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| Jo Max - Kriegerin des Lichts |
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Kapitel oder Geschichte
Review ansehen/ posten Titel: Jo Max - Kriegerin des Lichts Autor: Serenity Kapitel: 1 Rating: PG Sonstiges: Unter http://www.pengelchen.de.vu gibt es mehr Informationen zu den Charakteren, Bios ect. Sprache: Deutsch Datum: 16.02.2009 Wörter: 10918 Fandom: Originale - Allgemein Genre: Mystery Zusammenfassung: Josephine Max, kurz Jo Max, ist eine normale junge Frau, bis zu dem Tag, als sie nach Irland reist.
Dort offenbaren ihr ein Elf und ein Erzengel ihre Bestimmung.
Jo Max ist die Kriegerin des Lichts, die gegen das Böse antritt um die Menschheit gegen das Dunkel verteidigt. Disclaimer: Diese Geschichte(n) sind meine Eigenkreation. In ihnen liegen bereits mehrere Jahre Arbeit. Also bitte nicht klauen ect. da werd ich böse.
Prolog:
Glaubt ihr an das Böse, die Dunkelheit? Glaubt ihr an das Gute, das Licht? Glaubt ihr an Hexen, Werwölfe und Dämonen; an Wesen der Nacht? Glaubt ihr Geister, Hexen, Elfen und Engel; an Wesen des Lichts? Nein? Dann lasst euch von mir sagen, es gib sie wirklich! Wesen aus euren schlimmsten Alpträumen und größten Ängsten. Ich habe sie gesehen und mit ihnen gekämpft. Mal habe ich gewonnen und mal verloren, doch ich gebe nicht auf! Hier will ich euch meine Geschichte und meine Abenteuer erzählen. Meine und die meiner Freunde, die mich auf meinem Weg begleiten.
Mein Name ist Jo Max und wenn ihr glaubt, hier erzählt ein möchte gern Held seine Geschichte, muss ich euch enttäuschen. Jo ist die Abkürzung von Josephin. Ganz recht! Eine Frau, keine Heldin, diesen Ausdruck mag ich nicht besonders. Ich bin wie jeder andere Mensch auch. Ich könnte in der U-Bahn neben dir stehen oder in im Supermarkt hinter dir, ohne das du wüsstest wer oder was ich bin!
Jede freie Minute verbrachte ich in Bibliotheken oder im Internet, auf der Suche nach allem was sich mit Mythologie, dem Okkultem und ähnlichen Dingen beschäftigte. Sachen, an die die meisten Menschen nicht glauben. Für mich stand immer fest, dass es einen Grund gab, weshalb ich existierte! Doch auf das, was auf mich zukam, war ich nicht gefasst. Seit jenen Tagen ist Jack mein ständiger Begleiter und es sollten sich noch mehr dazu gesellen.
******
Schon lange hatte ich mich auf meinen Irlandurlaub gefreut. Irland hatte etwas magisches, für mich. Die Heimat von Elfen und Kobolden! Nicht umsonst nennt man Irland >die grüne Insel<. Nirgends gab es grünere Wiesen als hier.
Ich freute mich darauf aus meinem alltäglichen Trott heraus zu kommen. Hier konnte ich entspannen, da interessierte es mich auch nicht, dass es regnete, wenn ich meine Wanderungen unternahm. Es kam mir nur merkwürdig vor, dass die Leute in dem kleinen Ort, in dem ich war, immer anfingen zu tuscheln, wenn sie mich sahen. Bis ich eines Abends ein Medaillon auf meinem Bett fand. Es schien schon sehr alt zu sein und als ich es öffnete fiel es mir vor Schreck aus der Hand. In dem Medaillon war das Bild einer Frau. Langes rotes Haar, welches wie ein Sonnenuntergang zu glühen schien. Blaue Augen, so tief und klar wie ein Bergsee, die mich traurig ansahen. Ich sah mich selbst in diesem Medaillon, aber das konnte unmöglich ich sein!
Als es zu Boden gefallen war, hatte sich ein geheimes Fach geöffnet. Darin eingebettet sah ich ein kleines Stück Papier. Ich faltete es auseinander und erkannte eine Karte, die diesen Teil des Landes zeigte, in dem ich mich gerade befand.
Ich nahm das Medaillon wieder an mich und hängte es mir um den Hals. Obwohl es bald Dunkel sein würde, nahm ich die Karte und machte mich auf den Weg. Die Karte war vermutlich so alt wie das Medaillon, dennoch konnte man noch genau erkennen, wo man hin musste. Kurz nach der Dämmerung fand ich mein Ziel. Eine Höhle! Natürlich hatte ich mir eine Taschenlampe eingesteckt und das erwies sich bei einer Höhle als äußerst vorteilhaft.
Während des ganzen Weges hatte ich das Gefühl, das mich jemand beobachtete, doch so oft ich mich auch umsah, ich entdeckte niemanden.
Der Eingang war gerade so groß, dass eine Person durchpasste. Vermutlich hätte ich sie gar nicht gesehen, wenn die Karte nicht gewesen wäre. Oft denke ich darüber nach, ob mein Leben wohl anders verlaufen wäre, hätte ich diese Karte nicht gefunden. Doch es ist eine Tatsache, dass das alles vorbestimmt war.
Die Höhle entpuppte sich als sehr weitläufig, was man von außen gar nicht vermutete. Trotz meiner Taschenlampe, konnte ich nur wenige Meter in die Dunkelheit sehen und eigentlich wollte alles in mir so schnell wie möglich wieder hier raus, doch etwas veranlasste mich, weiter zu gehen. Fast war es so als würde mich eine unsichtbare Macht leiten, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Nachdem ich etwa zehn Minuten gegangen war, hörte ich etwas, das sich wie Wasserrauschen gepaart mit hell klingenden Glocken anhörte. Doch hier in der Tiefe gab es weder Wasser noch Glocken. Einen Moment lang blieb ich stehen, doch es war wieder verschwunden, so ging ich weiter in die Finsternis. Obwohl alles um mich herum dunkel und fremd war, hatte ich doch keine Angst. Ich spürte dass mir hier nichts passieren würde. Diese Höhle war einer der sichersten Orte, die es im Moment für mich gab.
Wieder hörte ich den fremden Klang, dieses Mal blieb ich aber nicht stehen, sonder lauschte im Weitergehen. Je mehr ich lauschte, desto überzeugter war ich, das sich dort jemand unterhielt. Sobald diese Überzeugung zur Gewissheit bei mir wurde, verstand ich tatsächlich Gesprächsfetzen.
"Das ist sie!
"Hier sind schon so viele hergekommen, Jack. Doch keiner hat es gefunden!"
Erschrocken blieb ich stehen.
"Hallo? Ist hier jemand?"
Wieder verstummten die Stimmen. Ich wollte noch einmal rufen, als ich ein Licht vor mir sah. Wie gebannt ging ich darauf zu. Ich konnte kaum glauben, was ich da fand. Hätte das Licht nicht darauf geschienen, ich hätte es glatt übersehen. Da lag ein Kreuz! Es war etwa 10 cm groß und silbern. In dem Licht schien es in allen Farben zu schimmern. So wie es dort lag schien es makellos glatt zu sein und ich konnte nicht anders als meine Hand aus zu strecken um es zu berühren. Es war warm. Diese Wärme zog durch meine Fingerspitzen und verteilte sich über meinen gesamten Körper. Ich spürte gar nicht, dass ich das Kreuz an mich nahm, denn ich war von dem Gefühl, welches von dem Kreuz ausging so überwältigt, das ich anfing zu weinen. Wärme und unendliche Liebe durchströmten meinen Körper, dass ich Angst hatte es nicht aushalten zu können.
"Jack, was hat du vor? Du kannst dich ihr nicht zeigen!"
"Ich muss, Maverick. Sieh sie dir doch mal an. Die Kraft von Dòchas* hat sie komplett überwältigt."
"Was aber nicht heißt, dass sie es auch aktivieren kann. Wenn du schon so unüberlegt handeln musst, dann zeig dich ihr wenigstens nicht. Ich bitte Dich!"
Von dieser Unterhaltung bekam ich allerdings nichts mit, denn noch immer war ich von den Gefühlen total überwältigt. Ich fasste mich jedoch schnell wieder, nahm das Kreuz und verließ die Höhle. Es hatte in der Zwischenzeit angefangen zu regnen und als ich im Hotel ankam, war ich vollkommen durchnässt. Ich hatte es in meine Hosentasche gesteckt, es strahlte einen konstanten Strom Wärme aus und bevor ich mich meiner Kleider entledigte, suchte ich in meinem Schmuckkästchen eine passende Kette, um es mir um den Hals zu hängen. Danach nahm ich eine lange heiße Dusche.
In der Höhle hatte ich mir das Kreuz nicht genau angesehen, dies holte ich nun nach. Obwohl es massiv wirkte, lag es leicht wie eine Feder in meiner Hand. Noch immer schien es in allen möglichen Farben zu schimmern, was aber nur eine optische Täuschung sein konnte. Doch je länger ich es betrachtete, desto mehr war ich der Meinung, dass es keine Täuschung war. Im Schatten wurden die Farben undeutlicher, im Licht jedoch blendeten sie mich fast. Wie würde es wohl in der Sonne regieren? Die Runen auf der Rückseite hatte ich in der Höhle nicht bemerkt. Sie verliefen sowohl über den senkrecht wie auch über dem wagerechten Balken, lesen konnte ich sie jedoch nicht. Und immer noch strahlte es eine leichte und stetige Wärme aus. Was hatte es dort zu suchen gehabt? Warum hatte ausgerechnet ich es gefunden und wer war die Frau in dem Medaillon, die aussah wie mein Ebenbild?
