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 Amicus Draconis: 2. Zyklus - Zyklus der Schlange - 15. Sprung from my only Hate II - Prodigious Birth of Love it is to me - Part B


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Titel: Amicus Draconis: 2. Zyklus - Zyklus der Schlange
Autor: Yamato
Kapitel: 7
Rating: R
Charaktere: Harry, Draco, Ron , Hermione, Ginny, Voldemort, Dumbledore, Remus, Sirius, Severus, Lucius, Narcissa
Sprache: Deutsch
Datum: 23.11.2006
Wörter: 8230
Fandom: Harry Potter
Genre: General
Zusammenfassung: Draco, Harry, Ron, Hermione und Ginny erinnern sich an ihre Zeit in Hogwarts, als die Zaubererwelt noch nicht unter der Kontrolle Voldemort's stand. Doch die Dunkelheit breitet sich langsam aber sicher über ihr Leben aus und ein teuflischer Plan führt zum Sturz des Ministeriums...
Disclaimer: Alle Charactere gehören JK Rowling, dem Bloomsbury Verlag und Warner Brothers. Die Buch und Filmzitate von Fred & George gehören ebenfalls ihren jeweiligen Autoren. Das Opening ist von Shakespeare, das Ending von Nightwish. Copyrightpflichtige Songlyrics in der Geschichte werden nur in abgekürzter Fassung verwendet.


Wednesday, September 2nd

"Aber natürlich, Professor! Aber ja doch, Professor! Das Zahlenquadrat 4x4 ist dem Planeten Jupiter zugeordnet, weil die Zahl vier das Göttlich-Männliche symbolisiert und außerdem für die Vierheit der Elemente steht, die da wären Schlammblut, Rumschleimerei, Hasenzahnfresse und unerträgliche Besserwisserin!"

Crabbe und Goyle lachten pflichtbewusst, während Draco sich in Fahrt redete. Er musste ein wenig Frust abbauen, denn diese verdammte Granger hatte gleich in der ersten Arithmantik Stunde zwanzig Punkte abgesahnt und war drauf und dran, sich zu Professor Vector's Lieblingsschülerin zu entwickeln. Nur weil sie diese blöden Quadrate schon konnte und diese verdammten Alphabete und ihre Zahlenwerte auswendig gelernt hatte.

Und der Tag wurde nicht besser. Es war kalt und klamm; der Boden schlammig vom Regen, und sie hatten ihre erste Stunde Pflege magischer Geschöpfe bei dem schwachköpfigen Hagrid, der abwartend vor seiner Hütte stand und ihnen mit dümmlichem Grinsen entgegenblickte. Sein sabbernder Jagdhund sprang um ihn herum und hüpfte kläffend auf und ab.

"Nich' so langsam, Kinners," plärrte er ihnen entgegen. "Ich hab' da 'ne feine Überraschung für euch! Das gibt 'ne tolle Stunde. Alle da? Auf geht's!"

Nein. Ein ganz klares Nein. Wenn dieser hirnverbrannte Trottel tatsächlich die Absicht hatte, sie jetzt wieder in den Wald zu führen, dann würde Draco sich strikt weigern. In diesem Wald hatte er genug unangenehme Erfahrungen gemacht, dass es für den Rest seines Lebens reichen würde, vielen Dank auch.

Aber der Wildhüter machte keine Anstalten tiefer in die dunklen Schatten der Bäume vorzudringen. Stattdessen führte er sie um den Waldrand herum zu einem Stück umzäunter Wiese, einer Art Gehege. Draco beäugte es misstrauisch; es schien jedoch leer zu sein.

Was Hagrid allerdings nicht daran hinderte, brüllend und mit wedelnden Armen herumzustiefeln um sie alle eifrig dorthin zu winken. "Um den Zaun, Kinners, alle um den Zaun 'rum, ja so is' gut. Nun gut, macht erstmal eure Bücher auf..."

"Wie?" fragte Draco kalt.

"Eh?" fragte Hagrid zurück.

"Wie. Machen. Wir. Unsere Bücher auf?" fragte Draco langsam und jedes Wort einzeln betont; es kam ihm vor, als müsse er zu einem kleinen Kind reden. Mit spitzen Fingern hielt er das Monsterbuch von sich weg, welches heftig versuchte, nach denselben zu schnappen, während es sich knurrend und fauchend in seinen Stricken wand. Das Wildschwein musste den letzten Rest seines Verstandes verloren haben, ihnen diese monströsen Zahn- und Fellteile aufzubürden. War sowas eigentlich erlaubt?

"Streicheln ... ihr müsst sie streicheln," blabberte der Riese mit dümmlichem Grinsen und Draco hatte Mühe vor lauter Wut nicht die Kontrolle zu verlieren. "Oh, wie konnten wir so dumm sein," zischte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Wir hätten sie streicheln sollen. Warum sind wir nicht selbst darauf gekommen?"

Er wechselte einen raschen Blick mit Pansy, die ein Stück hinter ihm stand, umringt von ihrer Mädchenclique. Eines der Mädchen, Daphne Greengrass, war heute morgen von den messerscharfen Hauern erwischt worden, als es ihrem Buch unerwartet gelungen war, sich loszureißen. Zum Glück hatte Madam Pomfrey die Verletzung ohne größere Schwierigkeiten heilen können

"Ich dachte, sie sind witzig," murmelte Hagrid leise. Potter und seine Clique sahen ihn mitleidig an, während der Rest der Klasse ihn mit ungläubigen Blicken bedachte. Draco vermutete, dass Daphne nicht die einzige in der Klasse war, die bereits auf unangenehme Weise mit diesen Zähnen Bekanntschaft gemacht hatte.

"Oh, über alle Maßen witzig!" Wahrscheinlich würde er Punkte verlieren, weil er so respektlos mit einem Lehrer sprach, aber er konnte seinen Ärger einfach nicht länger im Zaum halten. "Wie unglaublich intelligent, uns Bücher zu geben, die versuchen, uns die Hände abzubeißen."

"Halt die Klappe, Malfoy." Potter warf ihm einen bösen Blick zu. Wahrscheinlich hätte der Gryffintrottel seinen Wildschweinfreund auch dann noch in Schutz genommen, wenn dieser Manticorae mit Feuerkrabben gekreuzt und das Ergebnis dann auf die Klasse losgelassen hätte.

Hagrid allerdings schien viel zu verwirrt zu sein, um ans Punkte abziehen überhaupt noch denken zu können. "Nun also ... eure Bücher habt ihr ja, dann geh' ich mal die Geschöpfe holen ... die magischen..." Ohne jede weitere Erklärung stapfte er ins Dunkel der Bäume davon.

"Herr im Himmel, jetzt geht unsere Schule entgültig vor die Hunde." Nun, da das Wildschwein außer Hörweite war, brauchte Draco sich nicht mehr die Mühe zu machen, seine Stimme zu senken. "Dieser Trampel soll uns unterrichten? Mein Vater flippt aus, wenn ich ihm das erzähle..."

"Halt die Klappe, Malfoy!"

Und wieder einmal staunte Draco über den unglaublichen Einfallsreichtum von Potter's verbalen Retourkutschen.

