch Draco war es nur Recht. Ein Glas Bier in der rechten Hand, den linken Arm auf den Tresen gestützt betrachtete er das Treiben, dass auch jetzt, eine Stunde nach Mitternacht noch in vollem Gange war. Von Mike jedoch fehlte jede Spur und so würde er wohl hier bleiben müssen, bis auch der letzte Gast gegangen war und das konnte dauern. Er hob sein Glas an die Lippen und trank einen Schluck. Sein Fuß wippte im Takt der Musik. Ja, dies war sein Leben, seine Welt, von der die meisten seiner ehemaligen Mitschüler nicht einmal etwas ahnten. Und das war auch gut so. Für einen ganz kurzen Moment war er bereit gewesen, dieses Leben aufzugeben, doch am Ende war es wie immer. Er stand hier, seine Augen suchten die Tanzfläche ab und er würde den Rest der Nacht ganz sicher nicht alleine verbringen. Ganz im Gegensatz zu seinem Leben.

Eben hatten seine Augen ein potentielles Opfer entdeckt und er heute nicht darüber nachdenken, warum es wieder ein Mann mit schwarzen Haaren war. Und natürlich war er gut einen Kopf kleiner als er. Oh ja, dieser Muggelpsychologe hätte seine wahre Freude an ihm gehabt. Er stellte sein Glas auf den Tresen und während er sich noch überlegte, wie er es am besten anstellte, hielt ihm jemand ein Glas vor das Gesicht.

"Nein danke", sagte Draco abwehrend, ohne überhaupt zur Seite zu sehen. Nicht, dass dieser Mann dort auf der Tanzfläche noch verschwand. Ohne ihn.

"Schade", vernahm er eine Stimme, die ihn verdächtig an jemanden erinnerte. "Ich dachte, wir können jetzt wenigstens auf das neue Jahr anstoßen. Auch, wenn Mitternacht längst vorbei ist." Draco riss seinen Kopf herum. Er war hin und her gerissen. 'Weglaufen' riet ihm sein Verstand, stets darauf bedacht, die Emotionen unter Kontrolle zu halten. 'Hierbleiben' schrie sein Herz, dessen Stimme er seit Jahren nicht mehr gehört hatte. 'Gefühle können dich vernichten' war eine Lektion, die Draco Malfoy beizeiten gelernt hatte und die er bis heute nicht vergessen hatte. Nur wer emotionslos einen Krieg führt, ohne Rücksicht, nur der kann gewinnen. Zögernd nahm Draco das angebotene Glas. Der Krieg war längst vorbei. Er sah in die grünen Augen seines Gegenübers und er erkannte, dass alles nur ein Traum gewesen war. Harry Potter war genau das, was er von ihm wusste: Verheiratet und Vater von drei tollen Kindern. Es war egoistisch gewesen zu glauben, dass der Gryffindor all dies einfach aufgeben würde. Aber wenn Draco jetzt keinen Blödsinn machte, dann konnten sie vielleicht noch Freunde werden. So wie ihre Söhne und ihre Ehefrauen.
Langsam hob er sein Glas ohne den ehemaligen Klassenkameraden aus den Augen zu lassen. Und für einen kurzen Moment glaubte er sich mit ihm alleine, meinte sogar, das leise Klirren der Gläser zu hören.

"Frohes, neues Jahr", hörte Draco die leisen Worte, unfähig zu antworten. Noch immer hielten die Augen seines Gegenübers ihn gefangen. Er hob das Glas an den Mund und spürte das sanfte Prickeln des Sektes. Noch während er trank erkannte er, dass er nie in der Lage sein würde, in Harry Potter nur einen Freund zu sehen. Denn dieser Mann war schon immer der einzige gewesen, der Dracos Gefühle wecken konnte. Es hatte begonnen, als sie sich das erste Mal begegnet waren und hatte bis heute nicht geendet. Und es tat weh.

"Warum bist du so plötzlich verschwunden?", riss Harry ihn aus seinen düsteren Gedanken. Da war sie wieder, die warme Stimme, die ihm das Gefühl gab, der Mittelpunkt von Harrys Leben zu sein. Draco wusste jedoch, das er genau dies nie sein würde.