Mein Magen meldete sich und ich entschloss mich, hinunter in den Gastraum zu gehen, in der Hoffnung noch etwas zu Essen zu bekommen.
Es war dort noch relativ voll, da der Gastraum auch als Pub genutzt wurde, der einzige in diesem kleinen Ort. Ich verzog mich an einen der hinteren Tische um den Einheimischen aus dem Weg zu gehen, die bei meinem Eintreffen gleich wieder anfingen zu tuscheln.
"Was kann ich für sie tun?"
Anscheinend war der Wirt der einzige, dem meine Anwesenheit kalt ließ. Dennoch sah er mich scharf an, als sein Blick auf das Kreuz fiel.
"Das sollten sie nicht offen zeigen, Miss!"
"Wieso nicht?"
"Sagen sie mir, was ich ihnen bringen kann und vielleicht entscheide ich mich dazu ihnen die Frage zu beantworten."
Ich bestellte ein Sandwitch und ein Glas Tee und tatsächlich setzte der Wirt sich neben mich.
"Gut, sie haben es weggesteckt. Dieses Kreuz kann in den Falschen Händen schreckliches bewirken."
"Sie wissen was es ist?"
"Nicht wirklich. Aber hier gibt es jede Menge Legenden über das Kreuz, doch niemand hat es bisher zu Gesicht bekommen. Man behauptet, das es aus der Hoffnung und der Liebe der Engel geschmiedet wurde, für den Kampf gegen das Böse und das es magische Fähigkeiten besitzt."
Ungläubig sah ich den Wirt an. Von Engeln geschmiedet! Ich glaubte nicht einmal an Gott! Da der Wirt darüber einiges wusste, hatte ich noch eine Frage.
"Ich habe es in einer Höhle gefunden. Dort habe ich komische Geräusche gehört."
Der Mann lächelte wissend und nickte.
"Hörte es sich an wie Wasserrausche gepaart mit hell klingenden Glocken?"
"Ja! Woher wissen sie das?"
"Wir sind hier in Irland, Miss!"
Verständnislos schüttelte ich mit dem Kopf.
"Elfen!"
*****
Beinahe hätte ich meinen Tee quer über den Tisch gespuckt, konnte mich aber gerade noch beherrschen.
"Sie machen Witze!"
OK, ich hatte bisher noch nie jemanden gesehen, der so ernst schauen konnte, während er Witze riss. Aber das konnte nur einer sein!
"Kein Witz? Engel und Elfen! Was kommt als nächstes?"
"Sie haben das Kreuz, sagen sie es mir!"
Damit stand der Wirt auf. Völlig perplex ging ich zurück auf mein Zimmer. Es hatte aufgehört zu regnen und so nahm ich mir einen dicken Pulli und setzte mich auf den Balkon. Es war unfassbar. Etwas Unbegreifliches geschah hier. Langsam kam ich zu der Ansicht, dass alles was hier geschah, selbst meine Reise nach Irland, kein Zufall war. Jemand oder etwas bewirkte dies alles. Doch wer und was? Warum gerade ich?
Die Luft veränderte sich plötzlich. Nur kurz, aber ich fühlte es deutlich. Ein kalter Schauer rieselte über meinen Rücken und Angst durchfuhr mich. Zur gleichen Zeit hörte ich wieder diese seltsame Sprache. Es klang verärgert. Ich schloss die Augen und konzentrierte mich auf den Sprecher. Das Kreuz schien einen kurzen Moment wärmer zu werden, es schien aber nicht mit meinem Besuch zusammen zu hängen. Schon nach wenigen Sekunden wusste ich dass ich nicht mehr allein war und ich wusste wo er sich befand.
Jack erschrak, als Jo in seine Richtung schaute. Sie konnte ihn unmöglich sehen, doch sie sprach ihn an.
"Jack? Du heißt doch Jack, oder?"
Genau an der Stelle, auf die ich schaute, erschien ein Mann. Er war knapp 1,90 m groß, schlank und muskulös. Sein nachtschwarzes Haar war zu einem Zopf geflochten und schimmerte im Mondlicht. Seine Gesichtszüge waren fein und schön. Hohe Wangenknochen und ein weich geschnittener Mund, der ein freundliches, etwas schüchternes Lächeln zeigte. Seine Augen waren so grün wie die Wiesen Irlands und das freundliche Lächeln spiegelte sich in diesen Augen wieder. Er war komplett in grün gekleidet und je nachdem wie das Licht fiel, schien das Grün die Schattierungen zu ändern. Neugierig sah er mich an.
"Hallo. Bist du mir aus der Höhle gefolgt?"
Jack nickte. Er stand da, wie aus Stein gemeißelt, mit den Händen auf dem Rücken.
Ich hätte erwartet, dass ich total aufgeregt sein würde, doch das Gegenteil war der Fall. Ich war vollkommen ruhig. Seine Anwesenheit war vollkommen natürlich, so als würde dort ein langjähriger Freund stehen.
"Wieso bist du mir gefolgt?"
"Du hast "Dòchas" bei dir!"
Zuerst verstand ich nicht, was er meinte, bis er auf das Kreuz unter meinem Pulli zeigte.
"Das Kreuz hat einen Namen?"
"Nicht das Kreuz. Das ist nur seine äußere Erscheinung. Wird es aktiviert, ist es eine mächtige Waffe gegen das Böse. Du bist dazu auserkoren, es zu führen."
"Warum ich?"
"Das kann ich dir jetzt noch nicht sagen. Eigentlich solltest du gar nicht allein hier sein! Das ist der Grund weshalb ich dir gefolgt bin und weshalb ich mich dir gezeigt habe. Du brauchst jemand, der dir hilft, da du noch unerfahren bist."
"Das heißt, weil ich das Kreuz besitze, muss ich nun gegen das Böse auf dieser Welt kämpfen?"
"Das ist deine Bestimmung!"
Er stand da, bewegte sich keinen Millimeter und sah vollkommen emotionslos aus.
"Nein! Oh Nein! Mein Leben ist zwar nicht sonderlich aufregend aber das geht zu weit!"
Trotzig stand ich auf, nahm das Kreuz ab und legte es auf den Stuhl, auf dem ich eben noch gesessen hatte.
Aufgebracht verließ ich das Zimmer. In der Auffahrt ging ich energisch und wütend auf und ab. Gegen das Böse kämpfen! Was dachte dieser Elf sich eigentlich?
"Ich werde an deiner Seite bleiben! Das verspreche ich dir."
Erschrocken drehte ich mich um. Da stand er und streckte mir die Hand entgegen, in der er das Kreuz hielt.
"Behalt es."
"Das kann ich nicht. Es gehört mir nicht!"
"Mir auch nicht!"
Wütend versuchte ich von ihm weg zu kommen. Jack jedoch, war schneller. Von einer Sekunde auf die nächste stand er vor mir. Seine gelassene Art machte mich noch wütender, doch seine Augen flehten mich an.
"Wenn du dich deinem Schicksal nicht stellst, verliert die Menschheit diesen Kampf. Spürst du es denn nicht?"
"Nein! Was denn?"
Wieder hielt er mir das Kreuz entgegen. Nach Minuten langem Zögern ergriff ich es. Sofort war das Gefühl, welches ich bereits auf dem Balkon gehabt hatte, wieder da.
"Was passiert hier?"
"Wie ich schon sagte: das Böse ist hier."
Angst umklammerte mein Herz, dann hörte ich die Schreie. Ohne nachzudenken lief ich los, zurück in den Gastraum. Dort bot sich mir eine schreckliche Szene. Die meisten Gäste waren bereits gegangen, nur der Wirt und zwei der Dorfbewohner waren noch dort. Diese drei lagen nun tot auf dem Boden, in ihrem eigenen Blut. Jemand hatte die Männer brutal abgeschlachtet.
"Wer...wer tut so etwas?"
Ich ließ mich vor dem Wirt auf den Boden fallen, es war mir egal, dass ich in seinem Blut kniete. Erst jetzt bemerkte ich, dass der Wirt noch lebte. Ein gequältes Lächeln glitt über sein Gesicht.
"Es tut mir leid!"
Tränen liefen über mein Gesicht und vermischten sich mit dem Blut auf dem Boden.
"Das muss es...nicht! Versprechen sie mir...das sie...ihn...schnappen."
Ich konnte nur nicken.
"Ist er...?"
Der Wirt konnte nicht weiter reden, aber ich wusste auch so, das er Jack meinte, der hinter mir stand.
"Ja, er ist ein Elf."
Bevor das Leben aus seinen Augen wich, leuchteten sie noch einmal freudig.
"Das halt ich einfach nicht aus. Ich will das nicht!"