"Vorsicht, Potter, hinter dir! Da ist ein Dementor!" spottete er, doch die Slytherins hatten kaum zu lachen begonnen, da erregte schon etwas anderes ihre Aufmerksamkeit. Vom Wald her kam eine Schar Hippogreife auf sie zugetrottet und starrte sie aus gemein glitzernden orangefarbenen Augen an. Die Schüler wichen ängstlich zurück und wieder einmal fragte sich Draco, ob 'Potterärgern' dieses dämliche Fach überhaupt wert war. Vielleicht hätte er sich lieber fürs Wahrsagen eintragen sollen, da wäre er zumindest vor Pferdeäpfeln und scharfen Schnäbeln sicher gewesen.

"Hippogreife!" plärrte Hagrid, als er die Biester an den Zaun kettete. "Sind sie nich' wunder-wunderschön?"

Was an diesen Viechern schön sein sollte, stand in einem anderen Buch. Draco hatte sich noch nie wirklich für Tiere begeistern können; sie brüllten, kläfften, sabberten und machten Dreck. Zwar hatte Vater darauf bestanden, dass er von klein auf Reiten lernte, und auch ab und an die Malfoy'schen Granianer versorgte, aber eine besondere Begeisterung für diese vierbeinige Geschöpfe hatte er nie aufbringen können. Auf jedem Besen flog es sich besser als auf einem unberechenbaren Pferdevieh und wie sich Fliegen auf einem Greif anfühlte, wollte er gar nicht erst wissen.

"So," sagte Hagrid mit geistlosem Grinsen, "wenn ihr nun ein bisschen näherkommen würdet..."

Natürlich gab es niemanden außer Potter und Gefolge, die dieser Aufforderung nachkommen wollten. Aber der Narbenschädel war seit seinem Erlebnis mit den Dementoren sowieso noch hirnverbrannter als gewöhnlich. "Wie können sie es riskieren, ihn überhaupt rauszulassen?"; zischte Draco Crabbe und Goyle zu. "Wer weiß, beim nächsten Dementor dreht er vielleicht durch, kriegt Schaum vorm Maul und fängt an, die Leute niederzumetzeln. Der Kerl ist doch eine echte Gefahr für die Allgemeinheit!"

Als wolle Potter die Wahrheit dieser Worte beweisen, kletterte er plötzlich über den Zaun zu den Hippogreifen hinüber. Mit festen Schritten trat er auf eines der Tiere zu, ganz der blöde Angeber, der keine Gelegenheit ausließ, den Helden zu spielen und sich in den Mittelpunkt zu stellen. Die bewundernden 'Ohs' und 'Ahs' in den Kehlen seiner Mitschüler mussten wie Musik in seinen Ohren klingen.

"Guter Junge, Harry," plärrte Hagrid und verstärkte damit unwissentlich Draco's Wunsch jemanden mit einem guten Schockzauber zu belegen. "Nun woll'n wa doch mal sehen, wie du mit Buckbeak zu Streich kommst."

Hoffentlich war Buckbeak hungrig, aggressiv und in durch und durch schlechter Stimmung. Ein Haps mit diesem Schnabel und das Potterproblem war auf ewig gelöst.

Vielleicht konnte man ja auch ein wenig nachhelfen und mit Eicheln und kleinen Zweiglein auf das Greifenvieh werfen?

Schade nur, dass es keine Möglichkeit gab, einen solchen Coup unerkannt durchzuziehen. Dafür war die Aufmerksamkeit der Klasse zu exklusiv auf Greifenvieh und Pottervieh gerichtet, während letzteres vor ersterem in eine hastige Verbeugung sank.

Fass! Jetzt beiß schon zu, Buckbeak! Hol dir das leckere Pottyhändchen!"

Leider tat Buckbeak nichts dergleichen. Er verbeugte sich ebenfalls und ließ sich sogar von Potter's Dreckspfoten streicheln. Die Klasse jubelte und applaudierte und dann, als wäre der Angeberei noch nicht Genüge getan, schlug Hagrid Pottervieh ernsthaft vor, auf Greifenvieh zu reiten.

Einen Augenblick lang schien es endlich, als habe Potter der Mut verlassen. Hilfesuchend hielt er in der Menge nach den Gesichtern seiner Freunde Ausschau, als erwarte er Unterstützung von ihnen. Draco nutzte sogleich die Gelegenheit, ihn mit einem höhnischen Grinsen zu beglücken.

Aber als sich ihre Blicke trafen, wurden Potter's Augen hart und er wandte sich wieder seiner Aufgabe zu. Alle Angst schien plötzlich von ihm abgefallen zu sein, als er Hagrid's Aufforderungen Folge leistete und auf den Rücken des Hippogreifs kletterte. Er klammerte sich an den Federn fest, während das gewaltige Tier aufstand und seine mächtigen Schwingen ausbreitete. Sie schienen noch riesiger zu sein als die Flügel der granianischen Pferde, aber sie schimmerten in genau demselben stählernen Grau.

"Auf geht's!" schrie Hagrid und klopfte dem Greif auf die Hinterhand.

Ein Windstoß erfasste Draco, als die Flügel wild zu schlagen begannen und den gewaltigen Körper des Greifen in die Lüfte erhoben. Potter lehnte sich nach vorne, umfasste den Hals des Tieres und verschaffte sich daran Halt. Seine Hände griffen in das grauschimmernde Gefieder, die Muskeln seiner Oberschenkel spannten sich; sein ganzer Körper schien plötzlich sehniger, drahtiger, mit einem Wort geschmeidiger zu werden.

Er suchte und fand den harmonischen Einklang mit seinem Reittier. Stolz, Kampfgeist und eine natürliche Würde verband sie beide, als sie sich in majestätischer Haltung gen Himmel schwangen und zu einem Schatten über den Bäumen wurden.

Mit ohnmächtiger Wut starrte Draco ihnen hinterher, während sie langsam aus seinem Blickfeld entschwanden. Eine wohlvertraute Hitze wallte in ihm empor, jagte das Blut durch seine Adern. Mit einer fast körperlichen Anstrengung zwang er sie nieder; konnte das nicht warten, bis er allein in seinem Bett lag, oder unter der Dusche stand, oder sich zumindest irgendwo aufhielt, wo keine verdammten zwanzig Schüler um ihn herumstanden? In den letzten Wochen und Monaten hatte sein Körper sich wie ein Feind verhalten; er reagierte wann und wo es ihm passte, wuchs wie es ihm gefiel und diese verdammte Wronski Finte bekam er trotz aller Trainingsversuche nicht hin, ohne dabei im Dreck zu landen und sich die Nase blutig zu schlagen.

Und wenn er nicht bald mit dieser verdammten Süßigkeitenfutterei aufhörte, dann würde er diese verfluchten Pickel niemals loswerden, soviel stand fest.

Ohrenbetäubender Jubel empfing Potter nur wenige Minuten später bei seiner Landung. Selbst einige Slytherins schienen gegen ihren Willen beeindruckt zu sein. Zwar gingen sie nicht soweit, dem Gryffindoof zu applaudieren, doch ihre überraschten und anerkennenden Mienen waren ihm wie ein Stachel in der Seite. Wenn das alles so einfach war, warum war nicht er als erster auf dieses Greifenvieh gestiegen? Er konnte schließlich reiten, während Potter, dieser Blödian, wahrscheinlich noch nie zuvor in seinem Muggleleben ein magisches Tierwesen auch nur gesehen hatte, geschweige denn auf einem geritten war.