"Hatte noch den Schlüssel", erwiderte er ruppiger als beabsichtigt. Er wollte Distanz schaffen, aber Harry nicht verschrecken. Nur scheinbar war er dazu einfach nicht in der Lage. "Ich habe Mike doch versprochen, hier abzuschließen." Er versuchte, etwas freundlicher zu klingen.

"Dumme Ausrede", stellte Harry fest und Draco kam sich vor wie ein kleiner Junge, den man mit dem Finger in dem Honigtopf erwischt hatte. Aber er würde Harry bestimmt nicht erzählen, warum er wirklich geflüchtet war.

"Warum bist du her gekommen?" Draco versuchte, Harry abzulenken. Immerhin gab es bestimmt etliche andere Orte, an denen der Mann jetzt vermutlich lieber wäre als hier und Draco brauchte sein Mitleid ganz bestimmt nicht. Schließlich war er nicht alleine. Er hatte jede Menge Menschen um sich herum.

"Hab' ich doch gesagt, ich wollte mit dir auf das neue Jahr anstoßen." Harry verzog das Gesicht. "Und da du ja plötzlich verschwunden warst, musste ich dich erst mal suchen." Er stellte sein Glas auf den Tresen und Draco ahnte, dass der Gryffindor nicht vor hatte, so schnell wieder zu gehen. "Allerdings war es nicht wirklich schwer dich zu finden."

"Haben wir ja jetzt getan. Nun solltest du wieder dahin zurück, wo du hingehörst." Draco biss sich auf die Lippe. Er bereute die Worte, in dem Moment, in dem er sie ausgesprochen hatte. Und er bereute seinen scharfen Ton. Es war fast, als ständen sie wieder in der Großen Halle ihrer Schule.

"Und das wäre nach deiner Vorstellung in etwa wo?", wollte Harry wissen und Draco erkannte, dass sie die Große Halle lange hinter sich gelassen hatten. Damals hätten sie noch alles in die richtigen Bahnen leiten können, heute war es zu spät. Und es machte keinen Sinn, Vergangenem nachzutrauern.

"Bei deiner Frau natürlich", erwiderte er patzig. Draco wusste, dass er verloren hatte und verlieren war etwas, dass er schon immer gehasst hatte. Vor allem, wenn es um Harry Potter ging.

"Die wohl nicht mehr lange meine Frau sein wird", stellte Harry sachlich fest. "Als ich ging, war deine Frau übrigens gerade dabei, ihr zu erklären, was als nächstes zu tun ist." Als Harry den erstaunten Blick seines Gegenübers bemerkte, erkannte er, dass er zu weit gegangen war. Ganz offensichtlich schien der Slytherin noch nichts von den Zukunftsplänen seiner Frau zu wissen, in denen er wohl nur noch als Vater ihres gemeinsamen Kindes eine Rolle spielen sollte.

"Meine Frau hat mich vorhin um die Scheidung gebeten", versuchte er zu erklären. "Und Pansy scheint da wohl ein paar Leute zu kennen, die uns dabei helfen können, das Ganze so einfach wie möglich zu machen." Pansy war, wie Draco eine reinblütige Hexe, aus einer alten Familie. Die Chancen, dass sie wirklich entsprechende Leute kannte, standen also gar nicht so schlecht und vielleicht würde Draco die Ausrede glauben.

Doch Harry hätte sich die Worte auch sparen können, denn Draco hatte sie kaum noch vernommen und schon gar nicht darüber nachgedacht. Immer wieder sah er das Bild vor sich. Harry, wie er seiner Frau etwas zuflüsterte, Harry, wie er seine Frau küsste. Das hatte nicht nach einem Ehepaar ausgesehen, dass sich entschlossen hatte, getrennte Wege zu gehen.

"Aber ich dachte ...", setzte er an. Er war verwirrt. "Um Mitternacht ..." Herz und Verstand führten einen erbitterten Krieg. "Du und Ginny..." Draco bekam keinen vollständigen Satz heraus. "Ich dachte ..." Er gab auf.