Weinend lief ich an Jack vorbei, hinaus in die Nacht. Wohin ich lief, konnte ich nicht sagen, ich achtete nicht auf meinen Weg. Mein einziger Gedanke war, dass ich von diesem schrecklichen Ort fort wollte, fort von dem Tod, der dort auf mich wartete. Wie lange ich gelaufen bin, konnte ich nicht sagen. Als ich anhielt und aufschaute, fand ich mich an einem See wieder. Weinend sank ich in den nassen Sand, ich konnte einfach nicht aufhören zu weinen. So etwas Schreckliches sah man doch sonst nur im Fernsehn. Dies hier war aber die Realität, dort waren Menschen gestorben, echte Menschen, Menschen die ich gekannt hatte. Wieder spürte ich die Wärme des Kreuzes, dieses Mal jedoch intensiver. Ich nahm es in die Hand, die Runen auf dem Kreuz schienen zu glühen, panisch drehte ich mich im Kreis, ich spürte die Anwesenheit, doch von wem oder was? Dann plötzlich sah ich ihn.
Keine 10 Meter von mir entfernt, stand ein Mann mit einem Breitschwert. Sein teuflisches Grinsen verschwand von seinem Gesicht als ich mich ihm voll zu gewand hatte. Es schien als würde er vor Überraschung das Schwert sinken lassen und auf seinem Gesicht konnte ich Verwirrung sehen. Er fasste sich jedoch schnell wieder.
"Du bist also wieder zurück!"
Ich schüttelte nur den Kopf, weil ich nicht verstand, was er damit sagen wollte.
"Ich weiß nicht worauf du hinaus willst. Wer bist du eigentlich?"
Das Grinsen wurde breiter.
"Der Mann, der dir schlaflose Nächte bereiten wird!"
Obwohl ich immer noch durcheinander war, bekam ich bei seiner Unverfrorenheit einen Teil meines Selbstbewusstseins wieder.
"Mach keine Versprechungen, die du nicht halten kannst!"
"Dir werden deine Frechheiten schon noch vergehen. Es wird mir Spaß machen, dich noch einmal zu töten, Selena."
Plötzlich wusste ich, wen ich da vor mir hatte, wenn ich auch seinen Namen nicht kannte und wie von selbst griff ich zu dem Kreuz um meinem Hals. Mittlerweile strömte es eine immense Hitze aus, jedoch ohne mich zu verbrennen oder Schmerz zu zufügen. Mit seiner Berührung, ging eine Ruhe einher, durch die es mir möglich war, wieder klar zu denken. Er hatte es bisher noch nicht bemerkt, da ich es wieder unter meinen Pulli gesteckt hatte, nun zog ich es langsam hervor und ließ es, sichtbar für ihn, vor meiner Brust hängen. Einen Moment lang blieb er regungslos stehen und starrte auf das Kreuz.
"Ich hätte nicht gedacht es noch mal zu Gesicht zu bekommen, beim letzten Mal habe ich es nicht bekommen, doch dieses Mal nehme ich es mir. Oh, mein Meister wird begeistert sein."
"Du wirst es nicht kriegen, das lasse ich nicht zu!"
Jack war mir hinterher gekommen und stellte sich nun schützend vor mich.
"Na, das wird ja immer besser. Erst finde ich die Kriegerin des Lichts und dann erscheint auch noch ein Elf auf der Bildfläche. Heute scheint mein Glückstag zu sein. Ich werde euch beide töten."
Plötzlich hatte Jack ein Schwert in der Hand. Er drehte sich zu mir um und sagte:
"Du kannst ihn besiegen."
"Nein, ich weiß doch gar nicht wie!"
"Das Kreuz!"
"Oh wie traurig. Sie ist starr vor Angst und weiß nicht einmal mehr wozu dieses nutzlose Ding um ihren Hals gut ist."
Tatsächlich hatte der Fremde Recht. Ich wusste nicht was ich tun sollte und um ehrlich zu sein, wollte ich es auch nicht wissen. Jack erkannte dies und stellte sich stattdessen diesem Mann, doch der hatte sein Interesse vorerst verloren.
"Ihr habt Glück, mein Meister ruft mich zu sich. Ihr werdet warten müssen!"
Und so schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder.
Immer noch stand ich völlig regungslos hinter Jack und blickte auf den Fleck wo der Fremde grad noch gestanden hatte. Ich zitterte am ganzen Körper und hatte wieder angefangen zu weinen.
"Das ist alles nur ein Alptraum, das kann unmöglich die Wirklichkeit sein!"
"Je schneller du akzeptierst, dass das die Realität ist, desto schneller gewöhnst du dich daran!"
*****
Neben Jack war ein weiterer Mann aufgetaucht. Von Größe und Statur war er dem Elf gleich, doch seine Gesichtszüge waren härter geschnitten. Die kastanienbraunen Haare fielen offen und wellig über seine Schulter. Seine Augen waren azurblau mit einem goldenen Kranz am Rand der Iris. Trotz der Härte seiner Gesichtszüge strahlten seine Augen Wärme, Milde und Freundlichkeit aus. Im Gegensatz zu Jack trug er sein Schwert offen sichtbar an seiner Hüfte. Er trug eine Lederhose und ein weißes Hemd, das im Moment ziemlich schmutzig und zerrissen aussah.
"Hallo Ian! Wir haben uns lange nicht gesehen!"
"Nun, es ist auch schon lange her, das jemand im Besitz von "Dòchas" war."
Etwas in seinem Blick verwirrte und verunsicherte mich. Für einen kurzen Moment sah ich freudiges Erkennen und ein leichtes Lächeln spielte um seinen Mund, doch ich wusste genau, dass ich diesen Mann nicht kannte.
"Sind sie...sind sie auch ein Elf?"
Ian und Jack lachten.
"Nein, er ist kein Elf. Ian ist ein Erzengel!"
Ob es nun an dieser Information oder am Stress lag, den ich innerhalb der letzten 24 Stunden hatte, konnte wohl keiner sagen, doch noch bevor einer von ihnen bei mir war, sank ich bewusstlos in den Sand.
"Das war zu viel auf einmal. Bist du nicht normalerweise dafür zuständig die Krieger des Lichts auf ihre Aufgabe vorzubereiten?"
Jack sah Ian fragend an, der Jo vom Boden aufhob und Richtung Wald trug.
"Wir müssen sie erst einmal hier wegbringen. Ein paar Meilen im Wald gibt es eine Hütte."
"Ich weiß, ich kenne den Ort, aber ich dachte wir würden zum Hotel zurückgehen."
"Willst du sie noch einmal diesem Blutbad dort aussetzten?"
"Nein, aber man wird sie vermissen und vielleicht hält man sie für die Täterin."
Ian blieb stehen und sah Jack in die Augen
"Du scheinst die letzten hundert Jahre vergessen zu haben, wie wir arbeiten. Keiner dort wird sich an sie erinnern!"
Der Elf akzeptierte das so und ging hinter dem Engel her. In der Hütte angekommen, legte Ian Jo erst einmal auf das einzige Bett, das es dort gab.
"Erzählst du mir nun, was dich aufgehalten hat?"
"Nein!"
Angesichts dieser äußerst kurzen Antwort, funkelte Jack Ian böse an.
"Sie hätte fast ihr Leben gelassen, nur weil du, der das Schwert beschützt, nicht aufgepasst hast!"
"Ich habe aufgepasst, so weit es mir möglich war. Es tut mir Leid, das es so gekommen ist, aber es gab Gründe dafür."
"Welche du mir nicht erzählen willst?"
Jack war normalerweise nicht so leicht aus der Fassung zu bringen, doch Ians mangelnde Informationsbereitschaft machte ihn wütend.
"Ihr Engel geht an eurem Stolz noch mal zu Grunde."
"Ich werde es dir erzählen, mein Freund, aber erst wenn Jo wieder wach ist. Ich möchte es nicht zwei Mal erzählen, dafür fehlt uns die Zeit!"
Das besänftigte Jack ein wenig. Er machte sich daran die Hütte zu verlassen.
"Du gehst?"
"Ich werde ein paar Kräuter besorgen, um einen Tee daraus zu machen. Sie wird ihn brauchen können."
Ian wusste um Jacks Wissen was Kräuter anbelangte. Egal was er da zusammenbrauen würde, würde Jo sowohl physisch wie auch psychisch wieder auf die Beine helfen. Zehn Minuten später kam Jo wieder zu sich.
"Hallo Josephin! Du erinnerst dich an mich?"
Der fremde Mann lächelte sanft. Dennoch schien er sich nicht sicher ob ich mich an ihn erinnerte. Ich schloss meine Augen wieder und spürte, wie er sich neben mich aufs Bett setzte.
"Es tut mir Leid, wie deine Initiation gelaufen ist. Normalerweise passiert so etwas nicht."
Keine Reaktion. War sie wieder eingeschlafen? Ian fühlte sich schuldig, wegen dem was passiert war.
"Josephin?"
Jack kam zur Tür herein.
"Ian?"
"Ich weiß auch nicht!"
"Ich werde erst einmal den Tee kochen. Vielleicht kannst du dich draußen mal umsehen?"
Ian verstand die Botschaft hinter der Frage und verließ die Hütte. Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich wie Jack ein Feuer im Kamin machte und einen Kessel mit Wasser drüber hing. Er drehte sich um, als er hörte dass ich mich aufsetzte.
"Du bist wach, das habe ich mir gedacht! Sei nicht böse auf Ian. Er ist manchmal etwas...direkt. Bestimmt wollte er dir nicht wehtun. Es gibt bestimmte Gründe, weshalb er erst jetzt kommt."