Im Endeffekt war so ein Greif auch nicht anders als ein dämliches Pferd. Draco machte, dass er über den Zaun kam, um wenigstens jetzt noch seine Ehre zu verteidigen. Aber Potter's Erfolg hatte inzwischen auch die anderen soweit angespornt, dass sie zu den Viechern hinüber kletterten und mit ihren ungeschickten Annäherungsversuchen begannen.

Es war alles überhaupt kein Problem. Buckbeak erwiderte die Verbeugung sofort und ließ sich sogar den Schnabel streicheln.

Nur dass es jetzt nichts Besonderes mehr war.

"Das ist echt einfach," beeilte er sich, Crabbe und Goyle zu erklären und vergewisserte sich mit einem Seitenblick, dass Potter ihm zuhörte. "Aber das war sowieso klar, sonst hätte Potter es gar nicht zustande gebracht. Ich wette, du bist nicht mal gefährlich, oder? Oder etwa doch, du hässliches großes Dummviech?"

"Aaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh!"


* * *




Es hat mich getötet! Dieses verfluchte Drecks-Greifenvieh hat mich getötet! Es hat mich aufgeschlitzt wie die Geier Prometheus! Oder Adler. Auch egal, was das für Viecher waren.Ich werde elendiglich verbluten und es ist alles die Schuld von diesem Riesentölpel Hagrid. Er wird mir dafür büßen, das schwöre ich!

Und Potter's Schuld. Natürlich ist es Potter's Schuld. Ich weiß zwar noch nicht warum, aber das fällt mir schon noch ein. Mittlerweile kann ich ja schon eine komplette Liste zusammenstellen mit all den Leuten, die an meinem Unglück schuld sind und die mir für irgendetwas büßen müssen. Und die Liste wird lang. Verdammt lang.

Nummer eins, Potter. Nummer zwei, Potter. Nummer drei, Potter. Nummer vier... hm... Hagrid. Nein, Nummer vier, Buckbeak, Nummer fünf, Hagrid. Den beiden hab' ich es schließlich zu verdanken, dass ich hier im Krankenflügel rumliege, dass mir langweilig ist, dass mein Arm höllisch wehtut und dass ich das erste Quidditch Training des Schuljahres verpasse.

Ganz zu schweigen von den Schmerzen und der bitteren Schmach.

Wer weiß, ob mein Arm jemals wieder in Ordnung kommt. Vielleicht sind Hippogreifenzähne ja giftig. Und was, wenn ich eine Narbe behalte? Ich will keine eklige Narbe wie der eklige Potter!

Verdammt, verdammt, verdammt!

Ich muss sofort einen Brief an Vater schreiben. Vater soll dafür sorgen, dass dieser zu groß geratene Neandertaler mitsamt seinen Viechern von der Schule fliegt.

Währenddessen sollte ich die übrige Zeit nutzen, um etwas wegen des Potterproblems zu unternehmen. Meine beste Möglichkeit den Kerl loszuwerden, ist immer noch Sirius "Ich bin ein wahnsinniger Killer" Black, aber selbst wenn ich mit diesem Irren Kontakt aufnehmen könnte, würde ich es lieber doch nicht riskieren. Ich will nicht in Stücke gehext werden.

Crabbe und Goyle brauch' ich gar nicht erst zu fragen, aber vielleicht fällt Pansy ja was ein.

Pansy ist toll. Sie weiß wie man Pickel wegflucht, ohne dass einem dabei die Nase abfällt und sie kennt Frisurenzauber ohne Ende. Der Nachmittag fing - trotz meines Martyriums - gerade an, sich endlich etwas angenehmer zu gestalten, da kreuzte die blöde Schnepfe Pomfrey auf und scheuchte Pansy zurück zum Unterricht. Oh, Mr. Malfoy, wenn es Ihnen schon wieder so gut geht, dann könnten Sie doch eigentlich auch...

Sofort lege ich mich wieder hin und ziehe ein leidendes Gesicht. Wenn ich schon nicht zum Quidditch darf, dann kann sie auch nicht verlangen, dass ich zum Unterricht gehe. Außerdem ist es der rechte Arm, das heißt, ich kann im Moment weder schreiben, noch meinen Zauberstab benutzen. Was soll ich also da?

Draußen vor dem Fenster schwebt etwas Großes Dunkles vorbei. Sicherheitshalber verkrieche ich mich unter der Decke, damit es mich nicht sieht. Bei diesen Dementoren weiß man ja nie.

Oh, es ist nur eine Eule. Na ja dann...

Wenn der alte Tattergreis die Dementoren nicht im Schloss haben will, dann kommen sie hier auch nicht rein. Genauso wenig wie Sirius Black. Sollte Potter jedoch das Schloss verlassen, wäre er theoretisch ungeschützt und damit leichte Beute.

Aber warum sollte Potter sich in die Nähe eines Wahnsinnigen begeben, der ihn umbringen will? Nur ein hirnverbrannter Trottel würde so etwas tun.

Moment mal, Potter IST ein hirnverbrannter Trottel!

Ich glaube, ich kann morgen wieder zurück zum Unterricht. Wenn ich's mir recht überlege, dann tut mein Arm schon gar nicht mehr so weh...


* * *




April 31, 1979

Stechend wie ein Giftpfeil raste der Schmerz durch seinen Arm, er zuckte zusammen, ballte die Hand zur Faust und unterdrückte einen Schrei. Zwar hatte er damit gerechnet, dass sein ehemaliger Meister bald nach ihm verlangen würde, denn seit der letzten Versammlung war schon zu viel Zeit verstrichen. Aber nichts konnte einen Mann auf diesen kurzen Moment äußersten Schmerzes vorbereiten und noch weniger auf die Panik, die ihm folgte.

Er ruft mich ... was soll ich diesmal für ihn tun? Welche Verbrechen in seinem Namen begehen?

Ein Bild erstand vor seinem geistigen Auge, das Bild einer Waldlichtung inmitten schwarzer, turmhoher Bäume. Uralte Steine, sieben an der Zahl, erhoben sich wie Mahnmale aus dem Gras, einsame Wächter, die einen runden Platz umsäumten und das fallende Mondlicht in ihre Bahnen lenkten. Er konnte ihre stummen Gestalten genau vor sich sehen, ihre zerklüfteten Konturen, ihre schummrigen Silhouetten gegen die mondbeschienene Wiese.

Erst als er seine Augen öffnete und in ihrer Mitte den achten Stein erblickte, schimmernd weiß und von Menschenhand gemeißelt wie ein Altar, wurde er gewahr, dass sein ehemaliger Herr ihn nicht gerufen hatte, um Terror zu verbreiten oder Pläne zu seiner Machtergreifung zu schmieden. Hier ging es weder um eine Strategieplanung noch um einen nächtlichen Angriff. Nein, hier ging es um die Vereinigung zweier Seelen unter dem Banner des Dunklen Lords. Bevor die getreuen Diener im Licht des Tages und vor den Augen der Welt einen solchen Bund schließen durften, mussten sie dies in der Dunkelheit vor den Augen ihres Meisters tun. Er selbst hatte einer solchen Zeremonie bereits einmal beigewohnt und erinnerte sich nicht gerne daran.

Nein, es half nichts, über Vergangenes nachzugrübeln. Sie gehörte einem anderen und keine Macht der Welt konnte etwas daran ändern.

Aber eines Tages, wenn all dies hier vorüber war...