"Ich glaube, das war schon immer unser Problem." Harry stellte sein Glas auf den Tresen. Vorsichtig streckte er seinen Arm aus und berührte Dracos Hand. "Wir haben immer zu viel über das nachgedacht, was der andere gemeint oder gedacht haben könnte, statt einfach miteinander zu reden." Zögernd umschlossen seine Finger die blasse, schlanke Hand des Slytherin. "Nur gut, dass unsere Kinder da etwas schlauer sind als wir." Harry war sich nicht sicher, ob er das richtige tat. Er hatte lange mit sich gekämpft, dort auf den Stufen vor Rons Haus. Und am Ende war es, wie so oft in seinem Leben, Hermione gewesen, die ihm Mut gemacht hatte. "Hör' einfach auf dein Herz, Harry", hatte sie in ihrer ruhigen Stimme gesagt.

Draco spürte die warmen Fingern, die seine umschlossen und glaubte zu träumen. Der Mann auf der Tanzfläche war längst wieder vergessen als er vorsichtig mit seinem Daumen über die Finger des anderen strich, ängstlich wie ein Teenager, der noch glaubte, mit einer einzigen, falschen Bewegung alles zu stören. Langsam drehte er seinen Kopf, immer noch nicht sicher, dass all dies hier gerade wirklich passierte. Da waren sie wieder, die grünen Augen, die es immer wieder geschafft hatten, seine Gefühle binnen Sekunden in ein totales Chaos zu stürzen. Und sie konnten es noch immer. Vor allem, wenn ihr Besitzer ihm so nah war.

Der lange Blick aus den vertrauten und doch fremden, grauen Augen ließ Harry einen Schauer über den Rücken laufen. Wie oft hatte er Hass in diesen Augen zu sehen geglaubt, und Verachtung. Doch all dies war verschwunden. Er hob seine zweite Hand, langsam, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, bereit, bei dem leisesten Anzeichen von Ablehnung einen Rückzieher zu machen. Als seine Finger die weiche Haut Dracos berührten, als er den hohen Wangenknochen unter seinem Daumen spürte, gab es jedoch kein Zurück mehr. Zögernd erkundeten seine Finger das vertraute Gesicht, spürten die seidigen Haare ebenso, wie das Zittern des Slytherin. Fast schon flehend, unsicher ob er den nächsten Schritt tun sollte, sah er Draco an.

"Willst du mich nicht endlich küssen?", fragte Harry, wissend, dass seine Stimme seine Unsicherheit verriet. Draco neigte den Kopf. Ihr Nasen berührten sich.

"Ich habe es dir doch gesagt", flüsterte er heiser. Er bewegte seinen Kopf und seine Lippen berührten wie zufällig Harrys Wange bis sie an seinem Ohr angelangt waren. "Ich werde dich nicht wieder küssen", raunte er. Dracos Atem an seinem Ohr ließ Harry erschaudern und die Worte drohten ihm die Luft abzuschnüren. Sollte er doch zu weit gegangen sein? "Es sei denn, du bittest mich darum", wiederholte Draco schließlich die Worte, die Harry fast vergessen hatte. Harry lehnte sich ein kleines Stück zurück. Gerade weit genug, um Draco anzusehen.

"Bitte", sagte er leise, als ein Arm sich um seine Taille legte. Harry folgte dem sanften Druck der Hand auf seinem Rücken und als ihre Körper sich berührten, glaubte er, den Boden unter den Füßen zu verlieren, als sei der Arm, der ihn fest umschlungen hielt, sein einziger Halt.

"Na bitte, geht doch", hörte Harry den Slytherin sagen, bevor sich ihre Lippen zum zweiten Mal in dieser Nacht und zum ersten Mal in diesem Jahr berührten.

Und während die Menschen in England noch bis in die frühen Morgenstunden den Beginn eines neuen Jahrzehntes feierten, begann für Harry Potter ein neues Leben, in dem er es vielleicht endlich schaffen würde, die Schatten seiner Vergangenheit hinter sich zu lassen. Zumindest so lange, bis sie ihn eines Tages wieder einholen würden. Doch bis dahin würde noch einige Zeit vergehen.


Review ansehen/ posten  

 
  © PHP & Content by Daeny, Luthien, Serena | Design by Martin, dro design