"Ihr kennt euch?"
Ich erkannte meine eigene Stimme nicht wieder, sie hörte sich belegt und kraftlos an.
Jack bemerkte das Jo's Augen ihren wachen und neugierigen Blick verloren hatten und er beeilte sich mit der Zureitung des Tees, während er ihr antwortete.
"Ja, schon ziemlich lange."
Er stand auf und hielt mir einen Becher entgegen.
"Das ist ein spezieller Kräutertee. Er wird deine Lebensgeister wieder erwecken. Trink nur."
Skeptisch sah ich den Elf an. Dieser nickte aufmunternd. Nachdem ich erstmal dran gerochen hatte, beschloss ich vorsichtig zu probieren. Der Geschmack war weitaus besser als der Geruch und mein zweiter Schluck fiel daher größer aus. Eine angenehme Wärme breitete sich in meinem Körper aus und ich spürte die Wohltat, die von dem Getränk ausging. Fünf Minuten später fühlte ich mich schon wieder wie die alte Jo.
"Ich denke, ich bin nun bereit mir anzuhören, was dein Freund zu sagen hat."
"Gut."
Jack holte Ian wieder rein, der dreinschaute wie ein Welpe der etwas angestellt hatte.
"Josephin..."
Sofort hob ich die Hand um ihn zu unterbrechen.
"Wenn das hier ein akzeptables Gespräch werden soll, nennst du mich nicht noch einmal Josephin."
Ian stieß Jack den Ellenbogen in die Seite, da er das Grinsen des Elfs kaum übersehen konnte.
"OK! Was möchtest du wissen?"
"Wie wäre es mit: alles."
Ian atmete tief durch, bevor er mir antwortete.
"Also, am Anfang war das Wort."
"Noch so ein Witz und du bekommst das Kreuz sofort zurück!"
Jack konnte sein Grinsen immer noch nicht unter Kontrolle bringen. Es war selten dass der sonst so ernste Elf, so ausgelassen war. Sicher, die Lage war ernst und die beiden verhielten sich wie ein altes Ehepaar, er konnte seine Amüsiertheit nicht unterdrücken.
"Wenn du weiter so grinst, Jack, zwinge ich dich von meinen Kochkünsten zu probieren. Der letzte der das getan hat, liegt noch immer im Krankenhaus!"
Beschwichtigend hob Jack die Hände und drehte sich um, um seine Fassung wieder zu gewinnen.
"So, zweiter Versuch. Engel!"
"Gut. Dafür muss ich aber etwas ausholen."
"Gern, solange du nicht bis zur Entstehungsgeschichte ausholst."
Jetzt musste auch Ian Lachen. Es war ein wohlklingendes helles Lachen.
"Krieger des Lichts oder des Guten, gibt es seit Anbeginn der Zeit und in jeder Region der Erde. Es gibt nicht nur einen, sondern tausende. Aber es gibt nur einen, der mit Dòchas umgehen kann bzw. den es akzeptiert. Seit mehr als hundert Jahren hat niemand mehr das Schwert geführt. Mal ist es ein Mann mal eine Frau. Der letzte Krieger war die Frau in dem Medaillon, das du trägst. Du bist eine direkte Nachfahrin, deshalb konntest du das Kreuz finden und weil du ein gutes und reines Herz hast."
"Warum erst jetzt?"
"Bisher war niemand würdig. Irgendwie konnte das Böse die potenziellen Anwärter auf seine Seite ziehen. Bei dir gab es auch genug Versuchungen, doch du hast allen widerstanden. Ich bin dafür verantwortlich die Krieger auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Doch dieses Mal wurde ich von den Dämonen aufgehalten, da sie wussten dass ich zu dir wollte. Deshalb konnte ich erst heute zu dir kommen und du musstest selbst herausfinden, dass das Kreuz zu dir gehört. Ich bin froh, dass du an Jack geraten bist. Er wird ein Auge auf dich haben."
"Wie haben dich die Dämonen aufgehalten? Und was heißt, das du mich auf meine Aufgabe vorbereitest?"
Auf die erste Frage ging Ian gar nicht ein.
"Hast du nicht schon vor langer Zeit gespürt, dass etwas passieren würde? Warum bist du ausgerechnet hier her gekommen?"
"Ja, da hast du nicht ganz unrecht. Ich war in den letzten paar Monaten sehr rastlos. Ich hatte schon lange vor nach Irland zu reisen, aber von diesem Ort hatte ich vorher noch nichts gehört."
"Wenn es zeit ist, das Dòchas wieder zum Einsatz kommt, setzt es Schwingungen aus, die vom Auserkorenen unbewusst wahrgenommen werden. Er folgt dieser Schwingung und da trete ich auf den Plan. Es ist jetzt mehr als hundert Jahre her, das jemand Dòchas in den Händen hielt. Hast du die Runen auf dem Kreuz bemerkt?"
"Ja, aber ich konnte sie nicht entziffern."
"Weil sie schon so alt wie die Welt sind, genau wie Dòchas. Es wurde aus der Liebe und der Hoffnung der Engel geschmiedet, in seiner eigentlichen Form ist es komplett aus Gold. Die Runen bedeuten: Die Liebe und Hoffnung der Engel begleiten dich! Sieh es dir noch einmal an."
Das tat ich und stellte erstaunt fest, dass mein Name vorn eingraviert war.
"Das war vorher noch nicht da!"
"Da hast du Recht. Es nimmt jedes Mal den Namen seines Besitzers an. Von nun an wird es deinen Namen tragen, bis zu deinem Tod oder wenn du es an deinen Nachfolger reichst."
"Wie oft ist es schon vorgekommen, dass das Kreuz weitergereicht wurde?"
Ian schien das etwas unangenehm zu sein.
"Nun sag schon."
"Ein Mal."
"Na großartig, ich habe eine blühende Zukunft vor mir."
"Die kannst du haben. Aber du musst dich dazu entschließen die Aufgabe an zunehmen. Normalerweise hast du genügend Zeit darüber nach zu denken, doch leider ist dies im Moment nicht gegeben."
"Setzt mich ruhig unter Druck, davon lebe ich."
Ich lief ein paar Minuten lang in der Hütte auf und ab und dachte darüber nach. Es machte mir Angst, dennoch fühlte es sich richtig an. Selbst das Kreuz im meinem Hals schien am richtigen Ort zu sein. Und hatte ich es nicht schon längst akzeptiert? Schließlich trug es bereits meinen Namen."
"In Ordnung. Ich werde mich dieser Aufgabe stellen."
"Gut. Du hast ein paar Übungsstunden in Schwertkampf nötig. Jack ist ein ausgezeichneter Fechter. Er wird dir ein paar Tricks zeigen."
"Müsstest du das nicht machen?"
Jack sah Ian misstrauisch an. Irgendetwas stimmte hier nicht.
"Du hast uns bisher noch nicht erzählt, was dich aufgehalten hat."
"Das ist jetzt nicht wichtig. Wichtig ist im Moment nur, das Jo sich verteidigen kann, wenn Belor wieder angreift."
"Also hab ich ihn doch wieder erkannt!"
"Wer ist Belor?"
"Wir hatten vor über hundert Jahren schon einmal mit ihm zu tun."
Mehr wollten die beiden dazu nicht sagen. Jack schien auch nicht ganz zufrieden zu sein, doch er fügte sich Ians Wünschen.
Wir suchten uns eine Lichtung in der Nähe der Hütte und Jack zeigte mir wie man mit einem Schwert umging. Wir hatten Ians Schwert mitgenommen, doch das war zu schwer für mich. Jack gab mir daher seins, welches zwar genau so groß aber leichter war, als das von Ian.
"Was ist das für ein Metal?"
"Das findet man nur in meiner Welt, es ist genauso stark wie euer Metal, aber wesentlich leichter."
"Das merke ich."
Es dämmerte bereits und so übten wir, während hinter dem Wald die Sonne aufging.
Gegen Mittag war ich vollkommen erschöpft, Jack jedoch lächelte mir entgegen.
"Du hast Talent. Noch ein paar Übungsstunden und du kannst es mit dem Dämon aufnehmen."
"Nur habe ich nicht so viel Zeit. Richtig?"
"Ja leider."
"Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann."
"Es ist nie leicht, jemandem das Leben zu nehmen, doch wenn das eigene Leben davon abhängt, hat man keine Wahl."
"Ja, das Universum muss im Gleichgewicht bleiben. Manchmal gewinnt das eine und manchmal gewinnt das andere. Kein Schatten ohne Licht, kein Licht ohne Schatten."
"Ich bin beeindruckt."
"Musst du nicht. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit mit diesen Themen. Darf ich dich etwas fragen?"
"Sicher."
"Wieso konnte ich dich in der Höhle nicht sehen?"
"Wir Elfen leben in einer Parallelwelt. Den Menschen ist sie nicht zugänglich, doch wir haben die Fähigkeit in eure Welt hinein zu sehen. Es gab mal eine Zeit, in der das anders war, als die Menschen noch an uns glaubten und wir einander Brüder nennen durften. Doch die Zeiten ändern sich. Die Menschen kümmern sich nur noch um sich selbst, deshalb haben wir uns zurückgezogen. Es gibt nur noch wenige, die uns hören können, so wie du. Elfen mischen sich normalerweise nicht in die Angelegenheiten der Menschen ein, sie sind lieber unter sich."