Düstere Gestalten formten sich aus der Schwärze, geisterhaft schimmerte das Weiß ihrer Masken in der Luft, als würden ihre Gesichter haltlos über dem Boden schweben. Inmitten des ersten Kreises bildeten die Todesser einen zweiten, glatt und fließend anstatt zerklüftet, doch ebenso stumm und schemenhaft.

Es waren mehr als sonst. Da es sich hier um ein Hochzeitsritual handelte, wurden auch nicht-gezeichnete Familienmitglieder zugelassen. Manche der Gestalten waren Frauen, andere schienen noch nicht einmal das Erwachsenenalter erreicht zu haben. Sie trugen keine Masken, hatten jedoch die Kapuzen ihrer Umhänge tief ins Gesicht gezogen und hielten ihre Blicke erwartungsvoll auf die Mitte des Kreises gerichtet.

Würde diesen Kindern dasselbe Schicksal widerfahren wie ihren Eltern? Würden auch sie eines Tages, jung und blind, den Lehren dieses Fanatikers folgen?

Schwarz und schattenhaft war die Gestalt seines ehemaligen Meisters hinter dem achten Stein, durchzogen von Ornamenten aus Silber. In dieser Nacht hatte er es sich nicht nehmen lassen, eine seiner zeremoniellen Roben zu tragen, um die Bedeutsamkeit des Anlasses zu würdigen. Die Symbole und Bilder, die den dunklen Stoff seines Umhangs und seiner Ärmel gestalteten, waren alt und mächtig, ihre Bedeutungen heutzutage nicht mehr vielen Magiern bekannt. In einem endlosen Kreislauf erschienen die Zeichen, gingen ineinander über, um kurz darauf wieder zu verblassen. Sie zeugten von Entstehung und Verfall, von Erschaffung und Untergang, von Beständigkeit, Vergänglichkeit, Ewigkeit. Ebenso wie die Steine, welche die Lichtung säumten.

Er sog leise den Atem ein. Sein ehemaliger Meister hatte es stets verstanden, seinen Auftritten eine gewisse Dramatik zu verleihen.

Nein, Melodramatik traf es besser. Es war erschreckend, wie klar er die Dinge plötzlich sehen konnte, unberührt, frei von Emotionen. Frei von der Verblendung durch sinnlose Ideologien. Er sah die Gestalt des Dunklen Lords, er hörte eine hochtrabende Rede über die glorreiche Zukunft, den Fall der freien Welt, die neue Herrschaft der reinblütigen Magier über die unwürdigen Muggles und Mugglegeborenen, angereichert mit Metaphern, Emotionen, Intonationen und Kunstpausen an den richtigen Stellen. Es war eine Farce, nichts weiter. Der Dunkle Lord hatte sich nie etwas aus solchen Idealen gemacht, er nutzte sie lediglich für seine Zwecke.

Sein Plan, dessen war er sich nun sicher, war ein völlig anderer. Und wenn er auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht wusste, worin dieser Plan bestand, so würde es doch bald seine Aufgabe sein, ihn herauszufinden. Und er durfte, nein, er würde nicht scheitern.

Drei einzelne Todesser traten vor, küssten ihrem Meister den Saum und erhoben sich, um ihre Positionen einzunehmen. Zwei von ihnen hielten magische Gegenstände in ihren Händen, einen goldschimmernden Kelch, dessen Verzierung die Sonne darstellte und einen silbrig blitzenden Dolch, dessen gewundene Klinge wie eine Mondsichel geschwungen war.

Sie gingen um Lord und Steinblock herum, traten links und rechts neben ihn, oder besser gesagt hinter ihn, denn es wäre ja die reinste Blasphemie gewesen, sich mit ihrem Herrn auf ein- und dieselbe Stufe zu stellen. Ein Wunder, dass der Lord nicht darauf bestand, sich auf einen Sockel zu stellen, um dort über den Dingen zu thronen.

Rasch senkte er den Blick, um sich nicht zu verraten. Solche Gedanken waren nicht nur äußerst närrisch, sondern zudem auch noch gefährlich. Aber er war schon zu lange jung und blind gewesen.

Der dritte Todesser blieb vor dem steinernen Altar stehen, warf die Kapuze zurück und nahm seine Maske vom Gesicht. Auch er hielt etwas in den Händen, einen Riemen aus Leder, den er mit einer ehrfürchtigen Verbeugung vor seinen Meister auf den Marmorblock legte.

Ein vierter Todesser trat aus den Reihen, doch es war seine Begleiterin, welche die Blicke aller Anwesenden auf sich zog. Eine junge Frau, schlank und hochgewachsen, und als einzige der bizarren Zusammenkunft trug sie Weiß. Unter dem zarten Schleier, der ihr Gesicht verbarg, blickten ihre Augen starr und unbeweglich geradeaus. Ihr langes blondes Haar schimmerte über dem fließenden Stoff ihres Gewandes.


"Istave Lestrange, stehst du heute hier vor uns, um im Angesicht deines Meisters und seiner Getreuen, zu denen auch du dich zählst, den Bund zwischen deiner Tochter Narcisse Beatrice Lestrange und Lucius Abraxas Dorian Malfoy zu schließen?

die kalten knochigen finger ihres vaters welche sich um die ihren schlossen jede seiner berührungen kalte schauer über ihren rücken war eis schwärze war tod ruhig ruhig er kann dir jetzt nichts mehr tun aus und vorbei aus den händen ihres vaters übergangslos in die hände eines anderen mannes verkauft als unterpfand hin und hergeschoben wie eine figur auf einem spielbrett war dies freiheit oder nur erneute fessel niemals wieder vater's launen und den kleinkrieg mit ihren schwestern würde sie kämpfen würde sie sich reglos in ihr schicksal fügen kämpfen oder abwarten planen sich sehnen vergessen schwimmen oder untergehen das zeichen des drachenträgers hat sich zwischen skorpion und schütze geschoben unerlaubt kriegerisch hoffnungsvoll ihr geheimnis ihre hand an der wiege mordred hielt ein schwert aus licht um es dem meister ins herz zu stoßen mutter war eine puppe weiß und hell und lächelnd und doch war dunkelheit in ihr war ein abgrund war bodenlose leere...


"Lucius Abraxas Dorian Malfoy, stehst du heute hier vor uns, um im Angesicht deines Meisters und seiner Getreuen, zu denen auch du dich zählst, den Bund mit Narcisse Beatrice Lestrange einzugehen?"

mit welcher demut welcher würde stand dieser mann vor seinem meister hatte er jemals zweifel empfunden oder angst verspürt vor den schreienden stimmen in seinem geist die nie verstummten er brachte schmerz folter und tod über sie dieselben kühlen grauen Augen wie florence dieselbe arrogante haltung derselbe schritt in eine verbindung die er nicht gewählt hatte noch vor monaten war all dies gut und richtig gewesen das buch der geheimnisse eine armee aus monstern fiel über die welt her zerstörte zertrümmerte verschlang nein er war nicht wie lucius er würde es nicht zulassen seine hände umklammerten den silbernen dolch des mondes um ihm seinem meister zu überreichen am liebsten würde er in ihm ins herz stoßen nein nicht ansehen nicht in die Augen nicht verraten das buch er musste es stehlen ein fehler der dolch in den händen des meisters treue geschworen ein schwur gebrochen seine familie verraten wie sein bruder und die stimmen in seinem geist schrieen...


"Werdet ihr die Kinder, die aus eurer Verbindung hervorgehen im Geiste unserer Gemeinschaft erziehen und werdet ihr, wie es unser Grundsatz verlangt, euren erstgeborenen Sohn in den Dienst eures Meisters stellen, sobald er seiner bedarf?"

warum du warum meine kleine schwester zuerst das war nicht gerecht sie hätte mit der hochzeit warten müssen diese schlange sie würde vater nicht den männlichen erben schenken würde heute nacht nicht empfangen der goldene kelch der sonne in ihren händen ihre fingernägel kratzten schrill über das blanke metall sie reichte ihn lucius reichte ihn narcissa trink ein dunkler fleck auf dem brautschleier gib acht schwesterchen du närrin du weißt nicht was dieser trank bewirkt ich bin stärker als du bin die engste vertraute des meisters seine sklavin seine prinzessin werde nicht zulassen dass er fällt seine macht wird ewig reichen er wird die welt beherrschen ich kenne seine pläne kenne die zauber die monster die neue herrschaft ein verräter ist hier ich spüre ihn ist es meine schwester ist es mein schwager ein fremder die alte welt wird fallen die unwürdigen vernichtet blut blut blut ich bade in ihrem blut sie folterte sie lachte ihr sohn war vaters erbe blut blut blut blut blut blut blut...


"Aleph, der Urbeginn, das Zeitalter des Stiers. Im Anfang, als noch alles eins war, waren wir noch nicht durch Verschiedenheit voneinander getrennt. Diese Zeit ist längst vergangen, doch in unseren Seelen bleibt sie auf ewig lebendig."

seine hand hielt den mondendolch ritzte den buchstaben anfang in den lederriemen eine welt ohne körper ohne fleisch ohne tod das zeitalter der seelen der unsterblichkeit am ende am anfang der zweiundzwanzig pfade die festung der zehn sephiroth kein licht keine dunkelheit nur macht und diejenigen die zu schwach sind sie zu ergreifen ezhachaim baum des lebens der narr am anfang die narren sie verstehen nichts nichts nichts sie folgen mir blind glauben die lügen versprechungen reinblüter halbblüter magier muggles alle nieder alle schwach alle fleisch alle dreck alle sterblich ezhamavid baum des todes zurück zurück zum anfang zurück zur unsterblichkeit das rad des schicksals zweiundzwanzig bilder dreiundzwanzig seelen ja ich geb sie euch nährt euch trinkt sie saugt sie aus sammelt schattenmädchen sammelt schattenjungen ich will ezhamavid für euch bauen für mich das rad dreht sich rückwärts rückwarts rückwarts im anfang ist alles eins oh unsterblichkeit...


"Cheth, der Zaun, die Trennung zwischen uns. Aus der Einheit wurde die Vielheit. In Zeit und Raum, Licht und Dunkelheit, Materie und Geist wurden wir gespalten."

sein meister seine hand schrieb den zweiten buchstaben in das leder sein püppchen ihre hand in der hand eines feindes meister verlangte es er gehorchte er hatte sie gewählt wollte sie nicht länger um sich haben sie war falsch falsch wie alle frauen ihr haar wie beatrice ihr blut vergiftet das blut trägt die magie er musste es tun musste das blut vertauschen ihr blut geflossen ihre seelen verloren er macht es wieder gut, kann den tod überwinden angélique beatrice er holte sie zurück ein ungeheuer so sanft so still mein püppchen so fügsam immer artig du musst artig sein sie folgte ihm sie verging er wollte mehr noch mehr püppchen sie saßen in seinem puppenhaus sie lächelten keine war so schön wie sie doch sie waren alle schön alle gleich kunstwerke sein meister überließ sie ihm die dementoren brauchten nur die seelen doch nicht ihre körper die waren nutzlos konnten sie nicht essen püppchen waren gut frauen falsch angélique beatrice camille narcisse marie alle falsche schlangen...


"Daleth, das Tor, das sich öffnet, um die Grenze zu überwinden. In unserer Vielheit streben wir wieder nach Vereinigung. Wir können das Tor durchschreiten und unser Sein miteinander verschmelzen."

des meister's hand schrieb den dritten buchstaben die verbindung war nicht schlecht narcissa war reich schön reinblütig aus alter familie er war zufrieden sie schien auch nicht dumm zu sein sollte sie sich als langweilerin herausstellen würde er anderorts trost finden zweifellos die feindschaft der malfoys und lestranges war dem meister nützlich gewesen konkurrenz belebt das geschäft aber es war zu viel die aurori wurden gefährlicher sie mussten jetzt enger zusammenstehen durften nicht mehr so viel gegeneinander intrigieren das letzte duell hatte den meister zwei seiner diener gekostet onkel dorian war ein narr gewesen aber gut dadurch fiel er wenigstens raus aus der erbfolge florence war ja versorgt sie mussten sich auf die zukunft konzentrieren dieser verfluchte phoenixorden macht nichts als schwierigkeiten dumbledore war ein gefährlicher gegner aber wenn alles nach plan verlief und der lord seine armee der finsternis aufstellte würde das ministerium fallen und auch hogwarts...


"Achad, die Einheit. Aus der Einheit wurden wir geschaffen, und zur Einheit sollen wir wieder werden. Die Vielheit kann nicht trennen, was zur Einheit bestimmt ist."

ein wort die drei buchstaben bildeten ein wort auf dem lederriemen das wort einheit ihre große schwester war jetzt verbunden mit diesem mann aus der malfoy familie sie wohnte nicht mehr bei ihnen zu hause der meister nahm den monddolch ritzte die beiden hände leicht an und band sie mit dem riemen aneinander zum ersten mal durfte sie dabei sein zum allerersten mal sie musste alles dem prinzen erzählen aber erst später wenn sie allein war der prinz war ihr geheimnis ein versprechen ihre hände umklammerten ihre spieluhr in ihrer tasche das kleid der prinzessin war gelb sie durfte sie nicht herausholen nicht jetzt vor den anderen sie sah den meister er ritzte auch seine eigene hand leicht an ließ ein paar tropfen seines blutes auf den lederriemen fallen die einheit war rot das ritual beendet sie würden jetzt nach hause gehen und sie konnte mit ihrem prinzen sprechen der meister führte ihre schwester fort wohin wusste sie nicht sie verschwanden nur mondlicht glomm auf den steinen...


"Meine Diener, ihr seid entlassen."

die stimme seines ehemaligen meisters hallte in der dunkelheit wider doch er selbst war verschwunden hatte die braut mit sich fortgenommen so wie es sein recht war jus primae noctis auch florence hatte er an jenem tag mit sich fortgenommen die todesser zerstreuten sich er musste handeln schnell handeln bevor jemand den dolch des mondes vermisste die gelegenheit war günstig regulus war unaufmerksam nicht wie camille deren hände sich besitzergreifend um den kelch der sonne legten sie konnte man nicht täuschen mond und sonne dolch und kelch männlich und weiblich nur symbole die nichts bedeuteten war es ein fehler würden sie ihn erwischen und töten gab es überhaupt eine möglichkeit ihn zu besiegen, er war hilflos, er war machtlos, der Dunkle Lord schien unbesiegbar zu sein und zu viele waren ihm treu, als dass sein Verrat unerkannt bleiben konnte. Aber er musste es zumindest versuchen...

Wofür eigentlich? Gab es irgendetwas, woran er glaubte, das er sich erhoffte. Die Mitglieder des Phönixordens hatten ihre Ideale, sie redeten von Freiheit, von Gemeinschaft, von Liebe und all diesen sinnlosen Begriffen, die ihm selbst ebenso irreal erschienen wie die Ideale der Todesser. Manchmal fragte er sich, ob es in dieser Welt der Ideale überhaupt noch Platz für Menschen wie ihn gab.