"Nett ausgedrückt. Mit anderen Worten, ihr habt zwar die Möglichkeit den Menschen zu helfen, bevorzugt es aber euch raus zu halten. Du nicht!"
"Nein, ich halte diese Politik für falsch. Wenn ich dir nicht geholfen hätte, wärst du jetzt Tod. Was ein großer Verlust gewesen wäre."
"Danke. Können andere Menschen dich ebenfalls sehen?"
"Wenn ich wert darauf lege. Genau genommen bewege ich mich im Moment zwischen zwei Welten. Elfen haben eine höhere Wahrnehmung, weshalb es für uns kein Problem ist zwischen zwei Welten zu wandeln. Ich suche mir meine Freunde mit bedacht aus."
Die etwas hochgestochene Art, wie Jack sich ausdrückte, amüsierte mich.
"Das heißt ich kann dich ebenfalls nicht sehen, wenn Fremde in der Nähe sind?"
"Nein, aber du kannst mich hören."
"Toll, dann sollte ich mich in der Öffentlichkeit vorsehen, nicht das man mich irgendwann wegsperrt. Weißt du je länger ich über all das hier nachdenke, desto richtiger erscheint es mir. Ich hab das Gefühl von einem Dejavù."
Jack antwortete nicht darauf. Ich wurde das Gefühl nicht los, das sowohl Jack als auch Ian mehr wussten als sie mir sagten."
Wir waren mittlerweile wieder bei der Hütte angekommen. Als Jack die Tür öffnete, blieb er abrupt stehen. Ich sah über seine Schulter und sah etwas das mich irritierte.
*****
"Müssen Engel schlafen?"
"Eigentlich nicht."
Als wir in die Hütte kamen sahen wir Ian auf dem Bett liegen. Er hatte sein Hemd ausgezogen und als ich näher herantrat sah ich die blutigen Striemen auf seinem Rücken."
"Oh mein Gott."
Jack schien ebenso geschockt zu sein.
"Das dürfte eigentlich nicht sein, außer..."
"Außer? Rück schon raus mit der Sprache."
"Außer jemand hat ihm seine Ewigkeit genommen!"
"Seine Ewigkeit?"
"Ja, das was einen Engel ausmacht. Ohne seine Ewigkeit ist er...ein Mensch!"
Ungläubig sah ich den Elf an.
"Nicht dein Ernst."
"Doch."
Er setzte sich auf das Bett und besah sich seinen Freund. Davon gehört hatte er schon, doch laut Ian war so etwas in all der Zeit, in der Engel existierten, vielleicht ein halbes dutzend Mal vorgekommen. Die meisten Engel hatten diesen Entschluss freiwillig getroffen, weil sie unter und mit den Menschen leben wollten. Ein paar mal wurden Engel so auch bestraft, wegen Regelverstößen, oder weil sie sich der dunklen Seite angeschlossen hatten. Doch er glaubte, dass bei Ian keiner der Fälle zutraf. Jack vermutete dass es mit seinem verspäteten Erscheinen zu tun hatte. Wenn sie ihm nicht helfen konnte, würde er für die Welt verloren sein.
"Er hat Fieber. Er muss mit den Verletzungen schon eine Weile rumlaufen. Einige haben sich entzündet, was das Fieber erklärt."
"Was machen wir jetzt?"
"Ich hab die entsprechenden Kräuter nicht hier, die ich brauche. Du musst ihm die Wunden auswaschen und versuchen das Fieber zu senken. Hinter dem Haus findest du eine kleine Quelle."
Damit verließ er die Hütte und ließ mich mit einem sterblichen Engel allein.
"Fieber senken! Der Mann hat gut reden."
Beim umsehen entdeckte ich einen recht verbeutelt Eimer, den ich mit nach draußen nahm. Tatsächlich fand ich hinter dem Haus eine Quelle. Das Wasser war klar und kalt.
Ich war nur ein paar Minuten draußen gewesen, doch als ich wieder rein kam lag Ian vor der Tür auf dem Boden.
"Ian!"
Der Engel war schweißgebadet, er zitterte und sein Atem ging stoßweise. Vorsichtig setzte ich den Eimer auf dem Tisch ab. Nur mit Mühe schaffte ich es Ian wieder zurück auf Bett zu hieven, immerhin war er ca. 30 Kg schwerer und eine Kopf größer als ich.
Als Tuch benutzte ich Ians Hemd. Es war eh schon kaputt, so würde es wohl nicht auffallen, wenn ich etwas heraus riss.
Vorsichtig reinigte ich seine Wunden von Schmutz und Blut und er zuckte vor Schmerz zusammen, als das nasse kalte Tuch seinen Rücken berührte. Ich wollte ihm nicht noch mehr Schmerzen zufügen, doch das war wohl unvermeintlich. Erst als ich etwas Salziges auf meinen Lippen schmeckte, bemerkte ich, dass ich weinte. Erschrocken zuckte ich zusammen, als Ian sich auf die Seite drehte und mich ansprach.
"Ist schon gut. Ich hatte schon schlimmere Schmerzen."
Es war nur ein flüstern und es kostete ich offensichtlich Kraft. Die Tränen liefen nun unkontrolliert über mein Gesicht. Ich wusste das ich nicht für seine Leiden verantwortlich war, dennoch fühlte ich mich schuldig.
"Ich will dir nicht noch mehr wehtun."
"Du vergisst dass ich ein Engel bin."
Er lächelte gequält, als er jedoch mein Gesicht sah, erstarb sein Lächeln.
"Jack hat es herausgefunden, wie?"
"Es ist nicht zu übersehen!"
"Dabei habe ich mir so viel gegeben..."
Es kostete Ian zuviel Kraft zu reden, er wurde wieder ohnmächtig.
Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, versorgte ich seine Wunden weiter. Was war ihm nur widerfahren und wer war dazu fähig einem Geschöpf so etwas an zu tun?
Jack bewegte sich mit äußerster Vorsicht und Schnelligkeit durch den Wald. Er wusste, wo er welche Kräuter fand, doch er musste auf der Hut sein. Überall um sich herum spürte er die Aura des Bösen. Nicht mehr lange und der Dämon würde wieder angreifen. Jo war dem ganzen noch nicht gewachsen, schließlich hatte sie erst vor kurzem erfahren, welches Schicksal sie zu erfüllen hatte und bei allem was ihm heilig war, dieses Mal würde er nicht zulassen, das Belor sie tötete. Es wäre Ians Aufgabe gewesen, ihr zu erzählen wer sie war, ihr zu zeigen was in der Vergangenheit passierte. Ian! Sie kannten sich seit 150 Jahren. Jack erinnerte sich noch genau an ihr erstes Zusammentreffen. Damals hatte er erbittert gegen zwei Dämonen gekämpft um ihr Leben zu retten. Jack erinnerte sich noch daran, als sei es Gestern gewesen. Gerade als einer der beiden Dämonen Jack von hinten aufspießen wollte, war er da.
"Du hast deine Rückendeckung vernachlässigt, Elf."
Jack hatte sofort gewusst, wer er war.
"Ach? Allein ist es ziemlich schwer seinen Rücken zu decken, Engel!"
Gemeinsam hatten sie die beiden Dämonen vernichtet, doch sie hatten es nicht verhindern können, dass ein dritter Dämon SIE tötete. Derselbe Dämon, der es nun auf Jo abgesehen hatte. Seit jenem Tag waren sie Freunde und hatten eine Menge Schlachten hinter sich gebracht. Jack war es auch gewesen, der Jo das Medaillon überbracht hatte. Seit jenem schicksalhaften Tag war es in seinem Besitz gewesen und er hatte nur auf seine Besitzerin gewartet.
"Ah, da bist du ja!"
Er bückte sich, als er gefunden hatte, was er suchte. Ihm kam wieder in den Sinn, wofür er die Kräuter brauchte. Ian war ein Mensch! Wie konnte das nur passiert sein? Wenn sie es nicht schafften, ihn wieder auf die Beine zu bekommen, war ein wichtiger Verbündeter verloren und ein guter Freund. Jack wollte diesen Freund nicht verlieren, nicht wenn es in seiner Macht stand das zu verhindern.
Er träumte. Was schon merkwürdig war, denn Engel träumten nicht, da sie ja auch keinen Schlaf benötigten. Doch dieser Traum war nicht unangenehm.
Schon als er Jo das erste Mal sah, durchflutete ihn ein warmes angenehmes Gefühl, welches sein Herz schneller schlagen ließ. Er konnte sich nicht erklären was das war, doch hier in seinem Traum wusste er es plötzlich. Denn da stand sie, direkt vor ihm und lächelte ihn an. Wieder fing sein Herz an heftig zu schlagen. Er hob die Hand und berührte ihr Gesicht. Ihre Haut war warm und weich. Ian ließ seine Hand auf ihrer Wange und sie schmiegte sich in seine Handfläche. Langsam ging sie auf ihn zu. Er nahm sie in den Arm, hielt sie fest. Er konnte sie fühlen und riechen, ein sehr angenehmer Geruch, so sanft und stark wie sie selbst. Jo hob ihr Gesicht, langsam stellte sie sich auf die Zehenspitzen und kam mit ihrem Gesicht näher an ihn heran, doch gerade als er sie küssen wollte wachte er auf.