Aber egal, er konnte schlecht eine dritte Partei mit sich selbst aufmachen. Er musste sich entscheiden und er hatte sich entschieden.

Die Todesser waren fort, die Lichtung jetzt wieder ebenso leer und verlassen wie zuvor. Sie verschwand hinter ihm in einem Wirbel aus Schatten und Formen.

Er Apparierte nicht weit, nur bis zum vereinbarten Treffpunkt.

"Ich hatte schon befürchtet, Sie würden es nicht schaffen." Sein Gesprächspartner stand im Schatten einer mächtigen Eiche, die Kapuze seiner schwarzen Robe tief ins Gesicht gezogen.

"Ich bin hier, wie Sie sehen." Als er nähertrat, konnte er erkennen, dass die Robe nicht schwarz, sondern mitternachtsblau war. Der andere Zauberer sah ihm mit prüfendem Blick entgegen.

"Und? War Ihrer Mission Erfolg beschieden?"

"Allerdings." Er holte den Dolch hervor, an dem noch das Blut klebte. "Das Blut des Dunklen Lords, genau wie Sie es verlangt haben. Ich gehe nicht davon aus, dass Sie mir verraten werden, was Sie damit vorhaben."

"Es tut mir leid, aber das wäre zu gefährlich für Sie." Mit einem Zauber verbannte die Gestalt die wenigen dunklen Tropfen in einen winzigen Flakon, den sie sorgfältig wieder verschloss. "Sie sollten jetzt lieber den Dolch zurückbringen, bevor Voldemort merkt, dass er verschwunden ist und danach suchen lässt. Er könnte Sie verdächtigen, etwas mit dem Diebstahl zu tun zu haben."

"Nein, ich denke eher, dass er in diesem Fall jemand anderen verdächtigen würde. Aber Sie haben Recht, wir sollten es nicht darauf ankommen lassen. Nur eines noch, es ist möglich, dass das Blut nicht ausschließlich seines ist. Der Dolch wurde in einem Ritual benutzt und es kann sein, dass sich noch Blut von anderen Personen daran befand."

"Nur keine Sorge." Der Zauberer lächelte beruhigend. "Sie können sicher sein, dass sich die Magie, für die wir dieses Blut verwenden, nur gegen Voldemort selbst richten wird. Wir haben nicht vor, anderen damit zu schaden."


* * *




..............................................................Wednesday, September 2nd




Lieber Vater,


Ich schreibe Dir, um Dir mitzuteilen, dass ich heute morgen von einem riesigen Monster-Killer-Hippogreifen-Vieh, angefallen, aufgeschlitzt und beinahe in Stücke gehackt wurde. Ich liege schwer verletzt im Krankenflügel und ich bin noch gerade so mit dem Leben davongekommen, sagt Madam Pomfrey.

Falls Du Dich wunderst, warum ich mit der linken Hand schreibe, mein rechter Arm ist im Moment ziemlich unbrauchbar. (siehe oben)

Besitzer besagten Viehs ist dieser gewissenlose Wildhüter Hagrid, der vorgestern aus unerfindlichen Gründen von Dumbledore zum Lehrer für Magische Geschöpfe ernannt wurde. Anstatt sinnvollen Unterricht zu geben, wozu dieser unfähige Einfaltspinsel offenbar nicht in der Lage ist, hat er unsere Klasse in ein Gehege voller Hippogreifen gesperrt.

Und ich bekam es mit einem ganz besonders gefährlichen und bösartigen Tier zu tun. Es fiel über mich her und das Nächste, woran ich mich erinnern konnte, war, dass ich hier im Krankenflügel aufgewacht bin.

Ich bin nur froh, dass ich noch lebe. (Und dass sie mir den Arm nicht abnehmen müssen.)

Sag' Mutter, dass ich sie liebe und dass ich nicht sterben werde (es sei denn, ich werde an inneren Verletzungen zu Grunde gehen, die Madam Pomfrey übersehen hat) und vielleicht solltest Du besser Riechsalz bereithalten, wenn Du ihr erzählst, was geschehen ist.


In Liebe,
Dein Sohn Draco


P.S. Der Hippogreif heißt Buckbeak.


* * *




Thursday, September 3rd

Draco schwänzte Kräuterkunde; er hatte keine Lust auf Dreck und eklige bissige Pflanzen. Er hatte schlecht geschlafen und noch schlechter geträumt.

Dabei hatte sein Traum so gut angefangen. Sie befanden sich mitten im Quidditch Finale, Slytherin gegen Gryffindor mit Slytherin in Führung, und beinahe wäre es ihm gelungen, Potter den Snitch vor der Nase wegzuschnappen. Doch als er gerade seine Hand ausstreckte, um den kleinen goldenen Ball zu umfassen, hörte er plötzlich Zischlaute hinter sich. Es war Potter und er redete in dieser verfluchten Schlangensprache, die Draco natürlich nicht verstand, die ihm aber trotzdem das Blut in den Adern gefrieren ließ. Seine Nackenhaare stellten sich auf, ein heftiges Zittern fuhr durch seinen Körper und der Snitch entglitt seinen Händen, um auf Nimmerwiedersehen in einem düsteren Nachthimmel zu verschwinden.

Draco schreckte aus dem Schlaf hoch. Ihm war heiß anstatt kalt, das Haar hing ihm verschwitzt ins Gesicht, und die feuchten Schlafroben klebten unangenehm auf der bloßen Haut.

Normalerweise pflegte er an solchen Tagen eine ausgiebige Dusche zu nehmen und es sich dort mit einer seiner Lieblingsphantasien bequem zu machen, wie etwa Potter verprügeln, Potter vom Besen stoßen, oder Potter mit einem Folterfluch belegen und kalt lächelnd dabei zusehen, wie sein Erzfeind sich wimmernd und stöhnend vor ihm am Boden wand. Doch leider blieb ihm dank seines verletzten Armes auch dieses Vergnügen versagt. So war er in extrem schlechter, um nicht zu sagen, frustrierter Stimmung, als er am späten Vormittag in den Zaubertränkeunterricht stolzierte.

Natürlich erst, als die Stunde schon begonnen hatte, um seinem Auftritt auch die angemessene Würde zu verleihen.

"Wie geht's dir, Draco?" fragte Pansy mitfühlend. "Tut's noch sehr weh?"

Inzwischen tat es das nicht mehr, aber so ein wenig Mitgefühl war doch Balsam für die Seele. Einen Augenblick lang spielte er sogar mit dem Gedanken, sich auf den Platz neben ihr zu setzen, den sie offenbar für ihn freigehalten hatte. Allerdings hatten auch Vince und Greg ihm einen Platz freigehalten, und sie besaßen zweifelsfrei die älteren Rechte.

Doch im nächsten Moment ignorierte er sowohl das eifrige Winken seiner Freunde als auch Pansy's hoffnungsvolles Gesicht und setzte sich neben niemand anderen als Harry Potter.

Draco Malfoy neben Harry Potter?

Ein Tuscheln brach unter den verwirrten Schülern aus, gefolgt von ungläubigen und misstrauischen Blicken.