Immer wieder wischte ich den Schweiß von Ians Stirn. Ich glaubte, dass das Fieber noch gestiegen war und hoffte, dass Jack bald wiederkam. Ich schaute auf den Mann hinunter, der eigentlich ein Engel sein sollte. Im Schlaf wirkten seine harten Gesichtszüge friedlich und weich. Etwas an ihm kam mir bekannt vor, genau wie bei dem Dämon hatte ich das Gefühl, das ich ihn schon einmal gesehen hatte. Aber ich war mir sicher, ihn noch nie im Leben gesehen zu haben.
Ian regte sich und schlug die Augen auf.
"Hey. Wie geht es dir."
Er sah mich verwirrt an, hob seine Hand ließ sie jedoch sofort wieder sinken.
"Du hättest es uns erzählen sollen."
"Ich konnte nicht. Jack würde jetzt sagen, dass mein Stolz mich irgendwann umbringen würde. Vielleicht hat er da nicht ganz Unrecht."
"In diesem Fall war dein Stolz wirklich falsch angebracht. Ich möchte dich nicht sterben sehen. Meinst du das bekommen wir hin."
Jetzt hob er wieder seine Hand, dieses Mal fand sie meine Wange, die er sanft mit dem Daumen streichelte.
"Ich werd es versuchen."
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Es war zum Glück nur Jack, der angesichts unserer intimen Situation Ian vorwurfsvoll ansah.
"Es scheint dir wieder gut zu gehen!"
"Es tut mir leid Jack, dass ich es dir nicht erzählt habe."
"Das sollte es auch. Ich werde dir eine Salbe zubereiten, damit deine Wunden schneller heilen und das Fieber gesenkt wird. Du solltest dich noch etwas ausruhen."
Ian befolgte den Rat seines Freundes. Das Laken war blutverschmiert. Wieder tupfte ich das Blut von seinen Wunden und sah rüber zu Jack.
"Er hat es nicht böse gemeint."
"Das tut er nie, er ist ein Engel."
Ich spürte dass Jack nicht wirklich wütend auf seinen Freund war, sondern nur auf die Situation.
"Er hätte sterben können!"
Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Es ist in Ordnung, dass du dir Sorgen um einen Freund machst!"
Jack schaute zu mir auf, da er vor dem Kamin kniete.
"Es ist dein Verständnis und deine Liebe, für alles und jeden, was dich so wertvoll macht. Besonders für das Böse. Du hast die Gabe, mit deiner Liebe, das Leid anderer zu lindern. Weißt du, wenn Menschen leiden, kann es schnell in Hass umschlagen und Hass ist der Eckpfeiler des Bösen. Deine Gabe ist deshalb so besonders, weil sie normalerweise nur Engeln eigen ist. Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt die diese Gabe haben, wie Mutter Teresa."
Er stand auf und drückte mir einen Kuss auf die Stirn. Ich sah, dass seine Wut verraucht war.
Nach einiger Zeit war die Salbe fertig und Jack verteilte sie über Ians Wunden. Wir hörten, wie er im Schlaf aufstöhnte.
"Sie brennt etwas und sie wird warm. Pass darauf auf, dass er sie nicht herunterkratzt. Ich muss noch mal weg. Es wird nicht lange dauern."
Er machte sich wieder auf den Weg in den Wald. Hoffentlich hatte er Recht und das Zeug auf Ians Rücken half.
*****
Ich kümmerte mich den ganzen Tag um Ian. Immer wieder musste ich verhindern, dass er sich auf den Rücken drehte. Ich hoffte inständig, dass Jack Recht hatte und dass das Fieber sank, denn im Moment sah es nicht danach aus. Einmal musste ich das Wasser bereits wechseln, mein Magen knurrte und wo ich jetzt darüber nachdachte, viel mir ein, das ist schon seit gestern Abend nichts mehr gegessen hatte. Ian schien die ganze Zeit Alträume zu haben und so wie er stöhnte und ab und zu schrie, schien er schreckliches durchzumachen.
Ich machte mir mittlerweile Sorgen um Jack. Er hatte gesagt, dass er nicht lange weg bliebe, das war vor 5 Stunden, bald würde die Dämmerung hereinbrechen und ich konnte mir Lebhaft vorstellen was sie uns brachte.
"Jack, na endlich!"
"Entschuldige. Ich musste erst etwas Überzeugungsarbeit leisten, bevor einige meiner Freunde mir helfend zu Hand gingen. Jetzt durchstreifen zumindest sechs weitere Elfen den Wald, auf der Suche nach Belor."
"Was ist das für eine Sache mit Belor?"
"Wie meinst du das?"
"Er tat so als würde er mich kennen, genau wie du und Ian."
"Da musst du dich täuschen."
Das kam vom Bett, ich war in der Zwischenzeit aufgestanden und hatte mich dicht vor den Elf aufgebaut.
"Ah Ian. Ich habe dir ein neues Hemd mitgebracht."
Wie beiläufig zog Jack ein weißes Hemd aus seinem Beutel und reichte es Ian. Ich hatte diese Heimlichtuerei allmählich satt. Ich nahm mir Ians Schwert, welches auf dem Tisch lag und richtete es auf den mittlerweile stehenden Engel.
"Ich will jetzt die Wahrheit wissen, Aingeal**!"
Was zum Henker war das? Ich kannte einige gälische Worte, doch das war mir unbekannt, dennoch kam es wie selbstverständlich aus meinem Mund.
"Ian, du musst es ihr sagen, nur so haben wir vielleicht eine Chance."
"Es könnte sie ebenso total überwältigen und dann?"
"Hey! Ich kann es nicht ausstehen wenn man in der dritten Person von mir spricht."
"Tha mi duilich***, Jo. Wenn die Dämonen mich nicht gefoltert hätten, wäre ich schon längst hier gewesen und hätte es dir erzählt und gezeigt."
Ich sah ihn verwirrt an. Komisch, ich verstand die Worte, die er zu mir sagte, doch ich verstand es nicht.
"Du bist die Frau auf dem Medaillon!"
Langsam ließ ich das Schwert sinken, das ergab keinen Sinn.
"Es ist nach meinem Ebenbild angefertigt."
"Nein. Dieses Medaillon ist genau 155 Jahre alt. Es war ein Geschenk ihres Vaters, deines Vaters! Du bist sie. Du hast vor 150 Jahren als Selena McQuinn gelebt."
Ich ließ das Schwert fallen. Das konnte doch nicht sein. Wiedergeboren?
"Hast du nicht gesagt, dass du eine Art Dejavù hast. Ist es nicht so, dass dieses Land dir bekannt vorkommt, genau so wie Ian?"
"Ja schon..."
"Du musst dich daran erinnern! Das ist deine Rettung. Belor will dich noch einmal umbringen."
"Nein, nein. Da Spiel ich nicht mit, das könnt ihr nicht verlangen."
Ich wollte aus der Hütte stürmen, doch Ian hielt mich zurück. Ich schlug und trat nach ihm.
"Lass mich los."
Ohne Zweifel tat ich ihm weh, doch seine Stimme blieb sanft.
"Bitte Jo. Du kannst davor nicht weglaufen. Er wird dich finden. Ich möchte dich nicht noch einmal verlieren, bitte."
Die letzten Worte klangen so verzweifelt, das ich aufhörte um mich zu schlagen und Ian in die Augen sah. Er hatte Tränen in den Augen, ich sah seine Verzweiflung und das er es mir ersparen würde, wenn er könnte.
"In Ordnung!"
Er nahm mein Gesicht in beide Hände und legte seine Stirn an meine.
"Schließ die Augen und entspann dich."
Kaum hatte ich die Augen geschlossen, verlor ich den Halt unter meinen Füßen.
"Wir haben nicht viel Zeit."
"Es wir reichen."
Ian trug Jo zu Bett und legte sie dort hin.
"Wo hast du sie hingeschickt?"
"Zu ihrem letzten Tag."
"Bist du sicher, dass das gut ist?"
"Wenn sie ihren Tod miterlebt, wird sie sich auch an ihr Leben erinnern. Außerdem ist sie nicht allein. Selena wird dort sein."
Ian hatte während des Gesprächs Jack den Rücken zugedreht, nun drehte er sich zu seinem Freund um. Dieser sah in Ians Augen etwas, was nicht hätte passieren dürfen.
"Oh Ian!"
Dieser konnte dem Blick seines Freundes nicht mehr standhalten. Er wusste, dass er einen Fehler beging.
Es drehte sich alles und ich blieb noch etwas liegen. Doch ich merkte schnell, dass ich nicht mehr in der Hütte war, denn das was ich unter mir spürte und roch war Gras.
Nun öffnete ich meine Augen und sah meine Annahme bestätigt. Doch ich sah noch etwas anderes. Neben mir stand eine Frau, was ich dadurch erkannte das sie ein Kleid trug, wovon ich im Moment nur den unteren Teil sah.
"Tragen in deiner Zeit die Frauen Hosen? Vielleicht nicht sonderlich weiblich, aber bestimmt sehr praktisch."
Die Stimme kann mir bekannt vor, klang sie doch wie meine und tatsächlich, als ich aufsah sah ich in mein Gesicht. Sie streckte mir die Hand entgegen und half mir auf. Ich konnte sie nur verblüfft ansehen. Die Frau glich mir aufs Haar. Oder glich ich ihr bis aufs Haar? Der einzige Unterschied bestand darin, dass sie im Stil der damaligen Zeit gekleidet war. Ein elegantes Kleid, welches darauf schlissen ließ, das sie recht wohlhabend sein musste, in dunkelblau, was sicher nicht sehr vorteilhaft bei der Dämonenjagt war.
"Ja meine Hosen sind bestimmt praktischer, als dein Kleid. Besonders schnell bist du damit wohl nicht?"
"Nein. Allerdings trage ich normalerweise etwas bequemeres, etwas das sich besser zur Jagt eignet."
"Wolltest du schick sein, wenn wir uns gegenüberstehen?"
Sie zuckte nur mit der Schulter und lächelte geheimnisvoll.
"Du bist allein! Eigentlich sollte dein Engel dich bei einer solchen Reise begleiten. Ist Ian immer noch der Wächter des Schwertes?"
"Ja, das ist er. Es sind einige Komplikationen aufgetreten. Ian wurde von den Dämonen seiner Ewigkeit beraubt, weshalb er nun ein Mensch ist, wenn auch einer mit ziemlich coolen Fähigkeiten. Ich bin eigentlich noch gar nicht bereit dazu, dies hier durch zu machen."
Selena sah mich besorgt an.
"Geht es Ian gut?"
"Den Umständen entsprechend. Jack hat sich gut um ihn gekümmert."
"Jack?"
"Jack ist ein Elf. Es wundert mich dass du ihn nicht kennst. Hast du jemals so etwas wie Wasserrauschen in deiner Nähe gehört, obwohl es nirgends Wasser gab?"
"Wasserrauchen gepaart mit hell klingenden Glocken?"
"Genau. Jack hat sich immer in deiner Nähe aufgehalten, so weit ich das weiß."
Das schien sie zu erstaunen.
"Ich hab mir so was schon gedacht, aber so oft ich versucht habe, sie zu sehen, es hat nicht funktioniert. Aber ich glaube ich habe einen gesehen, als ich starb. Groß, schwarzes Haar und grüne Augen. Er stand hinter Ian."
"Ja, genau. Das war Jack. Aber wir haben nicht sehr viel Zeit. Warum bin ich hier."
"Damit du dich an dein früheres Leben erinnerst. Normalerweise solltest du langsam durch verschiedene Zeiten geleitet werden, doch so wie die Sachlage steht, muss es leider durch eine Schocktherapie geschehen. Ich würde es vermeiden, wenn es nicht so wichtig wäre."
Mir gefiel es nicht, worauf das hier hinauslief. Ich entfernte mich ein paar Schritte.
"Josephine, es muss sein."
Ich wusste worauf Selena von mir verlangte.
"Ich bitte dich, das kann ich nicht."
"Du musst! Nur so ist es dir möglich, dich zu erinnern. Alles andere ist zu Zeitaufwendig. Wenn du dich nicht daran erinnerst wie es war, ich zu sein, kannst du nicht gegen Belor antreten, dann wird er dich wieder töten. Ich bitte dich. Du lebst in einer Zeit in der du sehr wichtig bist. In deiner Zeit hat das Böse die Oberhand und es ist wichtig dass du ihm entgegentrittst. Du musst weitere Krieger des Lichts rekrutieren. Noch nie in der Geschichte gab es so wenige Krieger, die sich gegen das Böse stellen."
"Woher weißt du das alles?"
"Das kann ich dir nicht genau sagen, ich weiß es eben. Komm!"
Sie streckte mir ihre Hand entgegen und wartete bis ich sie ergriff. Es widerstrebte mir mit ihr mitzugehen. Doch ich wusste, dass es sein musste. Je näher wir dem Ort kamen desto unbehaglicher wurde mir, schon von weitem hörte ich die Schwerter. Dann waren wir da und ich hatte freie Sicht auf den Kampf.
"Dein Jack sieht recht ansehnlich aus."
Ich grinste sie gequält an. Es war ja lobenswert, dass sie Jack attraktiv fand, doch ich hatte gerade nur Augen für das was geschah.
Jack hatte alle Hände voll zu tun, er kämpfte gegen zwei Dämonen auf einmal. Selena musste mich zurückhalten, sonst wäre ich ihm zu Hilfe gekommen. Gerade als einer der Dämonen ihn von hinten Angriffen, tauchte Ian auf. Zum ersten Mal sah ich ihn als Engel. Es schien ihn ein Leuchten zu umgeben, er hatte eine schwarze Lederhose an, an deren Schienbeinen silberne Metallbeschläge befestigt waren. Er trug ein weißes Rüschenhemd, über dem ein goldener Brustpanzer lag. Die beiden Dämonen waren schnell erledigt, Selena jedoch wollte, das ich mir noch etwas anderes ansah.
Dort stand der Dämon, der mich am See überrascht hatte. Sein Schwert erhoben, teuflisch grinsend machte er sich bereit, die Frau auf dem Boden zu töten. Ich hörte gerade noch, wie Selena neben mir sagte: "Es tut mir Leid.", als ich mich auf dem Boden wieder fand, über mir Belor, der gerade sein Schwert niedersausen ließ. Ich sah gerade noch Jack und Ian die auf mich zu gerannt kamen, dann wurde es dunkel.
*****
Schreiend wachte ich auf und fand mich in der Hütte, in meiner Zeit wieder.
"Jo, Jo. Es ist gut, du bist in Sicherheit."
Nur langsam beruhigte ich mich, zu schrecklich war das, was ich eben erlebt hatte. Ian hielt mich tröstend im Arm, ich spürte wie er mir beruhigend über das Haar strich. Ich löste mich von ihm, in seinen Augen sah ich Schuldbewusstsein, Scham und Trauer.
"Verzeih mir. Es lag an mir, das zu verhindern.
"Es gibt nichts zu verzeihen. Du hättest es nicht verhindern können, Ian. Selbst wenn du früher da gewesen wärst."
Dankbarkeit strahlte mir aus seinen Augen entgegen, tränen rannen ihm über die Wange und ich nahm ihn in die Arme.
"Alles ist gut."
Über Ians Schulter hinweg sah ich Jack an der etwas betreten aussah.
"Ich danke dir, für deine Hilfe. Sie fand dich recht ansehnlich!"
Der Elf grinste verlegen und ich glaube er wurde auch leicht rot im Gesicht.
Wieder löste ich mich von Ian.
"Es wird Zeit, diesem Belor in seine Schranken zu weisen."
"Das heißt, du erinnerst dich wieder an alles?"
"Ich kann ihn besiegen, immerhin hatte ich den besten Fechtlehrer den man haben kann."
Dabei sah ich zu Ian.
"Hast du mich damals gewinnen lassen, oder habe ich dich tatsächlich überrascht?"
Er sah mich fragend an, ebenso wie Jack.
"Zwei Tage bevor Belor mich überraschte, habe ich ihm, oder besser Selena, mit dem Schwert um eine seiner prachtvollen Strähnen gebracht."
"Das ist nicht dein Ernst?"
"Das ist ihr Ernst. Zum Schluss, war sie eine der besten Fechter, die ich jemals unterrichtet habe."
"Entschuldige bitte die Frage, aber wie konnte Belor dich dann besiegen?"
"Durch einen fiesen Trick. Er hat mich glauben lassen, dass er Ian sei."
"Das ist typisch für Dämonen, wenn sie mit fairen Mitteln nicht siegen können, werden sie unfair."
Es klopfte. Jack zeigte an, dass wir ruhig sein sollten. Er wagte einen Blick durchs Fenster.
"Es sind Seamus und Ronan."
Er bat die beiden herein, die sich vorsichtig und mit Argwohn umsahen. Ian schienen sie zu kennen, denn sie grüßten ihn mit einem Kopfnicken, mich jedoch ignorierten sie. Ich nahm es hin.
"Er erwartet euch. Der Dämon sagte, ihr würdet wissen wo."
Mehr hatten sie nicht zu sagen, doch ich ließ sie nicht einfach so gehen.
"Ich danke euch. Ihr hättet es nicht machen brauchen."
Ich sah ihnen offen ins Gesicht. Einen Moment lang zögerten sie, dann nickten sie auch mir entgegen und gingen dann.
"Was ich dir gesagt habe, mit deiner Art, die einem Engel gleich kommt, schaffst du es jeden auf deine Seite zu ziehen. Selbst Elfen die sich normalerweise nicht so schnell beeindrucken lassen. Also wieso wissen wir, wo Belor auf uns wartet?"
"Was glaubst du wohl? Er will es dort beenden, wo er es schon einmal beendet hatte. Zumindest dachte er das."
Die beiden Männer nickten. Allerdings machte ich mir um Ian Sorgen.
"Bist du dir sicher, dass du das durchstehst?"
"Ja. Und selbst wenn nicht, ich würde sterben, um dir zu helfen, um dein Leben zu schützen."
Genau das machte mir Probleme. Ich wollte nicht dass er starb und wenn es mir irgendwie möglich war, würde ich dafür sorgen, dass er seine Ewigkeit wiederbekam.