Selbst Professor Snape schien sich zu wundern. Er sagte jedoch nichts dazu, sondern rief die Klasse zur Ordnung und begann die Zutaten für eine Schrumpflösung auf der Tafel erscheinen zu lassen.

Draco war es einerlei. Er hatte schon seine Gründe für diese ungewöhnliche Platzwahl. Grinsend hängte er seinen Kessel in die Vorrichtung über der Feuerstelle und begann, seine Sachen auszupacken. Potter und Weasley rückten vorsichtshalber gleich ein Stück von ihm weg, um einen gebührenden Sicherheitsabstand zwischen ihn und sich zu bringen.

Was ihnen allerdings nicht viel helfen würde. Ohne große Mühe rearrangierte Draco sein Grinsen zu einer unschuldig-hilflosen Jammermiene und hob die linke Hand. "Sir? Sir, ich bräuchte Hilfe, um diese Gänseblümchenwurzeln klein zu schneiden. Wegen meines Arms..."

"Weasley, Sie zerkleinern Malfoy's Wurzeln."

Strike! Hämisch blickte Draco in Weasley's Gesicht, welches sich langsam aber sicher knallrot verfärbte. "Mit deinem Arm ist alles in Ordnung," protestierte der Gryffintrottel wütend, nahm aber dann doch die Wurzeln und begann sie in grobe Stücke zu hacken. "Professor," jammerte Draco, "Weasley verstümmelt meine Wurzeln, Sir!"

Professor Snape blickte Weasley mit seinem allerbösesten Gesichtsausdruck an, aber trotzdem hätte Draco schwören können, ein verräterisches Zucken in seinen Mundwinkeln zu sehen. "Tauschen Sie ihre Wurzeln mit Malfoy, Weasley."

Draco biss sich auf die Lippen, um nicht laut loszulachen. Weasley's wütend-dümmlicher Gesichtsausdruck war einfach nur zum Schreien. Eigentlich schade, dass Potter's kleine Mistkäferkröte nicht hier war, um diesen Moment auf Celluloid zu bannen.

Potter selbst sagte nichts zu alledem. Vielleicht traute er sich nicht, wenn Snape in der Nähe war, vielleicht fiel ihm einfach nur keine passende Retourkutsche ein. Aber egal, der Narbenkopf würde schon noch sein Fett abkriegen, denn seinetwegen war er schließlich hier. Weasley-Ärgern war nur schmückendes Beiwerk.

"Ach, Sir," fügte Draco mit einem Seitenblick auf seinen Erzrivalen hinzu, "jemand müsste mir diese Schrumpelfeige häuten."

"Potter, häuten Sie Malfoy's Schrumpelfeige."

Soweit so gut, aber trotz seiner mörderischen Blicke und seiner vor Wut zitternden Hände behielt Potter die Nerven und sagte nicht ein einziges Wort. Er schien es sich in den Kopf gesetzt zu haben, sich heute nicht von Draco provozieren zu lassen.

Auch wenn dieser es sich immer noch einzureden versuchte, dass es mangelnde Schlagfertigkeit oder gar Feigheit war, die seinem Feind die Sprache verschlagen hatte, war ihm längst klar geworden, dass es sich um etwas ganz anderes handelte. Es war Stärke, die Potter schweigen ließ. Er wollte sich nicht von ihm ärgern lassen; er wollte Draco und seine kleinen Sticheleien einfach beiseite schieben, und sich davon nicht den Tag verderben lassen.

So, du glaubst also, dass du mich ignorieren kannst, Mistkerl? Wollen wir doch mal sehen, wie lange du das durchhältst!"

"Hast du deinen Kumpel Hagrid letztens gesehen?" fragte Draco mit zuckersüßer Stimme. Potter's Freunde zu beleidigen, war immer noch die älteste und am meisten bewährte Methode, ihn zu einer Reaktion zu zwingen.

Aber wieder war es nur Weasley, der ihm antwortete. "Geht dich nichts an," knurrte er, ohne aufzublicken.

Doch Draco hatte ja gerade erst begonnen. "Ich fürchte, er wird nicht mehr lange unterrichten," seufzte er voll des falschen Bedauerns. "Vater war nicht gerade glücklich über meine Verletzung - "

Komm schon, Potter. Immerhin geht es darum, dass dein Wildschweinfreund seine Stelle verliert. Das kann dir doch nicht egal sein.

"Wenn du nicht gleich die Klappe hältst, Malfoy, dann verpass' ich dir 'ne richtige Verletzung!"

"- er hat sich beim Elternbeirat beschwert. Und natürlich auch beim Ministerium. Vater ist schließlich außerordentlich einflussreich, wie ihr wisst."

Verdammt, mach' endlich den Mund auf, du elender Bastard! Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mich so von dir abschreiben lasse? Ich krieg' dich und wenn ich deine sämtlichen Freunde und Familienmitglieder vom Großonkel deines Vaters bis zur Cousine dritten Grades deiner Mutter beleidigen muss!

"Und eine langanhaltende Verletzung wie diese..." Ein tiefer Seufzer unterbrach Draco's Lamentei. "Wer weiß, ob mein Arm jemals wieder derselbe sein wird.

"Also, deshalb ziehst du hier so eine Show ab. Weil du erreichen willst, dass sie Hagrid rausschmeißen."

Nein, Potter, sondern weil ich dir eins reinwürgen will. Und wie es scheint, ist mir das gerade gelungen.

Endlich. Er stieß einen weiteren Seufzer aus, aber diesmal einen echten. Erleichterung stieg in ihm hoch und zauberte einen Ausdruck des Triumphes auf sein hämisches Gesicht, als er sich nach vorne lehnte und seinem Erzfeind entgegenzischte: "Nun ja, zum Teil, Potter. Aber da gibt es durchaus noch andere Vorteile. Weasley, einmal Raupen zerkleinern bitte!"

Weasley warf ihm einen Mörderblick zu. Bevor die Situation jedoch ausarten konnte, erregte etwas anderes die Aufmerksamkeit der Schüler. Professor Snape gab seine wöchentliche Darbietung in der hohen Kunst des Gryffindorquälens.

"Orange, Longbottom," durchschnitt seine Stimme messergleich die stickige Luft. "Orange. Sag' mir, Junge, durchdringt auch nur eines meiner Worte deinen einfältigen Dickschädel? Hast du mich nicht deutlich sagen hören, dass nur eine Rattenmilz für den Trank nötig wäre? Habe ich nicht ausführlich erklärt, dass nur ein Spritzer Blutegelsaft ausreichen würde? Was muss ich tun, damit du mich verstehst, Longbottom?"

Draco's fieses Grinsen wurde noch eine Spur breiter. Es war doch immer wieder bemerkenswert wie es Snape gelang, mit nur wenigen Worten einen Schüler zur Verzweiflung und beinahe zum Heulen zu bringen. Von diesem Sadismus konnte er noch eine Menge lernen und normalerweise hätte er sich auch genüsslich zurückgelehnt und die Vorstellung genossen.

Aber nicht heute. Wer wusste denn schon, wann er wieder die Gelegenheit bekommen würde, sich so ungestört mit Potter zu unterhalten? Das, was er ihm zu sagen hatte, konnte man nicht in die üblichen zwei, drei Beleidigungen zwischen Großer Halle und Quidditchfeld packen.

"Hey, Harry!" Wie aufs Stichwort lehnte sich ein weiterer Gryffintrottel über den Tisch, um sich Potter's Pendelwaage zu bemächtigen. "Hast du's mitgekriegt? Im Prophet sagen sie, Sirius Black wurde gesichtet."

Wie praktisch, jetzt brauchte er das Thema noch nicht einmal selbst anzuschneiden. Offenbar stand sein Plan wieder mal unter einem guten Stern.

Es war ja auch nicht irgendein Plan. Diesmal war es ein Masterplan.

Während die Gryffintrottel eifrig damit begannen, das Thema Black von vorne bis hinten durchzukauen, überlegte er sich wie er seinen Masterplan am besten in die Tat umsetzen konnte. Schließlich versucht man nicht jeden Tag seinen Feind dazu zu überreden, Jagd auf einen Massenmörder zu machen. Vielleicht konnte er...

"Was, Malfoy? Soll ich dir noch was anderes häuten?"

Draco ignorierte Weasley. Seine Aufmerksamkeit war ausschließlich auf Potter gerichtet. Ein gefährliches Glitzern war in seine Augen getreten und sein Mund verzog sich zu einem hintergründigen Lächeln. "Überlegst du dir gerade, wie du Black ohne fremde Hilfe zur Strecke bringen kannst?"

Bei seinen letzten Worten hatte er sich weiter nach vorn gelehnt, so dass ihre Gesichter nur noch wenige Zoll voneinander entfernt waren. Zwar zuckte Potter zusammen wie von der Acromantula gebissen, doch er wich auch nicht zurück. Weil das laut Gryffindoof-Verhaltenscodex wahrscheinlich Schwäche gewesen wäre.

"Aber sicher doch," entgegnete er betont gleichmütig. Seine Stimme zitterte nicht einmal dabei. Nur der Blick seiner funkelndgrünen Augen, eine seltsame Mischung aus Verwirrung und Wut, verriet wie aufgewühlt er tatsächlich sein musste.

Draco wagte einen weiteren Vorstoß. "Falls ich in deiner Situation wäre, hätte ich schon längst etwas unternommen," höhnte er. "Ich würde mich nicht in der Schule verkriechen und den braven Jungen mimen. Ich würde dort rausgehen und mich ihm stellen."

"Wovon redest du eigentlich, Malfoy?"

Draco ignorierte Weasley und - oh, süßer Triumph - Potter tat es ebenfalls. Zwar mochte es eine Herausforderung geworden sein, die Aufmerksamkeit seines Erzfeindes zu gewinnen, aber wenn es ihm erst einmal gelungen war, dann war alles noch ganz genauso wie früher. Die Welt um sie herum verschwand, löste sich buchstäblich in Nichts auf. Und es gab nur noch sie beide.

"Weißt du es etwa nicht, Potter?" Ihre Gesichter waren einander jetzt so nahe, dass sein Atem eine der schwarzen Haarsträhnen zum Erzittern brachte. Sanft wie Federflaum hob und senkte sie sich über eine bebende Wange.

"Was weiß ich nicht?" Mit einer ungestümen Bewegung strich Potter die Strähne beiseite und lehnte sich seinerseits ein Stück vor, so dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten. Jetzt war es Draco, der zusammenzuckte, aber es gelang ihm, seine Verlegenheit mit einem spöttischen Lachen zu überspielen. "Vielleicht willst du lieber nicht deinen Hals riskieren. Willst es lieber den Dementoren überlassen, oder?"

Ein ungläubiger Ausdruck trat in Potter's Augen, doch er war zu gebannt, um Draco zu unterbrechen, oder sich gar von ihm abzuwenden. Draco fühlte eine tiefe Genugtuung in sich aufsteigen, endlich hatte er seinen Feind genau da, wo er ihn haben wollte.

Eigentlich hätte er jetzt mit der Sprache herausrücken und Potter auf Sirius Black ansetzen können. Doch er genoss es viel zu sehr, etwas zu wissen, das sein Gegner nicht wusste. Zu süß war das Gefühl ihn weiterhin auf die Folter spannen zu können; er wollte jeden Moment davon auskosten. "Wenn es hier um mich ginge, dann würd' ich Rache nehmen," hauchte er Potter ins Ohr. "Ich würde ihn eigenhändig zur Strecke bringen."

"Wovon redest du überhaupt?" zischte dieser wütend. Draco lächelte geheimnisvoll, setzte auch schon zu einer undurchsichtigen Antwort an, doch bevor er Gelegenheit bekam, sie auszusprechen, wurde er von Snape unterbrochen, der den Schülern neue Anweisungen bezüglich des Tranks gab.

Obwohl der Zaubertränkemeister nicht übermäßig laut sprach, klang seine Stimme wie Donnerhall in Draco's Ohren und sie brach den Bann, den er über seinen Erzfeind gelegt hatte. Potter schreckte aus seiner Trance hoch, wandte sich von ihm ab und wieder dem Unterrichtsgeschehen zu.

Einerseits verspürte Draco Enttäuschung, andererseits aber auch einen Hauch von Erleichterung. Noch vor wenigen Augenblicken war die Atmosphäre zwischen ihnen so angespannt gewesen, dass er geradezu ein Knistern in der Luft hatte spüren können. Noch ein paar Augenblicke länger und er hätte vielleicht die Kontrolle verloren und sich zu einer Tat hinreißen lassen, die er später bereute.

Nein, wahrscheinlich hätte Potter als erster die Kontrolle verloren und sich zu einer Tat hinreißen lassen, und Snape hätte Gryffindoof fünfzig Punkte für "Tätlichen Angriff auf einen Mitschüler" abgezogen. Nicht, dass Draco grundsätzlich etwas dagegen gehabt hätte, aber eine dicke Lippe oder gar gebrochene Nase wären dafür ein zu hoher Preis gewesen.

Mit den Augen folgte er seinem Rivalen, der mit den anderen Schülern zum Händewaschen marschierte.(Draco selbst hatte das nicht nötig; er hatte sich die Hände ja auch nicht schmutzig gemacht.) Potter hatte einen nachdenklichen, um nicht zu sagen, grüblerischen Gesichtsausdruck aufgesetzt. Er unterhielt sich flüsternd mit Weasley, und Draco glaubte zu wissen, worum es bei diesem Gespräch ging.

Hatte sein Plan funktioniert? Würde Potter sich tatsächlich auf den Weg machen und nach Sirius Black suchen? Und würde Black ihn dann finden und umbringen?

Zwar hatte er keine Gelegenheit mehr gehabt, Potter von Black's Verrat zu erzählen, aber der Grundstein war schon mal gelegt. Vielleicht würde Potter ja auch zu ihm kommen, um weitere Information zu erfahren?

Es musste klappen. Es musste einfach funktionieren, er musste diesen verfluchten Bastard endlich loswerden. Die beiden ersten Schuljahre war es schon schwierig genug gewesen, mit ihm unter einem Dach zu leben, aber mittlerweile war es unerträglich geworden. Jedes Mal wenn er ihm nahe war oder ihn auch nur von weiten sah, nein, jedes Mal wenn er auch nur an ihn dachte, spielte etwas in ihm verrückt. Diese Hitze, die durch seinen Körper jagte... sie war wie ein Feuer, das er nicht kontrollieren konnte, ein rasender, sich unerbittlich ausbreitender Buschbrand. Er hasste Potter. Er hasste ihn so sehr, dass es schon beinahe körperlich weh tat.

Diese Welt war nicht groß genug für sie beide. Und diese Schule war es gleich dreimal nicht.


Tsuzuku...


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