So machten wir uns auf den Weg. Jack ging voran. Die Gegend hatte sich in den letzten 150 Jahren ziemlich verändert, doch Jack wusste wo wir hin mussten. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt und so kamen wir im Zwielicht auf der Lichtung an. Keinem von uns war so richtig wohl, wussten wir doch was beim letzten Mal hier passierte. Ich entdeckte ein kleines Kreuz, welches schon recht verwittert aussah, dennoch konnte ich den Namen darauf lesen. Selena McQuinn.
"Sie starb ehrenvoll in Ausübung ihrer Pflicht."
Las ich vor.
"Jack hat es errichtet. Manche der Bewohner aus dem Ort kommen noch immer hier her um ihre Ehrerbietung zu zeigen."
"Wie rührend. Sie starb nicht in Pflichterfüllung, sondern jammernd und flehend auf dem Rücken."
Jack und Ian stellten sich instinktiv, schützend, vor mich, so das Belor nur einen kurzen Blick auf mich hatte. Natürlich war er nicht allein gekommen, sondern mit einer Gruppe von sechs weiteren Dämonen.
"Oh, muss das kleine Mädchen vor dem bösen Onkel beschützt werden?"
Ich drängte mich an und Jack vorbei.
"Hallo Belor. Ich hätte nicht gedacht, das wir uns hier wieder sehen."
"Selena? Das ist nicht möglich, ich habe dich getötet."
"Ich bin auch nicht Selena, zumindest nicht die die du kennst. Selena lebt in mir weiter, sie wurde wiedergeboren. Und ich weiß, warum du mich damals getötet hast. Nicht nur weil ich das Kreuz besaß, sondern weil du mich begehrt hast."
Selbst wenn er an meiner Ausführung zweifelte, mit dem letzten Satz wusste er dass ich die Wahrheit sagte. Nun nahm ich das Kreuz und ließ es in meiner Hand zu seiner eigentlichen Form entstehen.
"Bilde dir nur nicht ein, dass du mich schlagen könntest. Du konntest es vor 150 Jahren nicht und du kannst es auch heute nicht."
"Lassen wir es darauf ankommen."
Ich appellierte an seinen Hochmut und seiner Eingebildetheit.
"Lass deine Lakaien da wo sie sind, wir fechten es unter uns aus."
"Also gut, nur damit ich noch einmal in deine sterbenden Augen sehen kann."
Die sechs Dämonen, Ian und Jack stellten sich in einem Kreis um uns auf. Keiner von ihnen ließ die anderen aus den Augen und gleichzeitig beobachteten sie uns, ich bezweifelte nicht, dass die Dämonen uns attackieren würden, sollte ich über Belor siegen. Anders rum würde es wohl nicht anders sein.
Belor und ich standen uns mit gezogenen Schwertern gegenüber. Wir umkreisten einander und ohne Vorwarnung griff der Dämon an. Der Angriff war schnell und brutal, aber ich parierte ihn gekonnt.
"Ich sehe du hast nichts verlernt."
"Nein das habe ich nicht. Wieso können wir das nicht friedlich klären, ich lege keinen Wert auf deinen Tod."
"Ich lege aber Wert auf deinen!"
Und so griff er wieder an. Er konnte mich einmal leicht verletzten. Ich hörte das aufstöhnen von Ian, doch ich konnte schlimmeres verhindern. Immer wieder griff der Dämon an, mit jedem Angriff wurde er wütender. Das war meine Chance, denn je wütender er wurde, desto mehr Fehler machte er und so gab er eine Lücke in seiner Deckung frei.
Ohne zu überlegen stieß ich zu, es war ein tödlicher Stoß. Er sah mir in die Augen, während ich mein Schwert wieder heraus zog.
"Es tut mir leid!"
Ich konnte seinen Sturz abfangen, auch wenn er mich dabei mit zu Boden riss.
Die Dämonen schrieen vor Wut und wollten angreifen. Ich befürchtete schon, dass sie Jack und Ian überrannten, doch Belor bellte einen Befehl. Ich verstand nicht was er sagte, aber es hatte zur Folge das sie ihren Angriff abbrachen.
"Warum tust du das?"
"Das Selbe...könnte...könnte ich dich...auch fragen. Es tut dir Leid...mich zu...töten?"
"Ja natürlich, es tut mir um jedes Leben Leid, welches ich auslöschen muss."
"Und du...du weinst.."
Er hustete Blut. Lange würde er nicht mehr leben. Hätte ich ein normales Schwert gehabt, hätte er sich von der Verletzung recht schnell erholt, doch die Macht von Dòchas war >magisch<. Es war geschmiedet worden, um das Böse zu vernichten.
"Hat noch nie jemand um dich geweint?"
"Ich bin ein Dämon. Um uns...weint...keiner....Doch du...was ist...das für...für ein Gefühl?"
"Warm und angenehm?"
Er nickte.
"Liebe."
Ich sah sein Erstaunen, das hatte er wohl nicht erwartet. Langsam hob er seine Hand und berührte mein Gesicht.
"Es gibt...keinen...Grund zu...weinen. Nicht um...mich. Dein Freund...erhält...seine Ewigkeit..."
Wieder hustete er.
"Ich danke...dir...das ich...erfahren...durfte...wie es ist...wenn man...Liebe...empfindet."
Mit einem Lächeln auf seinen Lippen starb er in meinen Armen. Ich trauerte um ihn, er hatte sich im Tod geändert, das konnte man nicht von vielen behaupten.
Ich hörte Ian, wie er den Dämonen drohte. Belor hatte sein Versprechen gehalten und ihm seine Ewigkeit wiedergegeben. Die Dämonen waren klug genug um sich nicht mit uns dreien anzulegen. Sie verschwanden und wir blieben allein im Dunkeln zurück. Aus dem Wald kamen Seamus und Ronan. Sie trugen Fackeln mit sich.
"Jack, bring sie doch bitte zurück ins Hotel. Jo!"
Als ich zu ihm aufsah, entdeckte ich einen vollkommen neuen Ian. Er sah genau so aus, wie zu dem Zeitpunk als Selena starb.
"Ich werde mich um ihn kümmern. Geh mit Jack und ruh dich aus."
Mehr als nicken konnte ich nicht. Ian würde sich darum kümmern, das Belor anständig bestattet wurde, das sah ich ihm an. Bevor ich ging umarmte ich ihn kurz und küsste ihn auf die Wange.
"Ich freu mich, dass du wieder der alte bist."
Dann gingen Jack und ich Richtung Dorf weg. Einer der andern Elfen hatte ihm eine Fackel überlassen, so hatten wir kein Problem durch den dunklen Wald zu gelangen. Das Kreuz hing wieder um meinen Hals, sollte noch einer der Dämonen in der Nähe sein, würde es uns warnen. Aber es ließ sich keiner sehen, so kamen wir unbehelligt durch den Wald. Es dauerte fast eine Stunde und noch mal fünfzehn Minuten, um den vorläufigen Besitzer des Hotels zu überzeugen, das ich dort ein Zimmer besaß.
Jack ging sicher dass es mir gut ging, nachdem ich es ihm drei Mal bestätigt hatte, ging er. Er sagte, er müsse noch einige Dinge erledigen, bevor ich morgen abreisen würde und so nahm ich erste Mal eine lange, ausführliche Dusche. Völlig in Gedanken bemerkte ich nicht, dass Ian in meinem Zimmer stand. Als ich gerade das Handtuch, unter dem ich nackt war, abnehmen wollte, räusperte er sich.
"Oh mein Gott, Ian. Soll ich vor schreck tot umfallen?"
"Entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht erschrecken."
"Vielleicht sollte ich dir eine Glocke um den Hals binden."
Wir lachten beide, dann wurde er wieder ernst.
"Die Elfen haben mir gestattet, Belor in ihrem Reich zu bestatten. Dort wird er seine Ruhe finden und niemand kann ihn stören."
"Das ist wirklich lieb von dir, danke."
Ich drehte mich um, um mir meinen Morgenmantel über zu ziehen. Völlig unverhofft packte Ian mich an den Schultern.
"Wo hast du das her?"
Zuerst wusste ich nicht wovon er sprach, bis ich im Spiegel sah dass er auf meine Schulterblätter starrte.
"Diese Male besitze ich schon seit meiner Geburt. Meine Mutter sagte, es seien Muttermale, die hin und wieder in meiner Familie vorkommen. Wieso, was ist damit?"
Er drehte mich so, dass ich die rechte Schulter im Spiegel sah.
"Haben die schon immer so ausgesehen?"
"Nein."
Ich sah die Male zum ersten Mal so ausgeprägt, bislang konnte man sie nur andeutungsweise sehen, doch nun sahen sie aus, wie zwei tätowierte Schriftzeichen. Ians Gesicht im Spiegel sprach Bände. Es sah ungläubig aus und er schüttelte immer wieder den Kopf, als könnte er nicht glauben was er sah.
"Kannst du mir erklären, was das zu bedeuten hat?"
"Nicht im Moment. Ich muss erst Nachforschungen anstellen."
"Ian!"
Doch der Engel war verschwunden und ließ mich völlig verwirrt zurück.
So endete also mein erstes Abenteuer. Mit einem Sieg, der mir nicht wirklich so vorkam und mit neuen Fragen, die mir nur der Erzengel beantworten konnte.
* Hoffnung
** Engel
*** Es tut mir leid
Review ansehen/ posten Kapitel 1
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